Museum für den Kirchenschatz

Von: Stephan Johnen
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Düren. Über Jahrhunderte war die Annakirche vor allem eines: eine dem fränkischen Bischof Martin geweihte Kirche. Mit dem augenzwinkernd als Übertragung bezeichneten Raub des Anna-Hauptes aus Mainz im Jahr 1501 wurde die Martinskirche zunehmend als Annakirche bezeichnet.

Der Patrozinienwechsel erfolgte offiziell jedoch erst Ende des 19. Jahrhunderts. Am 16. November 1944 war es dann eine Annakirche, die von britischen Bombern in Schutt und Asche gelegt worden ist.

In dem vom Architekten Rudolf Schwarz entworfenen modernen Gotteshaus, das der zerstörten gotische Kirche folgte, erinnert künftig ein Martinum getauftes kleines Museum an die bewegte Geschichte der ältesten Dürener Pfarre - anhand ausgestellter liturgischer Gegenstände aus dem zum Teil stark beschädigten Kirchenschatz, Zeichnungen und Dokumente.

Ursprünglich konzipierte Rudolf Schwarz den haushohen Turmraum der Kirche, der nach mehrjähriger Planungszeit zum Museum wird, als Martinskapelle. Lange Zeit sei er vor allem eine Rumpelkammer gewesen, sagt Dr. Alderich Niederau vom Kunstausschuss der Pfarre.

Pläne reiften, diese Rumpelkammer aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Drei Jahre und 15000 investierte Euro später, ist das Martinum fertig. Am Samstag wird es der Öffentlichkeit erstmals vorgestellt.

„Der Kirchenschatz der Pfarre ist bis ins 19. Jahrhundert durch Stiftungen erweitert und seit dem 16. Jahrhundert durch Raub und Unachtsamkeit vermindert worden”, sagt Dr. Hans J. Domsta. Der ehemalige Dürener Stadtarchivar unterstützt den Kunstausschuss bei der Konzipierung der Ausstellung.

Den größten Schaden nahm der Kirchenschatz jedoch im Zweiten Weltkrieg. Der damalige Pfarrer, der im Bombenhagel umkam, lagerte zwar Teile in Verstecke aus. Es waren jedoch Verstecke, die teilweise nur er kannte.

Viele liturgische Gegenstände und Heiligenbüsten, die nun im Martinum zu sehen sind, tragen die Spuren des vernichtenden Brands, sind stark beschädigt. Ein durch Hitze verbogenes Ziborium, das nach dem Bombenangriff aus dem Tabernakel gemeißelt wurde, habe zwar keinen materiellen, dafür aber einen hohen historischen Wert, sagt Domsta. Die Ausstellung soll für die Kirche Bedeutsames zeigen, Bedeutsames aus der Geschichte der Pfarre und auch etwas über die Stifter verraten.

„Viele Figuren auf den Kelchen und Monstranzen sind auf den ersten Blick nur Figuren”, sagt Domsta. Doch beim zweiten Blick zeige sich ein ikonographische Programm: Über die Jahrhunderte hinweg nahmen die jeweiligen Goldschmiede in den Arbeiten Bezug auf die Geschichte der Pfarre, griffen sie auf.

So lässt sich beispielsweise auf einer Monstranz aus dem 19. Jahrhundert die Geschichte der Pfarre bis zu ihren Anfangen erzählen. Als die Kirche noch Martin hieß.
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