Düren - Motorradpolizisten: Gas geben, um Raser zu stoppen

Motorradpolizisten: Gas geben, um Raser zu stoppen

Von: Sarah Maria Berners
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Die Kleidung ist schon im neuen Polizeiblau, die Motorräder müssen noch beklebt werden, das Provida-Krad (Mitte) bleibt natürlich in Zivil: Michael Niederklapfer, Volker Heinen und Thomas Fliegen (v.l.) von der Kradgruppe der Dürener Polizei. Auf dem Bild fehlt Markus Valder. Foto: smb

Düren. Einen Moment in Gedanken versinken, für ein paar Augenblicke unkonzentriert sein: Das dürfen sich Volker Heinen, Michael Niederklapfer, Markus Valder und Thomas Fliegen auf ihrem Arbeitsplatz nicht erlauben.

Die vier Männer sind Motorradpolizisten. Sie steuern unter anderem das Video-Motorrad durch die Eifel und haben ein Auge auf die Fahrer, die es mit den Verkehrsregeln alles andere als genau nehmen. Berufsbedingt müssen die vier Männer der Dürener Kradstaffel auf den kurvigen Strecken der Eifel ebenfalls Gas geben. „Das ist schon eine gefährliche Kiste“, beschreibt Volker Heinen (54) seinen Beruf.

Ein gewisses Risiko fährt bei den Polizisten immer mit, wenn sie sich Rasern – sei es im Auto oder auf dem Zweirad – an die Fersen heften, um Tempoüberschreitungen oder unerlaubtes Überholen zu dokumentieren. Aber die Männer sind gut trainiert: Wer ein Provida-Krad und die anderen Dienstmotorräder steuern will, muss körperliche und mentale Fitness beweisen und in Lehrgängen und Trainingseinheiten mit dem Motorrad zeigen, dass er für diesen Job geeignet ist. „Wichtig ist auch ein gewisses Maß an Lebens- und Berufserfahrung“, sagt Volker Heinen. Leichtsinnig sein, könne auf dem Zweirad fatale Folgen haben.

„Jeder Provida-Krad-Fahrer muss wissen, wann er abbrechen muss, um sich nicht in Gefahr zu bringen“, sagt Karl-Heinz Hamacher, der Leiter des Verkehrsdienstes. Und wenn jemand aus persönlichen Gründen keinen guten Tag habe, dann sollte er die Maschine besser stehenlassen. „Wichtig ist, dass die Jungs wieder gesund zurückkommen“, sagt Hamacher. Er weiß, dass auch die Ehefrauen sich oftmals Sorgen machen. Die Polizisten selbst haben keine Angst vor der rasanten Fahrt, wohl aber den nötigen Respekt.

„Diejenigen, die von uns angehalten werden, haben wirklich großen Mist gebaut“, beschreibt Heinen. Ein Beispiel: Bei Mariawald haben drei Motorradfahrer alles überholt, was ihnen im Weg war und eine Höchstgeschwindigkeit von 137 km/h erzielt – 50 km/h waren erlaubt. Das kostete jeden 1200 Euro und bedeutet drei Monate Fahrverbot. Solche Strafen verfehlen ihre Wirkung selten.Und: Sie sprechen sich rum.

Zu Auseinandersetzungen mit den Rasern kommt es nie. „Wenn sie uns sehen, wissen sie, dass die Beweise hieb- und stichfest sind“, sagen die Motorradpolizisten. Außerdem sind die Polizisten auch psychologisch geschult, wissen, wie sie mit den Menschen reden müssen. „Und das Motorrad ist ein gemeinsamer Nenner“, beschreibt Thomas Fliegen (34). Einem der Polizisten ist es sogar passiert, dass eine Niederländerin, die ihren Sohn „auslösen“ wollte, sich mit einer Umarmung bedankt hat, in der Hoffnung, dass der Sohn aus dieser teuren Erfahrung endlich etwas lernen werde.

„Wenn wir einer Frau die Nachricht überbringen müssen, dass ihr Mann bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist, dann geht das richtig an die Nieren“, sagt Volker Heinen. Um solche schweren Unfälle zu vermeiden, sind die Motorradpolizisten im Einsatz. Seit sieben Jahren gibt es das Provida-Krad in Düren und die Zahl der Unfälle mit Schwerverletzen oder Toten in der Eifel ist seitdem deutlich gesunken.

Die Männer der Kradgruppe sind aber nicht nur im Einsatz, um in Zivil Raser zu verfolgen. Sie fahren auch als Polizisten erkennbar durch die Eifel, um Präsenz zu zeigen. Darüber hinaus sind die Männer bei Demos und Sportveranstaltungen wie dem Indeland-Triathlon und Radrennen im Einsatz, begleiten Karnevalszüge und die traditionelle Radfahrt der Abiturienten durch die Stadt. „Mit den Motorrädern sind wir einfach flexibler, wie erreichen auch Stellen, an denen Streifenwagen nicht weiter kommen“, beschreibt Fliegen. „Vom Motorrad aus haben wir auch einen guten Blick darauf, ob die Menschen am Steuer angeschnallt sind oder ein Handy ans Ohr halten“, sagt Niederklapfer (42). Auch auf frisierte Roller, Rotlichtverstöße und Betäubungsmitteldelikte haben die Vier ein Auge. Und obwohl sie im Dienst (fast) immer auf dem Motorrad sitzen: Die private Spritztour macht ihnen trotzdem noch Spaß.

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