Münstermann erobert Wahlkreis zurück

Von: Jörg Abelsund Stephan Johnen
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Das Ende eines Wahlkrimis: Jos
Das Ende eines Wahlkrimis: Josef Wirtz (CDU, links) gratulierte seinem SPD-Herausforderer Peter Münstermann zum Sieg. Foto: Johnen

Kreis Düren. Ingola Schmitz schlug die Hände vors Gesicht: Als um 18 Uhr die Prognose von Infratest Dimap über die Großleinwand im Sitzungssaal des Dürener Kreishauses flimmerte, brauchte die 49-jährige FDP-Politikerin aus Nörvenich ein paar Sekunden mehr um zu begreifen, was sich in diesem Moment abzeichnete.

Im Sog des „Lindner-Effekts” fand sich die Oberstudienrätin mit Landeslistenplatz 19 unverhofft im Landtag wieder. „Mein Gott, mein Gott”, konnte Ingola Schmitz ihr Glück kaum fassen, fiel Wahlleiter Landrat Wolfgang Spelthahn um den Hals, um dann mit feuchten Augen die Sektkorken knallen zu lassen.

Ein spannender Abend

Die erste Siegerin eines spannenden Wahlabends im Kreishaus blieb nicht lange allein. Auch bei den Grünen sprudelte wenig später die „Gewinnerbrause”. Bei der Landtagswahl vor zwei Jahren mit ihrem Listenplatz 25 noch knapp gescheitert, schaffte eine überglückliche Gudrun Zentis Sonntagabend den Einzug ins Düsseldorfer Parlament. Und die Finanzwirtin aus Abenden hat auch schon klare Vorstellungen über ihre Zukunft im Landtag: Um das Themenfeld Braunkohle/Tagebaunachfolgelandschaft wolle sie sich ebenso kümmern wie um die Finanzausstattung der Kommunen, erklärte Zentis: „Wenn ich mich mit meinen Wünschen in einer so großen Fraktion durchsetzen kann”, betonte die 58-Jährige mit Blick auf die 28 Sitze ihrer Partei.

Betretene Blicke derweil bei der CDU, die im Sog des landesweiten Absturzes auf 26 Prozent auch im Kreis Düren Federn lassen musste und bei den Zweitstimmen mit 30,96 Prozent deutlich hinter die SPD zurückfiel. Es war das schlechteste Ergebnis, das die CDU im Kreis Düren jemals verzeichnen musste.

Zu einer echten Zitterpartie wurde der Kampf um die Direktmandate im Kreis Düren. Schon kurz nach der Prognose prophezeite Wolfgang Spelthahn: „Im Wahlkreis Düren I wird es für Josef Wirtz eng.” Schnell zeigte sich, dass der Landrat Recht behalten sollte. SPD-Herausforderer Peter Münstermann ging früh in Führung, die er bis zum Schluss behauptete. Der Schlicher hat den 2005 an Josef Wirtz und die CDU verlorenen Wahlkreis überraschend zurückgewonnen. „Sicherlich gab es Rückenwind von Hannelore Kraft”, sagte Münstermann. „Aber die Menschen in der Region haben sich auch ganz konkret für einen Arbeitnehmervertreter ausgesprochen”. „Gegen dieses Landesergebnis kann auch ein Kandidat im Wahlkreis nichts machen”, sagte Josef Wirtz. Er habe aber gekämpft - und gegen den Landestrend Stimmen verteidigt. Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Auch im Süden wurde es eng. SPD-Kandidatin Liesel Koschorreck, die vor zwei Jahren noch 12,7 Prozentpunkte hinter CDU-Mann Rolf Seel rangierte, kämpfte sich bis auf 2,2 Prozentpunkte an den langjährigen Abgeordneten heran. Erst kurz vor 20 Uhr konnte Seel aufatmen. Sein Wiedereinzug in den Landtag war perfekt. Für Josef Wirtz ging die Zitterpartie derweil weiter. Mit Landeslistenplatz 32 blieb für den Landwirt noch eine vage Hoffnung. Ob er nach Düsseldorf zurückkehren wird, stand bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe jedoch noch nicht fest.

Liesel Koschorreck wurde wie vor zwei Jahren wieder ein Opfer des guten SPD-Abschneidens auf Landesebene. Weil die Sozialdemokraten derart viele Direktmandate errungen haben, hatte die Birkesdorferin mit ihrem Listenplatz 19 keine Chance. „Dieses Mal hat es nicht ganz geklappt. Aber ich werde weitermachen”, kündigte sie Sonntagabend an. Das Wahlergebnis wertete sie als „persönlichen Erfolg, der mich motiviert”.
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