Musikalische Versmaße aus dem Beatles-Songbuch bauen

Von: Anke Holgersson
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Unkonventionell: Die Colakiste dient dem Dürener Musiker Osiris Pausch als Bücherregal. Foto: Holgersson

Düren. Was man nicht im Bücherregal hat, muss man im Kopf haben. So lässt sich ein bekanntes Sprichwort auf Osiris Pausch, vielen Dürenern als (Straßen-) Musiker bekannt, umtexten.

In seinem „blauen Salon“, dem Rauch-, Wohn- und Probenzimmer seiner Wohnung, steht kein Regal mit Büchern, sondern als Buchablage eine 50er-Jahre-Cola-Kiste aus Holz. Die darin enthaltenen zwölf Titel sind der harte Kern von dem, was der 42-Jährige in seinem Leben gelesen und im Kopf behalten hat. Darunter diverse Künstler-Autobiografien.

„Lemmy von Motörhead hat eine tolle Biografie geschrieben“, sagt er und stellt fest: „Die ist auch schon wieder auf Reisen gegangen.“ Was bedeutet, dass sie verliehen wurde. „Mit der Option zu verschenken“, fügt Pausch hinzu. Das wiederum heißt, dass der Entleiher das Buch zurückgeben, behalten oder weitergeben darf. „Ich halte nicht viel vom Besitzen“, sagt Pausch. Denn: „Alles muss im Fluss sein.“ Umso bedeutsamer ist die Tatsache, dass ihn das alte Beatles-Songbook seit seiner Teeniezeit begleitet: „Ich bin ein tierischer Beatles-Fan, und aus diesem Buch habe ich gelernt, wie man ein Versmaß baut.“ Das kommt dem musikalischen Chronisten der Stadt Düren bis heute zugute, ob als Straßenmusiker in der City oder als Frontmann seiner neuen Band „DN-A“.

Sein bekanntestes Lied ist „Hey Düren“. Für das dazugehörige Youtube-Video hat er 13.000 Klicks erhalten. Wenn Pausch in seinen Musikvideos durch Düren spaziert, singt und Schwätzchen hält, könnte man beinahe meinen, Düren sei ein Stadtteil von Bochum. So offen und nett wirkt die Stadt durch Pauschs Brille betrachtet.

Laute Dei als Vorbild

Sein Held und Vorbild ist das Dürener Original Theodor Lauter, bekannt als Laute Dei, der mit seinem Akkordeon auch auf dem Brunnendenkmal der Wirtelstraße verewigt ist. Die Tradition dieses Stadtmusikanten setzt er fort und reichert sie durch Auftritte als Kabarettist und Schauspieler an. Deshalb liegt es ihm auch, Theaterstücke zu lesen: „Meine Einstiegsdroge war Oscar Wilde“, sagt er. Begeistert ist Pausch von dem „großartigen Humor“, den Wilde zum Beispiel in seiner Komödie „Bunbury“ zeigt. Pauschs Bücherregal im Kopf ist weltoffen und bunt. Im Gegensatz zu den Fotobänden, die bleibender Bestandteil im Cola-Kistenregal sind. Skurrilerweise stehen da zwei Bildbände, die er als „Nazischinken“ bezeichnet. Er hat sie, weil der Fotograf Erich Retzlaff sein Großvater war.

Der junge Mann hat sich mit diesem Erbe auseinander gesetzt und sagt: „Dass diese völkische Ideologie ernst gemeint gewesen sein könnte, ist erschreckend. Aber eben auch belustigend. Es ist einfach lächerlich und bringt mich zum Lachen.” Gleich daneben steht der erste Teil seiner Autobiografie: Der 2013 erschienene Titel „Als die blaue Nirvana kam”, in dem er selbstironisch seine Kindheit und Jugend im Düren der 90er beschreibt. Teil zwei steht – noch als Manuskript – daneben. Das im Februar erscheinende Buch trägt den Titel „Ey, spielma Verdampt langher !? Ein Alleinunterhalter im Selbstgespräch.“ Schreiben sieht Pausch als gute Möglichkeit, mit dem eigenen Unbewussten in Kontakt zu treten.

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