Musik gewordenes Gefühl

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
viv konz17_bu
Tenor Christoph Prégardien erwies sich einmal mehr als einer der ganz Großen seines Fachs. Foto: Hahn

Düren. Seine Kunst ist eine hohe Kunst, die Liedkunst: Der Sänger Christoph Prégardien gehört zu den ganz Großen seiner Zunft. Und vielleicht, nachdem sich Dietrich Fischer-Dieskau schon vor Jahren von der Bühne zurückgezogen hat, ist der Tenor sogar der derzeit Größte.

Auf welch lichten Höhen sich seine Kunst bewegt, konnten jetzt in Düren die Besucher des Industriekonzerts im Haus der Stadt verspüren. Mit dem Pianisten Michael Gees entfaltete der Klassik-Star in einem Lieder- und Arienabend „Zwischen Leben und Tod” die Magie des Musik gewordenen Gefühls.

Ein eindrucksvoller Abend, dargeboten von einem starken Künstler-Paar - denn auf der Bühne herrschte bei strenger Wahrung der Aufgabenverteilung so etwas wie Gleichgewichtigkeit. Wiewohl Michael Gees als Pianist werkdienlich zu agieren hatte, verleugnete er den Reichtum seines Spiels keineswegs und wurde so Christoph Prégardien zu einem ebenbürtigen Partner in der Gestaltung, der sich durch die Lebendigkeit seiner Empfindung und einen immensen Reichtum an Nuancen sowohl der Klangfarben als auch der Anschlagskultur auszeichnete. Der dominierende Part jedoch bliebt dem Sänger vorbehalten. Und der hielt sich nicht lange zurück und öffnete in der gepflegten Atmosphäre die Schatzkiste seiner Kunst.

Dabei mochte so mancher Zuhörer noch nicht einmal auf sein Programm gucken, denn die Abfolge der Lieder entfaltete eine Sogwirkung und zog die Aufmerksamkeit des Publikums mit sich wie ein Strudel im Wasser. Auch darin erwies sich das Große an diesem Liederabend: Ein ums andere Mal stellte sich heraus, wie gut die ausgewählten Werke zu einander passten. So und nicht anders musste es sein. Zu der Folgerichtigkeit des Programms kam - noch weit wichtiger - die Eindringlichkeit des Vortrags.

Nicht eine Zeile, eine Wendung, eine Pointe gab es, die Christoph Prégardien nicht kraft seine Stimme leuchten und schimmern ließ. Doch der Star schenkte den Dürenern weit mehr als die originalgetreue Wiedergabe des Notentextes unter anderem von Johann Sebastian Bach, dessen „Komm süßer Tod” tatsächlich eine balsamische Süße des Vortrags auszeichnete, sowie von Franz Schubert, Robert Schumann, Gustav Mahler und Johannes Brahms. Prégardien machte sich die Lieder auf eine Weise zu Eigen, die von einem starken nicht bloß physischen Engagement zeugte, und wusste so als ein im Innersten Berührter die Musikfreunde im Saal zu berühren.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert