„Musikantenstadl“: Ein Abend mit Wiener Schmäh und ungewohntem Pepp

Von: Hannes Schmitz
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Zwei Stars der Volksmusik und Gesichter des Musikantenstadls: Sänger Patrick Lindner und ... Foto: Schmitz
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... Moderator und Sänger Andy Borg. Foto: Schmitz

Düren. Mit Wiener Schmäh kokettierte Andy Borg mit seinem Aus als Moderator des Musikantenstadls auf den Bildschirmen. Er vermied es aber, die Arena am Samstagabend beim Tournee-Halt vor nahezu ausverkauftem Haus in ein „Tal der Tränen“ zu verwandeln, auch wenn zum Ende der mehrstündigen Veranstaltung beim „Servus“ viele der Zuschauer nahe am Wasser gebaut hatten.

Von Beginn an verstand es der glänzend aufgelegte Moderator und Sänger, Stimmung in die Halle zu bringen. Der Wiener auf der Bühne, der 26 Jahre in Bergheim-Zievernich gelebt hat, ist ein gewiefter Entertainer, der geschickt auf der Gefühlsklaviatur seiner Zuhörer spielte und viele Herzen gewann, als er „kölsche Tön“ erklingen ließ.

Andy Borg war nicht nur stimmlich gut drauf, sondern selbst bester Laune und nahm sich, wenn immer sich die Gelegenheit bot, selbst auf die Schippe und karikierte sein altersbedingtes Aus: „Meine Kollegen werden in der Sendung geschminkt, ich werde gesandstrahlt.“. Allerdings fand er auch anrührende Worte: „Sie können mir den Musikantenstadl nehmen, aber nicht mein Publikum.“

Im Meer der Tränen drohte die Schweizer Sängerin Monique zu versinken, die wegen anderer Verpflichtungen zum letzten Mal auf der Stadl-Bühne stand. Und wenn sie nicht gerade schluchzte und ihre Lieder voller Emotionen mit einer außergewöhnlichen Stimme sang, hatte die einstige Siegerin des „Grand Prix der Volksmusik“ Zeit für Spitzen: „Früher konnte man als Frau auch ohne Bart einen Wettbewerb gewinnen!“

Und dann erhielt die Schau plötzlich ungewohnten Pepp: Schwung, Temperament und Bewegung zogen auf der Bühne ein, die Musik erhielt Schub und Verve. Ein frech-frischer Wind blies mit Melissa Naschenweng und den „Dorfrockern“ über die Bühnenbretter. Da traf die Lederhose die E-Gitarre und eine steirische Harmonika verbreitete rockige Klänge.

Die junge Österreicherin entpuppte sich als Wirbelwind nicht nur auf ihrem Instrument, sondern überzeugte zumindest jüngere Volksmusikseelen. Ein wenig irritierend war für die meist älteren Zuschauer der Auftritt der „Dorfrocker“ mit ihren authentischen, manchmal anspruchsvoll-witzigen Texten und ihrer fetzigen Musik.

Und dann warteten alle auf Patrick Lindner, der sein 25-jähriges Bühnenjubiläum feiert und neue und alte Songs zum Besten gab, die jeder, wie das unvermeidliche „Die kleinen Dinge des Lebens“, kannte und mitsang. Begleitet wurden alle Künstler vom Orchester Otti Bauer und vom Deutschen Showballett Berlin.

Auch nach der Pause gab es von allen Mitwirkenden große Hits und neue Titel zu hören. Dabei war auch ihr Schauspieltalent gefragt. In einem amüsanten Sketch entführten sie die Zuschauer musikalisch in die gute alte Zeit des Königlich Bayerischen Amtsgerichtes.

Verzichten musste das Publikum zu seinem Leidwesen auf Jürgen. B. Hausmann, der erkrankt war. Gelungen war der Einzug der Blaskapelle „Eifelklänge“ aus Eicherscheid, die mit dem „Bozner Bergsteigermarsch“ den Beginn der Show einleiteten.

Sie blieben Gäste der Veranstaltung, in der neben den Soloauftritten alle Interpreten ihre persönlichen Lieblingshits anderer Künstler präsentierten, bis hin zum Finale mit dem unausweichlichen „Sierra Madre del sur“. Ein unvergesslicher Abend für die Volksmusikfreunde, die mit Applaus und stehenden Ovationen nicht geizten.

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