Mord aus Heimtücke: Täter vermindert schuldfähig

Von: Wolfgang Schumacher
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Sascha G. wurde vom Gericht eine verminderte Schuldfähigkeit zum Zeitpunkt der Tat zugestanden, weshalb sein Strafmaß auf zehn Jahre gesenkt wurde. Symbolbild: dpa

Aachen/Düren. Zehn Jahre Haft für einen heimtückischen Mord: Dieses eher begrenzte Strafmaß hat das Aachener Schwurgericht gegen den 23-jährigen Sascha G. aus Düren ausgesprochen. In der Begründung legte Richter Roland Klösgen dar, dass die Tat in der Nacht auf den 20. August die Handlung eines Mannes gewesen sei, der unter einer gravierenden Persönlichkeitsstörung gelitten habe – und immer noch leide.

Ihm wurde deswegen vom Gericht eine verminderte Schuldfähigkeit zum Zeitpunkt der Tat zugestanden. Sascha G. hatte in jener Nacht in seiner Dürener Wohnung gegen 1 Uhr dem auf der Couch liegenden und gerade einschlafenden Freund zweimal mit einem Stein auf den Kopf geschlagen. Die Folge war ein Schädelbruch, das Opfer war sofort ohnmächtig. In seinem Geständnis hatte der Angeklagte allerdings geschildert, dass der 24-Jährige, der aus Köln kommend für ein paar Tage bei seinem Freund unterkommen wollte, nach der Steinattacke „noch röchelte“.

Das habe er nicht ertragen können und stach mit einem Messer sechsmal auf den Freund ein, ein Stich traf ins Herz. Er selber habe in seinem Geständnis, hielt der Richter dem Angeklagten und seinem Verteidiger vor, seine Tat als feige beschrieben. Also habe er in dem Bewusstsein gehandelt, ein wehrloses Opfer heimtückisch zu töten. Heimtücke ist ein Mordmerkmal, also sei dies fraglos als Heimtückemord abzuurteilen.

Der Verteidiger wie auch die Staatsanwaltschaft hatten auf Totschlag plädiert, dies in einem minderschweren Fall. Die berücksichtigte Strafmilderung beruhte auf den Feststellungen des forensischen Gutachtens der Kölner Psychiaterin Konstanze Jankowski.

Sie hat bei dem Angeklagten eine Borderline-Persönlichkeitsstörung festgestellt, durch die der Angeklagte in dieser Nacht seine überschießenden Wutimpulse nicht mehr habe steuern können. Sascha G. hatte, wie auch sein Opfer, lange Jahre in betreuten Einrichtungen gewohnt und zeigte immer wieder depressive Selbstzerstörungstendenzen.

Sexuelle Neigung gestanden

In dieser Nacht ärgerte sich G. bereits seit einiger Zeit über seinen Freund, hatte er nach der Tat geschildert. Und als er nach einer durchzechten Nacht am Vortag nun seinem Kumpel gestanden habe, er sei sexuell nicht nur auf Frauen fixiert, sonder „bi“ veranlagt, habe dieser ihn ausgelacht und als „Schwuchtel“, so hieß es im Verfahren, beschimpft. Nach einem kleinen Schlagabtausch legte sich der Freund hin, und die Katastrophe nahm ihren Lauf, aus einem „nichtigen Grund“, wie sich die Prozessbeteiligten einig waren.

„Es ist zweifellos ein Mord“, stellte Richter Klösgen fest, allerdings führe die Persönlichkeitsstörung zur verminderten Schuldfähigkeit. Statt der lebenslangen Haftstrafe bekam Sascha G. „nur“ zehn Jahre. Eine dauerhafte Einweisung in die Psychiatrie war nach dem Gutachten nicht angezeigt, dafür sei die seelische Störung nicht weitgehend genug.

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