Musik vom Barock bis zur Renaissance in der Kulturfabrik

Von: Anke Holgersson
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Geiger Stephan Schardt und Pianist und Cembalist Michael Borgstede waren zu Gast in der Kulturfabrik Becker und Funck. Foto: Anke Holgersson

Düren. Der achtjährige Wolfgang Amadeus Mozart traf im London des Jahres 1765 den gut zwanzig Jahre älteren Johann Christian Bach, Musiker am königlichen britischen Hof und Sohn von Johann Sebastian Bach. Der „Londoner Bach“ beeinflusste den jungen Mozart bei seinen nachfolgenden Kompositionen.

Er schwamm sich von den Tönen des Vorbildes jedoch frei und beschritt eigene Wege: hin zu einem neuen Musikzeitalter, der Klassik. Der Geiger Stephan Schardt und der Pianist und Cembalist Michael Borgstede stellten die musikalische Begegnung der beiden Komponisten nun in der Kulturfabrik Becker und Funck nach, indem sie deren Sonaten für Klavier und Violine hintereinander spielten.

Vorausgegangen waren Interpretationen weiterer Komponisten für Violine und Cembalo von Johann Sebastian Bach, dessen Sohn Carl Philipp Emanuel und Christoph Graupner sowie eine Sonate für Violine und Basso continuo (Generalbass) von Johann Stamic. Der exzellente Vortrag beider Musiker überraschte nicht. Michael Borg-stede unterrichtet als Professor für Cembalo und Generalbass an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Schardt war lange Zeit Konzertmeister des renommierten Barock-Ensembles „Musica Antiqua Köln“. Nach der Auflösung der Gruppe in 2006 spielte Schardt die Violine wieder solo und erhielt dafür im Jahr 2014 den Echo-Klassik-Award für die beste „solistische Einspielung des Jahres“ im Bereich der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts.

Ensemble zusammengestellt

Die Cellistin Elisabeth Wand, die bei dieser preisgekrönten Aufnahme von Georg Philipp Telemanns „Frankfurter Sonaten“ mitwirkte, hatte Schardt übrigens im Rahmen der Dürener Konzertreihe kennengelernt. Damals wurde extra für die „TonSpuren“ ein Ensemble zusammengestellt. „Mir ist es wichtig, dass Musiker bei den ,TonSpuren‛ auch experimentieren können und dass neue Kontakte entstehen“, sagte Darja Großheide, Organisatorin der Veranstaltung und selbst Profi-Musikerin (Traversflöte). Die Dürenerin hatte 2010 die Idee für die Reihe. Der Hintergrund: alte Musik, also Musik des Mittelalters, der Renaissance und des Barocks, in historischer Aufführungspraxis – mit den Instrumenten der Entstehungszeit – zu Gehör zu bringen. „Mit dem Konzertabend ‚Von Bach bis Mozart’ wird die musikalische Entwicklung hin zur Empfindsamkeit nachgezeichnet“, sagte Großheide.

„Die Musik verlässt den Hof und findet in die Salons. Sie wird weniger autoritär, weniger vom Generalbass geprägt. Sie ist mehr wie ein Gespräch zwischen zwei gebildeten Menschen.“ Diesem Gespräch lauschten rund 100 Zuhörer gemischter Altersklassen gebannt. So wie Susanne Wildner und Günter Mauer, Stammgäste der Reihe. „Mir gefällt, dass der Violinist so vertieft ist in seine Musik, sein klarer Ton und die Emotionalität in seinem Spiel“, sagte Wildner. Dass Schardt zwischendurch Probleme hatte mit der Stimmung seiner Geige, lag nicht an der „Dürener Luft“, wie er augenzwinkernd erklärte, sondern vielmehr daran, dass seine Geige aus dem 18. Jahrhundert stammt. „Die ist noch mit Darmsaiten bestückt“, sagte Großheide. „Deshalb ist sie viel anfälliger für Verstimmungen und muss öfter nachgestimmt werden.“ Das Cembalo hingegen sei ein originalgetreuer Nachbau des historischen Vorbildes.

Nicht nur der lang anhaltende Applaus verriet die Begeisterung der Zuhörer, auch das verbreitete Mitwippen von Köpfen und Füßen im Auditorium ließ darauf schließen, dass die Gäste es nicht bereut hatten, in die Kulturfabrik gekommen zu sein.

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