Düren - „Mr. Pilks Irrenhaus“: Sind nicht alle Menschen irre?

„Mr. Pilks Irrenhaus“: Sind nicht alle Menschen irre?

Von: Bruno Elberfeld
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Ein Sohn präsentiert sich seiner Mutter als Huhn. Die Mitglieder des Literaturkurses überzeugten. Foto: bel

Düren. Auf Plakaten, in Programmen und kurzen Inhaltsangaben zu „Mr. Pilks Irrenhaus“ kann man folgende oder ähnliche Fragen als Aufmacher lesen: Was ist zu tun, wenn der Sohn sich in ein Huhn verwandelt und ein Ei auf den Wohnzimmerteppich legt?

Ein recht seltsames Problem, von den meisten Lesern wohl nach Absurdistan verlegt. Der Literaturkurs des Stiftischen Gymnasiums Düren, Jahrgangsstufe 11 (Q1), hat – frei nach der Vorlage des britischen Autors Ken Campbell – diese und weitere Fragen in zehn Szenen auf der Theaterbühne der Schule beantwortet.

Die Mutter des Jungen, der sich als Huhn aufführt, will ihn in ein Sanatorium einweisen lassen. Doch der Mann in dem weißen Kittel stellt die Normalität des jungen Mannes fest und nimmt die Mutter mit. In der einleitenden Szene „Wartezimmer“ wird den Zuschauern schnell klar, um was es eigentlich geht.

„Schwachsinn und Irrsinn existieren neben uns, vor uns und hinter uns“, sagt eine Klientin im Wartezimmer der Irrenanstalt. Das Leben in dieser Anstalt sei das Spiegelkabinett des so genannten wirklichen Lebens. Ein junges Mädchen bekommt von ihrer handyverliebten Mutter nicht genügend Zuwendung.

Folgerichtig legt sie sich auf eine Decke, saugt am Schnuller, fällt in den Babymodus, in die Zeit, in der sich Mutter noch ihrem hilflosen Nachwuchs widmen musste. Immer wieder stellen die Akteure tiefgründige Fragen: Was ist Irrsinn? Wer hat die Wirklichkeit? Wer setzt fest, was Normalität ist? Ist es normal, anstelle eines modernen Dampfbügeleisens die Sprühfähigkeit des eigenen Mundes beim Bügeln einzusetzen?

Aktuelle politische Bezüge spiegelt die Szene, in der sich zwei Spionageanwärter am Einüben eines Sprachcodes abarbeiten. Unheimlich stark unter all den starken Szenen ist das „Käsebrot“. Ein Patient versucht emotionsgeladen von der Therapeutin zu erfahren, was ein Tisch ist.

Die Aufführung der Stift-Schüler war genial und perfekt. Gekonnt schlüpften sie in Rollen, die zur Gratwanderung zwischen albernem Tun und ernster Interpretation hätten verführen können. Das Publikum hat verstanden, dass zwischen der Norm und dem Irrsinn latente Wirklichkeiten und Fantasien existieren. Unter der Gesamtleitung von Lehrer Robert Will wurde alles in eigener Regie arrangiert, von der Musikauswahl bis zu den Kulissen. Ein besonderes Lob bekam die Technik-AG der Schule, die praktisch im Dauereinsatz war.

In der Aula der Schule wurde das Stück zweimal aufgeführt. Eine weitere Aufführung findet im Rahmen der Schultheaterwoche am Dienstag, 23.06.15, um 19.30 Uhr im Theater „Depot 2“ in Köln-Mülheim statt. Karten sind im Sekretariat der Schule zu haben.

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