Moderne Fassung von „Kabale und Liebe“ im Haus der Stadt

Von: Anke Holgersson
Letzte Aktualisierung:
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Friedrich Schiller verarbeitete mit seinem Drama ein eigenes Dilemma. Er selbst liebte die junge Charlotte, Tochter seiner adligen Mäzenin, für die er als mittelloser Dichter so gar nicht standesgemäß erschien. Foto: Claudia Veith

Düren. Vor mehr als 200 Jahren erschien dem jungen Schauspieler August Wilhelm Iffland der Titel „Kabale und Liebe“ reißerisch. Er schlug ihn Schiller für sein Drama „Luise Miller“ vor. Heutzutage ist der Titel erklärungsbedürftig. Kabale, frei ins Neuhochdeutsch übersetzt, heißt so viel wie Intrige.

Was damals eine knackige Zusammenfassung des Plots war (der adlige Ferdinand liebt die bürgerliche Luise, wird aber durch eine Intrige gegen seine Geliebte aufgebracht und bringt sich und Luise schließlich um), ist heute eher ein Stück Entfremdung von einem damals zugänglichen Stoff.

Dem Regisseur Jo Fabian gelingt es in seiner Inszenierung von „Kabale und Liebe“, die am Freitagabend im Haus der Stadt zu sehen war, diese Distanz zu verringern, wenn nicht sogar aufzuheben. Er erarbeitete mit dem „Jungen Theater an der Ruhr“ und dem „Forum Freies Theater“ Düsseldorf so etwas wie eine Pop-Fassung des Stückes. Die Anzahl der Figuren ist reduziert, ebenso das Pathos des Textes.

Die Figuren sind von der „Schillerschen Sprech-Wut“ (wie Elfriede Jelinek im Programmheft zitiert wird) befreit. Die Dialoge werden nur in Ausschnitten zitiert, der Rest wird in Tanz, Pantomime und Musik (hauptsächlich von Rammstein) gepackt.

Auch wird dem Schillerschen Text Alltagssprache von heute gegenübergestellt. So antwortet Ferdinand seinem ränkeschmiedenden Vater auf dessen blumig-pathetisches Verhör, das in die Frage, ob er ihm etwas verheimliche, mündet, mit einem schlichten „Nö.“

Es entsteht ein fast schon ironischer Kommentar des Ursprungstextes, der diesen aber nicht verrät, sondern eher wieder der Satire näherbringt, die Schiller selbst in seinem Stück sah. Immer wieder taucht in den (Tanz-)Bewegungen der Schauspieler das Motiv der Marionette auf, Sinnbild für komplette äußere und innere Fremdbestimmung.

Äußerer Zwang durch absolutistische Strukturen der damaligen Gesellschaft und innere Lebenslüge rücken so ganz dicht zusammen. Fabian installiert Text-, Tanz-, Bild- und Musikcollagen in dichter Folge oder sogar überlappend, um die Verstrickungen der Agierenden zu unterstreichen. Und dennoch hat die Inszenierung einen angenehmen Rhythmus, dem man als Zuschauer gerne folgt.

Friedrich Schiller verarbeitete mit seinem Drama ein eigenes Dilemma. Er selbst liebte die junge Charlotte, Tochter seiner adligen Mäzenin, für die er als mittelloser Dichter so gar nicht standesgemäß erschien. Jo Fabian holt die damalige Aktualität des Konfliktes ins Theater zurück und macht ihn erlebbar, nicht nur für die jungen Zuschauer, die am Freitag einen großen Teil des rund 200-köpfigen Publikums stellten.

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