Museum „Hürtgenwald 1944” öffnet wieder seine Türen

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
Hürtgendwald Museum 1944
Hürtgendwald Museum 1944

Vossenack. Die Begeisterung, in einer Publikation über den Westwall aufzutauchen, hielt sich beim Geschichtsverein Hürtgenwald im Jahr 2009 in Grenzen. „Zukunftsprojekt Westwall - Wege zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit den Überresten der NS-Anlage” ist der Schriftenband des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) betitelt, in dem erstmals der aus Sicht der Historiker zum Teil fragwürdige Umgang mit den Relikten des Nazi-Bollwerks und die zum Teil ebenso fragwürdige Aufbereitung der Kämpfe an der Westgrenze des Deutschen Reiches thematisiert wurde.

Das vom Verein in ehrenamtlicher Arbeit aufgebaute und betriebene Museum „Hürtgenwald 1944 und im Frieden”, das am Sonntag seine Winterpause nach Umbauarbeiten beendet und wieder öffnet (Infokasten), tauchte in diesem Band auf. Nicht gerade als Vorzeigeexemplar.

Kritik von Historikern

Der Kritikpunkt: Das Museum entspreche nicht den musealen Standards, sei vielmehr eine Art Waffenschau, in der Krieg inszeniert werde. Es gibt Waffen, Uniformen, Orden: Der Krieg werde so schnell zum Abenteuerspielplatz. Kaum ein Wort falle über den Kontext des Geschehens, die Eroberungspolitik des Nazi-Regimes, die Vernichtungsfeldzüge.

Kurz: die Gründe, warum der von Deutschland entfachte Krieg im Winter 1944/45 den deutschen Boden erreichte. Elfenbeinturm Wissenschaft auf der einen, Abenteuerspielplatz Museum auf der anderen Seite: So sah es - zugespitzt formuliert - für viele Beteiligte aus.

Die Fronten waren verhärtet, um daran etwas zu ändern, hatten Gemeinde und Konejung-Stiftung zu einer Tagung eingeladen. Wissenschaftler und Ehrenamtler setzten sich an einen Tisch.

„Ich will nicht sagen, dass etwas verändert werden sollte. Ich sehe den Zwang zur Veränderung”, sagte Professor Dr. Jürgen Kunow, Leiter des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland, vor drei Jahren. Klingt kritisch? So war es auch gemeint. Aber konstruktiv zugleich: „Das mit hohem Engagement Gesammelte nach musealen Standards zu präsentieren, stellt Anforderungen, die Ehrenamtler ohne Unterstützung nicht leisten können”, bilanzierte Kunow.

Und es gab Hilfsangebote: Peter M. Quadflieg vom Lehr- und Forschungsgebiet Wirtschafts- und Sozialgeschichte der RWTH Aachen und Dr. Karola Fings vom NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln gingen mit Studenten ins Museum.

Sie machten eine kritische Bestandsaufnahme, formulierten Empfehlungen, übergaben diese dem Verein und publizierten sie im Internet. „Die Hilfe nehmen wir gerne an”, sagte Helmut Rösseler vom Geschichtsverein damals. Und wie sieht es heute im Museum aus?

Inwieweit die Vorschläge und Empfehlungen der Wissenschaftler mittlerweile umgesetzt wurden, kann Karola Fings nicht beantworten. „Seitdem wir dem Verein im Sommer 2010 das Gutachten geschickt haben, haben wir nichts mehr vom Verein gehört”, bedauert die Historikerin.

Vielleicht werde sie das Museum am Sonntag besuchen, denn auf der kommenden Jahrestagung des Brauweiler Kreises für Landes- und Zeitgeschichte wird dieses Thema nochmals auf der Agenda stehen. „Wenn der Verein ein ernsthaftes Interesse an einer Neuausrichtung hat, stehe ich für eine wissenschaftliche Begleitung zur Verfügung”, sagt Karola Fings.

„Unser Interesse an einer Zusammenarbeit war vorhanden und ist vorhanden”, bekräftigt Helmut Rösseler. Warum keine Antwort an die Wissenschaftlerin ging, könne er nicht beantworten. Der Verein, der das Museum betreut, habe aber viele Kritikpunkte aufgenommen und Veränderungen angestoßen.

Im Jahr 2011 wurde geplant, im Winter 2011/2012 wurden die Pläne umgesetzt. Es entstand Platz für das Archiv, die Sammlung mit Fundstücken von der Urzeit bis in die Römerzeit erhielt einen eigenen Raum.

Die aus Sicht des Vereins wichtigste Veränderung war auch ein Kritikpunkt der Wissenschaftler: Ab Sonntag erhalten die Besucher des Museums im ersten Raum direkt zu Beginn ihre Besuchs einen einordnenden Überblick des Geschehens im Zweiten Weltkrieg - von der Landung der Alliierten in der Normandie bis zu den Kämpfen im Hürtgenwald.

Die fehlende Einordnung des Gezeigten wurde mehrfach in der Bestandsaufnahme bemängelt. Derzeit arbeiten die Mitglieder des Vereins daran, Texte für einen Audio-Guide zu verfassen und zu sprechen. Zehn Handgeräte für akustische Museumsführungen wurden dem Verein von einem regionalen Energieversorger gespendet.

Gleichzeitig haben die Ehrenamtler die Ausstellung verschlankt und damit Ausstellung und Sammlung besser getrennt. Es gibt weniger Waffen und dafür mehr Worte. Doch ganz ohne Uniformen, Orden und Dioramen werde das Museum nicht funktionieren, mutmaßen die Vereinsmitglieder.

„Wir können nicht die eigenen Leuten vor den Kopf stoßen. Aber wir müssen weiterhin etwas verändern. Das ist ein schmaler Grat”, wirbt Robert Hellwig vom Geschichtsverein auch um Verständnis für die Besonderheiten ehrenamtlicher Arbeit.

Ein Verein habe weder die finanziellen noch personellen Kapazitäten, um von heute auf morgen alles umzugestalten. „Das können wir auch nicht - weil wir dann Gefahr laufen, dass keiner mehr kommt”, sagt Dieter Heckmann vom Verein.

Er übernimmt Führungen für Gruppen und betont: „Bei diesen Touren, zu denen auch ein Besuch des Sanitätsbunkers in Simonskall und der Besuch eines Soldatenfriedhofs gehören, geben wir viele zusätzliche Informationen.” Regelmäßige Besucher seien neben Mitgliedern der US-Streitkräfte auch Gruppen der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Ziel des Museums sei keine unkritische Waffenschau, die den Krieg verherrlichen soll. „Unsere Botschaft lautet Frieden”, sagt Hellwig. Das Gezeigte solle den Eindruck vermitteln, wie „sinnlos Krieg ist”, welche Folgen Kriegsführung für die Menschen hat.

„Die Zeit der Zeitzeugen ist vorbei. Wir merken, dass wir vieles an Wissen nicht mehr voraussetzen können”, spricht Heckmann die ohnehin vorhandene Notwendigkeit an, die Art der Präsentation zu verändern. Mehr erklärende Texte, mehr Einordnung laute die Devise.

Die Umsetzung benötige aber Zeit. „Wir haben die ersten Schritte gemacht. Aber wir stehen erst am Anfang der Entwicklungen”, sagt Heckmann. Auch der Wiederaufbau und das Leben im Frieden soll stärker in den Fokus gerückt werden. „Schritt für Schritt.”

In zwölf Jahren 60 000 Besucher gezählt

Das Museum „Hürtgenwald 1944 und im Frieden” wird getragen und betreut vom Geschichtsverein Hürtgenwald. Die Kommune stellt die Räume zur Verfügung. Die Sammlung haben ehrenamtliche Helfer innerhalb der vergangenen Jahre zusammengetragen.

Nach Angaben des Vereins besuchten bislang 60 000 Menschen die Ausstellung, darunter waren 20 000 ausländische Gäste.

Von März bis November ist das Museum sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Infos (nur sonntags) unter der Rufnummer 02429/ 902613. Führungen können per E-Mail an HeckmannDieter@gmx.de abgesprochen werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:

Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.