Hürtgenwald - Moratorium Hürtgenwald: Ein Wandel ist wohl erst 2019 zu erkennen

Moratorium Hürtgenwald: Ein Wandel ist wohl erst 2019 zu erkennen

Von: Carsten Rose
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Hürtgenwalds Vergangenheit wird weiter diskutiert. Foto: Geschichtsverein Hürtgenwald
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Die Arbeit mit der Erinnerungskultur über die Ereignisse während des Zweiten Weltkriegs beschäftigt die Politik nun intensiver. Foto: Geschichtsverein Hürtgenwald
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Präsentieren Ergebnisse des Moratoriums Hürtgenwald: (v.l.) Albert Moritz, Axel Buch, Peter Bülter, Dr. Karola Fings, Frank Möller, Wolfgang Spelthahn und Gabriele Harzheim. Foto: Rose

Hürtgenwald. Kontroverse Standpunkte gibt es in Hürtgenwald nicht nur, wenn es um die Erinnerung an die Geschehnisse aus dem Zweiten Weltkrieg geht. Unterschiedliche Auffassungen vertreten auch der Lenkungskreis des Moratoriums, der sich mit Vorschlägen für die zukünftige Erinnerungskultur in der Gemeinde auseinandergesetzt hat, und Bürgermeister Axel Buch (CDU) mit Blick auf ein erstes Zeichen, das ein Umdenken symbolisieren soll.

So forderten Dr. Karola Fings (NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln) und der Historiker Frank Möller (Koordinator des Lenkungskreises) den Politiker auf, als ersten Schritt nach dem offiziellen Ende der Arbeit des Lenkungskreises, die Vitrine des Geschichtsvereins mit Erinnerungen aus der Kriegszeit ersatzlos „zu entrümpeln“.

Dem widersprach Buch jedoch vehement: „Ohne Absprache mit dem Geschichtsverein mache ich so etwas nicht.“ Landrat Wolfgang Spelthahn unterstützte seinen Parteikollegen: „Das wäre ein fatales Zeichen und würde die verprellen, die wir mit uns an einen Tisch bringen wollen. Wir werden uns jetzt ein enges Zeitfenster setzen und dann Taten folgen lassen – und keine gut gemeinte, schnelle Aktion starten.“

Worum ging es am Donnerstag eigentlich? Im Rathaus der Gemeinde hat der Lenkungskreis seine Ergebnisse und Empfehlungen nach 1,5 Jahren Arbeit „Moratorium Hürtgenwald“ offiziell an Bürgermeister Buch und Landrat Spelthahn in Buchform übergeben. Ein dicker Schinken mit gut 300 Seiten.

Die Quintessenz aus der gut einstündigen Zusammenfassung am Donnerstag lautet: Erstens gibt es keinen einzelnen Lösungsvorschlag. Zweitens: Wie die Gemeinde und der Kreis die Ausarbeitung annehmen und umsetzen, wird so richtig erst in den Jahren 2019 und 2020 sicht- und erlebbar. Dann jähren sich der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zum 80. Mal beziehungsweise das Kriegsende zum 75. Mal.

Wie geht die Gesellschaft im Kreis dann mit den Erinnerungen um? Wie gedenkt sie? Was wird sie in den kommenden Jahren hinterfragen? „Bis 2019/20 müssen wir einen Neuanfang gesetzt haben“, sagte Spelthahn und fügte in Richtung der Historiker und Experten hinzu: „Ohne wissenschaftliche Hilfe wird das nicht gehen. Ich bin dankbar für Ihre Arbeit. Sie haben den Finger tief in die Wunde gelegt.“

So fordert der Lenkungskreis zum Beispiel entschieden, öffentliche Gedenk- und Friedensrituale, die sich mit der NS-Zeit und dem Zweiten Weltkrieg befassen, zu hinterfragen und „klare rote Linien zu ziehen“, wenn es um die Verharmlosung der Geschichte und Militarisierung geht; die Gemeinde soll ihrer Verantwortung für das „Museum Hürtgenwald“ gerecht und unter anderem die Ausstellung über die 116. Panzerdivision („Windhunde“) abbauen und einlagern.

Dr. Fings gab zu Protokoll, dass alle Erinnerungsobjekte in der Region nach wissenschaftlichen Kriterien erfasst und eingeordnet werden sollen, um dem „Wildwuchs, der sich nicht mehr von selbst erklärt“, Herr zu werden.

„Verbindende Haltung“

Zudem solle eine Anlaufstelle für „historisch-politische Bildungsarbeit“ mit Hilfe umliegender Kreise eingerichtet werden. Gemeinderat und Kreistag sollen mit Fachkräften eine „verbindende Haltung und eine gemeinsame repräsentative Geschichtserzählung“ von 1933 bis 1945 in der Nordeifel entwickeln. Albert Moritz (Geschäftsführer Vogelsang IP) dazu: „Es fehlt ein Gesamtbild über ,den Hürtgenwald‘. Es gibt eine hohe Bereitschaft, Dinge zu hinterfragen – auch bei dem Förderverein „Windhunde mahnen zum Frieden.“

Koordinator Frank Möller resümierte nach 1,5 Jahren Arbeit, dass viele geschichtspolitische Probleme „hausgemacht“ seien, weil sich unter anderem die Ausrichtung des Museums seit 1992 nicht grundlegend geändert habe.

Bürgermeister Buch versicherte, über den Umgang mit den Empfehlungen zügig mit den Ratsvertretern ins Gespräch zu kommen.

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