Langerwehe - Musik des Komponisten Max von Schillings im Töpfereimuseum

Musik des Komponisten Max von Schillings im Töpfereimuseum

Von: Bruno Elberfeld
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Mit dem Melodram „Das Hexenlied“ schlugen Theo Palm und Anna Fischer das Publikum im Töpfereimusuem in ihren Bann. Foto: Bruno Elberfeld

Langerwehe. Die Gäste im Saal des Langerweher Töpfereimuseums konnten sich beim Konzert davon überzeugen, dass Leidenschaft, Neugier, Gefühl und Verstand, Hartnäckigkeit in der Sache, gepaart mit musikalischem Können zu einem hervorragenden Ergebnis führen können.

Pianist Theo Palm und seine Kollegin, Altistin Anna Fischer, präsentierten nach intensiven Recherchen im In- und Ausland meist unbekannte Kompositionen eines nahezu vergessenen Tondichters, Werke von Max von Schillings, der das Licht der Welt auf dem Weyerhof 1868 in Düren-Gürzenich erblickte.

Theo Palm hatte die Aufgabe übernommen, die Besucher in Werk und Leben Max von Schillings einzuführen. Sachlich, informativ, aber nicht ohne Emotionen, gewährte Palm Blicke in die Biografie von Schillings.

Karriere im „Dritten Reich“

Zu den jeweiligen Lebensabschnitten des Musikers in Düren, Bonn, Stuttgart, München und Berlin trugen Anna Fischer und Theo Palm Kompositionen des Künstlers vor, die er an diesen Orten geschrieben hatte.

Dabei verschwieg Referent Palm nicht, dass Max von Schillings Mitglied der NSDAP war und noch vor seinem Dahinscheiden 1933 als „Präsident der Akademie der Wissenschaften“ in Berlin verantwortlich für die Diskriminierung vieler deutscher Musiker, Künstler und Literaten war. „Hitler persönlich wollte Max von Schillings zum ,Musikpapst von Deutschland‘ machen“, berichtete Theo Palm. Der Berichterstatter selbst enthielt sich eines Urteils. Das wollte er lieber den Hörern selbst überlassen.

Von dem Konzertabend im Saal des Töpfereimuseums bleiben jedoch überwiegend positive Töne im Gedächtnis. Palm und Fischer boten Lieder, unverkennbar geprägt durch die Spätromantik. Schon 1906 komponierte Schillings das „Herbstlied“ von Friedrich Hebbel.

Rücksichtsvoller Begleiter

Palm, als Pianist ganz der rücksichtvolle Begleiter, ließ der warmen, angenehmen Altstimme Anna Fischers genügend Raum zur Entfaltung, zeigte aber bei einigen Werken, wo es notwendig war, Durchsetzungsvermögen der schwarz-weißen Tasten, ließ sie klagen, jubilieren, Ängste und Sehnsüchte ausdrücken. Zu den Liedern im ersten Teil des Konzerts gehörten „Im Entschlafen“, das „Niederdeutsche Wiegenlied“ von Maria Biel und die vier Lieder aus der Wanderzeit von Karl Stieler mit den Überschriften „Botschaft“, „Julinacht“, „Aus den Nibelungen“ und „Wie wunderbar ist dies Verlorengehen“, allesamt Themen, die Herz und Seele anrühren, ganz im Sinne der romantischen Tondichtung. Im Programm allein für den Pianisten standen „Helldunkel“ und „Dies und Das“ aus „Vier Klavierstücke“, 1931 komponiert und Wilhelm Kempff gewidmet.

Teufel und Hexen

Den zweiten Teil des Konzerts nahm das Melodram „Das Hexenlied“ von Ernst von Wildenbruch ein. Hier ließen beide Musiker „sich los“, ließen Teufel und Hexen zum Leben erwachen, erzählten den Männern und Frauen auf ihren Stühlen Tragisches aus einer verflossenen Zeit, als junge Mädchen und kräuterkundige Frauen als Hexen verbrannt wurden, erzählten von dem Mönchlein, das nach 50 Jahren, kurz bevor es stirbt, seinen Brüdern im Kloster ein schreckliches Ereignis beichtet, das er Jahr für Jahr endlos und immer wieder durchlebt und durchlitten hat. „Geht beten, ihr Brüder, und richtet nicht!“, lautet das Vermächtnis des Sterbenden an seine Mitbrüder.

Publikum ganz still

Die dramatische Musik und die erzählende Stimme Anna Fischers, in Mimik, Gestik und Sprache hervorragend, ließen das Auditorium ganz leise werden. Eine Zugabe wäre an dieser Stelle nur störend gewesen.

Begrüßt wurden die Gäste von Dr. Kirsten Ulrike Maaß, der Geschäftsführerin des „Förderkreises für das Töpfereimuseum“, die nach Ende der Darbietung den Künstlern für ihr außergewöhnliches Engagement und ihren beeindruckenden Auftritt dankte.

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