Münzfunde auf Ackerfläche: Geschichtsverein Nörvenich holt Römerzeit ans Tageslicht

Von: Stephan Vallata
Letzte Aktualisierung:
schatzsuche_bu
Mit dem Metalldetektor unterwegs: Klaus Mühlbauer und seine Mitstreiter aus dem Geschichtsverein Nörvenich „durchpflügen” einen Acker nach Fundstücken aus der römischen Antike. Foto: Vallata

Nörvenich. Das Ding piept. Mal lauter, mal leiser. Mal recht hysterisch, mal etwas entspannter. „Also, es ist so”, sagt Klaus Mühlbauer: „Die unterschiedlichen Metalle haben unterschiedliche Leitfähigkeiten.”

Der Leiter des Arbeitskreises Archäologie im Nörvenicher Geschichtsverein steht auf einem Feld nahe des Neffelbachs, unter ihm die gleißend weiße Ackerkrume, über ihm der strahlend blaue Himmel. In der Hand hält Mühlbauer einen gelb verkleideten Metalldetektor, den er einarmig in kreisenden Bewegungen über den Boden vor sich gleiten lässt. Es piept. „Edelmetalle haben eine hohe Frequenz, Eisen zum Beispiel eine niedere”, sagt Mühlbauer und kneift die Augen zusammen, weil die Sonne blendet. So ist es also.

Die Vergangenheit liegt im Dunkeln begraben. Mühlbauer und seine Mitstreiter aus dem Geschichtsverein holen sie wieder ans Licht. Dazu bedarf es eigentlich recht wenig: einer guten Spürnase vielleicht und ein bisschen technischer Hilfe. Dort, wo sich in vorchristlicher Zeit zwei römische Heeresstraßen kreuzten und die vermutlich größte römische Siedlung im Kreis Düren entstand, ziehen sich heute Ackerfurchen wie mit dem Lineal gezogen durch die fruchtbare Erde.

Agrarkulturtreibende sind hier unbewusst und unbeabsichtigt in die Rolle von Archäologen geschlüpft: Durch jahrzehntelanges Umpflügen des Bodens hat sich so manches Artefakt aus dem Imperium Romanum bis fast an die Oberfläche gearbeitet. Nach drei Feldbegehungen auf dem denkmalgeschützten Areal in einer bisher einzigartigen Kooperation mit dem Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland haben die Mitglieder des Geschichtsvereins rund 150 Funde gemacht, darunter allein 88 Münzen römischer und keltischer Prägung.

„Ein großartiges Ergebnis”, findet der Vereinsvorsitzende Wilhelm Esser. „Trotzdem ist hier Gefahr in Verzug.” Frische Fuß- und Grabungsspuren auf dem unlängst gepflügten Areal ließen unschwer erkennen, dass noch in den Nächten unmittelbar vor den Begehungen illegale Akteure unterwegs gewesen seien an. „Der Verein ist fest entschlossen, so viele Zeugnisse der reichen antiken Geschichte Nörvenichs wie möglich für die wissenschaftliche Auswertung sicherzustellen.” Es geht ziemlich professionell zu: Per GPS-Gerät wird die genaue Lage der Fundstücke eingemessen und auf einer Karte verzeichnet.

Die ältesten Münzen stammen aus der Zeit um 20 vor Christus, die jüngsten vom Ende des vierten Jahrhunderts nach Christus. „Damit können wir eine Besiedlungszeit unseres Ortes von rund 400 Jahren nachweisen”, sagt Klaus Mühlbauer vom Arbeitskreis Archäologie.

Herausragende Funde der ehrenamtlichen „Schatzsucher” waren neben acht Silberdenaren auch Teile von römischen Gewandnadeln und ein Dachziegel mit Stempel, über den sie sogar den Herkunftsort und die Entstehungszeit ermitteln konnten. Aus der Jungsteinzeit stammt eine Beilklinge, die sich ebenfalls im Boden verborgen hat. Tausende Jahre Menschheitsgeschichte verdichten sich auf einem Acker von 22 Hektar. Das lässt wohl niemanden wirklich kalt. Klaus Mühlbauer jedenfalls nicht.

„Es geht darum, Zeitabläufe nachzuzeichnen”, sagt er und lässt seine Sonde weiter ganz dicht über den Erdoberfläche kreisen. Es piept schon wieder.

Weitere Informationen:

Wer Interesse an einer Mitarbeit im Geschichtsverein hat, kann sich an Klaus Mühlbauer (02426/5322) oder Josef Koop (02426/4620) wenden. Funde wie der Denar aus dem Jahre 233 nach Christus sind keine Seltenheit.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert