Munitionsdepot Gürzenich: Die Infrastruktur neu aufgebaut

Von: Stephan Johnen
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Die Zimmer sind vorbereitet: 75 Ehrenamtler waren am Wochenende im Einsatz, um beispielsweise Betten aufzubauen. Foto: Stephan Johnen

Gürzenich. Kein Strom, kein Gas, kein Wasser, keine Heizung. Die erste Bestandsaufnahme fiel ernüchternd aus. Als Kreis-Dezernent Peter Kaptain am 11. September die Schlüssel für das ehemalige Munitionsdepot der Luftwaffe in Gürzenich bekam, tat sich eine Baustelle nach der anderen auf. „Wir mussten die Infrastruktur neu aufbauen“, sagt er.

Die erste Maßnahme war es, zugewachsene Gebäude überhaupt zugänglich zu machen. 2008 wurde das Depot aufgegeben, die Natur hatte sich seitdem viel Raum zurückerobert. Auch wenn am Wochenende immer noch an mancher Baustelle gearbeitet wurde: Die Aufgabe, ab Montag die ersten 250 Flüchtlinge aufzunehmen, kann gemeistert werden. Dafür wurde elf Tage lang unter Hochdruck gearbeitet. Neben dem Bauhof des Kreises waren auch Helfer von DRK, Johannitern und des Malteser Hilfsdienstes im Einsatz.

Hintergrund der Einrichtung einer kurzfristigen Notunterkunft des Landes in Gürzenich ist die Verlagerung der „Drehscheibe“ für Flüchtlinge von Dortmund nach Köln. Von Köln aus sollen täglich bis zu 1000 Menschen, die mit Flüchtlingssonderzügen ankommen, auf Einrichtungen verteilt werden.

„Die Bezirksregierung hat uns gebeten, zunächst 500 Plätze zu schaffen“, sagt Kaptain. Er geht aber davon aus, dass bis zu 1000 Asylbewerber Platz in Gürzenich finden. Angesichts der Flüchtlingsströme rechnet er damit, dass die kurzfristige zu einer dauerhaften Einrichtung wird. Was das für die Erstaufnahmeeinrichtung an der Dürener Cornetzhofschule bedeutet, konnte niemand sagen.

„Zwei Gebäude wurden kurz vor der Aufgabe renoviert, die konnten wir direkt nutzen“, beschreibt Ralf Butz, Leiter des Amtes für Bevölkerungsschutz. Zwei weitere Gebäude und zwei Hallen wurden bislang hergerichtet. „Fast 90 Handwerker von 15 Unternehmen waren und sind hier im Einsatz“, spricht Butz den Unternehmen Anerkennung aus. Mancher Kunde habe angesichts der Dringlichkeit die Arbeiten warten müssen.

Auch in den Gebäuden, die als nicht nutzbar eingeordnet wurden, waren Handwerker im Einsatz: Teils fehlten Heizkörper und Rohre, Schalter und Kabel. „Als wir das alte Kraftwerk wieder in Betrieb genommen hatten, lief zunächst das Heizwasser wieder aus. Die Lecks mussten wir alle suchen und schließen“, berichtet Peter Kaptain. Auch die elektrischen Leitungen wurden überprüft. Bei Laboruntersuchungen wurden keine Schadstoffe nachgewiesen.

Neben Schlafstätten entstehen auch Sozialräume, in denen beispielsweise Sprachkurse stattfinden können, eine Kleiderkammer, ein Kiosk und eine Mensa. Mediziner haben sich bereit erklärt, die Menschen zu behandeln. Um die Einrichtung besser anzubinden, sollen künftig auf der entsprechenden Buslinie mehr Fahrten angeboten werden, geplant ist auch eine Fahrradstation.

„Bislang wurde alles im Wege des Katastrophenschutzes abgearbeitet“, sagt Peter Kaptain. Zukünftig soll ein Hilfsdienst die Einrichtung betreiben. „Sowohl die Johanniter als auch die Malteser haben ein Angebot bei der Bezirksregierung eingereicht“, sagt er. Bis zu einer Entscheidung, die Montag fallen soll, übernehme der Malteser Hilfsdienst kommissarisch die Leitung. „Die Malteser sind stark in der Fläche, haben viele Ehrenamtler. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie dauerhaft die Verantwortung übernehmen.“ Der Kreis stehe als Partner des Betreibers und beim Gebäudemanagement weiterhin zur Verfügung.

Die Kosten für Einrichtung und Betrieb übernimmt das Land. Bis dato geht der Kreis in Vorleistung. „Wie hoch die Kosten sind, kann ich noch nicht beziffern“, sagt Ralf Butz. Die Etagenbetten für 500 Menschen hätten beispielsweise 90.000 Euro gekostet.

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