Modellbau: Pure Leidenschaft im kleinen Maßstab

Von: Nadine Tocay
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Hardy Keymer bastelt und baut gerne – so wie seine kleine Modellstadt „Froduria“. Foto: Tocay

Froitzheim. Mit einem Lächeln im Gesicht steht Hardy Keymer in seinem Modellbauzimmer und blickt auf seine kleine Stadt, die er liebevoll „Froduria“ nennt. „Froduria“ – eine Mischung aus den Ortsbezeichnungen Froitzheim und Düren – zeigt deren Wahrzeichen und Bauten, die der 57-Jährige in unzähligen Stunden Planung und Anfertigung auf einer Fläche von drei mal vier Metern im Maßstab 1:160 nachgebaut hat.

Es ist eine Reise von der Gegenwart in die Vergangenheit, die der gelernte Konstrukteur dort präsentiert: vom Stadtcenter in Düren, über den alten Wasserturm, der auf dem Kölnplatz (jetzt: Friedrich-Ebert-Platz) stand, 1944 bei einem Angriff getroffen und anschließend von den Deutschen gesprengt wurde, bis hin zu einer kaiserlichen Villa aus der Römerzeit, deren Überreste bei Ausgrabungen in Kemperhof gefunden wurden.

Das Interesse für den Modellbau wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Seine erste Modellbahn bekam er von seinem Vater 1961. Da war er ein Jahr alt. „Mein Vater hat mehr damit gespielt als ich“, erinnert Keymer sich und schmunzelt. Wenige Jahre später wurde ihm zu Weihnachten eine weitere Bahn geschenkt, eine Minitrix Spur N, und seine Leidenschaft entfachte langsam. Auf einem zwei Quadratmeter großen Brett baute er anfangs Fertigbausätze, schob sie am Ende jedes Tages unter sein Bett.

Mit der Zeit vermischte sich sein Interesse an dem Modellbau mit dem an der Geschichte seiner Heimat. Als er 2003 von Düren nach Vettweiß-Froitzheim, dem Heimatort seiner Frau, zog, erweiterte er das Platzangebot für sein Hobby und richtete ein eigenes Zimmer ein. „Mittlerweile benutze ich auch keine Fertigbausätze mehr“, erzählt er. Er habe die vorhandenen Häuser zwar in seiner kleinen Stadt verarbeitet, aber seit einigen Jahren kreiere er alle Gebäude selbst.

Nach dem Feierabend sitzt Keymer, der in seinem Home-Office als Angebotsingenieur arbeitet, oft ein bis zwei Stunden an seinem Basteltisch. Dort leistet er mit einem Zeichenprogramm auf dem Computer die Vorarbeit. Als Vorlage für die Modelle der Bauten, die nicht mehr existieren, nimmt er alte Fotos aus Geschichtsbüchern. Auch auf die farbliche Gestaltung legt er großen Wert: Die Steine, Türen und Fenster der noch vorhandenen Gebäude fotografiert er einzeln ab und setzt die Elemente am PC zu einem Bild zusammen.

Nach dem Drucken wird das Papier auf 1,5 Millimeter dicken Karton geklebt und nach dem Ausschneiden aneinander geleimt. „Manchmal verstärke ich die Modelle auch noch mit Holz, zum Beispiel mit Streichhölzern“, erläutert Keymer. Vor allem die kleinen Teile seien dabei eine Herausforderung. „Die packt die Pinzette manchmal nicht und man muss aufpassen, dass man sie nicht zerquetscht“, sagt er lachend.

Die Produktion der einzelnen Modelle dauert unterschiedlich lang. Für die Annakirche seien alleine 204 Stunden Konstruktions-Arbeit nötig gewesen, sagt Keymer. Insgesamt habe es ein Jahr gedauert, bis die Kirche endlich fertig war. Sein neustes Werk ist das Rathaus von Vettweiß. Auch all die Orte, die eine persönliche Bedeutung für ihn haben, finden sich in der Stadt wieder, wie die Marienkirche neben dem Leopold-Hoesch-Museum, in der er 1990 seine Frau heiratete, und sein Wohnhaus, die Alte Schule in Froitzheim, inklusive der anliegenden Feuerwehrwache und dem Nachbarbauernhof.

Er habe auch mal versucht, das komplette Stadtmodell Dürens aufzubauen, musste das Vorhaben aus Platzgründen jedoch abbrechen, erzählt er. Und so stehen nun die „besonderen“ Gebäude in beeindruckender Genauigkeit im Fokus. „Das Obertor, ein Teil der damaligen Stadtbefestigung, das im Zweiten Weltkrieg getroffen wurde und die Burg Froitzheim habe ich auch gebaut“, erzählt er stolz. Als nächstes stehe das alte Stadttheater an. Auch 30 Meter Schienen müssen größtenteils noch mit einer speziellen Substanz und Pipette „asphaltiert“ werden.

Dann können endlich die Züge, inklusive der Rurtalbahn, durch „Froduria“ fahren. Auch wenn er mit seiner kleinen Stadt schon sehr glücklich zu sein scheint, hat der Geschichtsliebhaber noch einen Traum: Für die Dürener fände er es schön, wenn eins der Gebäude, die er rekonstruiert hat, wieder im Original als Wahrzeichen aufgebaut werden würde – wie der Wasserturm mit seinen Kaskaden und Kolonnaden.

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