Museumstag: Wenn Kunst mal aus dem Rahmen fällt

Von: Hannes Schmitz
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Schülerinnen der St. Angela-Schule „mischten” beim Museumstag das Publikum charmant, frech und flott, aber immer schweigsam, auf. Foto: Schmitz

Düren. Ein Ort der Stille vor dem ansonsten lebhaften Rathaus, Schülerinnen der St.-Angela-Schule, die mit pfiffigen Ideen Spaziergänger, Autofahrer und Radfahrer irritierten und animierten, Schaulustige, die vor dem Leopold-Hoesch-Museum zum Kunstwerk wurden.

Museumsdirektorin Dr. Renate Goldmann und Jeannine Bruno, die erste Leiterin der neuen Abteilung Kunstpädagogik, hatten sich zum Internationalen Museumstag Einiges einfallen und schon erkennen lassen, dass Kunst in der Kreisstadt zu neuen Ufern aufbricht: nicht mehr nur konzentriert auf das alte ehrwürdige Gemäuer mit modernem Anbau, sondern hin zu den Bürgern der Stadt.

Sie sollen in das Museumsgeschehen einbezogen werden, erkennen, dass die Begegnung mit Kunst und Kultur Erlebnisse schafft und den Horizont erweitert. Annehmen, dass Museen ein aktiver Teil der Gesellschaft sind.

„Museen für ein gesellschaftliches Miteinander”, war das Leitmotiv des diesjährigen Museumstages. In Düren setzte man eher auf „Kunstvermittlung” mit dem Slogan „Momente statt Monumente”. Leben als Kunst, die Aktion als Momentaufnahme, die Neugier auf das eigene Verhalten und das noch Unbekannte wecken, die Scheu überwinden, sich auf das Museum einzulassen.

Fast spielerisch, mit einer gehörigen Portion Leichtigkeit, wurde das Publikum einbezogen. Speisen vor dem Museum, Essen als reale Alltagskunst. Zuschauer betrachteten auf ihren Stuhlreihen die freiwilligen Teilnehmer an der „Eat-Art” (der Ess-Kunst). Ein zeitliches Stilleben, aber auch Alltägliches, das für einen Moment in den Blickpunkt rückt und mit dem Beiseite-Legen der Serviette der Vergangenheit angehört.

Und die Tischrunde: Mit dem ersten Glas wich die Befangenheit und das Gefühl, Objekt zu sein. Der Plausch wurde zum Gespräch, die Kommunikation über das Essen hergestellt. Ganz im Sinne von Renate Goldmann. Eine plastische Momentaufnahme wurde geschaffen, für wenige Augenblicke ein Ort des Miteinanders und des zwanglosen Erfahrungsaustauschs inszeniert.

Auf dem Rathausvorplatz kehrte an einem Tisch die Ruhe ein. Wer wollte, ließ sich auf tonlose Blicke mit der Künstlerin Elisabeth Clark ein und machte Erfahrungen ungewöhnlicher Art. Den „Gedankenlärm” in den Griff zu bekommen, Zeit empfinden, eine „Station der Stille” erleben. Fast hypnotischen Blicken ausgesetzt, wurden für die einen die Minuten zur Ewigkeit, für andere die Zeit zur Selbstbesinnung oder innerer Gelöstheit.

Action als Aktion brachten die Schülerinnen der Angela-Schule auf Dürens Straßen und Gehwege. Fassungslose, schimpfende oder amüsierte Passanten und Verkehrsteilnehmer, unbeirrbare, flotte „Aktionskünstlerinnen”, die mit Rahmen, Symbolen, Buchstaben und Zahlen „Street-Art” arrangierten. Toll gemacht und ein erster Erfolg der Kooperation zwischen Museum und Schule, wie die Museumsleiterin meinte. Überhaupt wird der Jugend, wie Jeannine Bruno erläuterte, im neuen Museumskonzept ein besonderer Stellenwert eingeräumt. Kreative, spannende Kunstangebote für Jugendliche mit ihren speziellen Interessen sind vorgesehen.

Plattform der Begegnung

Ein Anfang war die durchgehende Graffiti-Aktion mit der Sprayer Gruppe „blue writers”. Zwischen Leopold-Hoesch- und Papiermuseum fand eine „Paper-Art-Aktion” statt. Da wurde unter der Anleitung von Jutta Reich geschnibbelt, geklebt und befestigt. Im Laufe des Tages entwickelte sich aus dem ersten Papierstreifen ein „Gesamtkunstwerk” an dem sich viele beteiligten. Das Ziel der Museumsleiterin, das Areal um das Gebäude zu einer Plattform der Begegnung und des Austausches zu machen, wurde erreicht.

Den Kern der Sache traf der Gitarrist, Sänger und Entertainer Osiris Pausch mit seinem Museumsrap, der das stattfindende Geschehen auf den Straßen der Stadt stets miteinbezog, mit der prägnanten Textzeile: „Museumstag 2010, da gibt es viel zu sehn”. Düren, so wurde im Verlauf des Mueseumstages klar, darf sich wohl auf eine neue Museumsära freuen.
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