Mit unverstelltem Blick in den Schuldienst

Von: Stephan Johnen
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Dieses Wandbild haben Schüler von Uta Löhrer im Kunstunterricht gefertigt. Foto: Stephan Johnen

Mariaweiler. Es war nicht der direkte Weg, der Uta Löhrer an die Schule geführt hat. Aber sie ist froh, ihn beschritten zu haben. „Ich bin erst relativ spät eingestiegen“, berichtet die neue Leiterin der Anne-Frank-Gesamtschule. Aufgrund der sogenannten „Lehrerschwemme“ waren freie Stellen am Ende ihres Referendariats Mangelware.

Also stand zunächst die Familienplanung auf der Tagesordnung, später arbeitete die in Aachen lebende zweifache Mutter in der Erwachsenenbildung. Als sich ihr die Chance bot, in den Schuldienst zu wechseln, nutzte Uta Löhrer sie. 2001 kam sie an die Anne-Frank-Gesamtschule nach Mariaweiler. „Ich sehe das als Vorteil“, sagt die 58-Jährige heute mit Blick auf ihre Tätigkeiten auch außerhalb des Systems Schule: „Ich habe viel Erfahrung gesammelt und an der Anne-Frank-Schule mit unverstelltem Blick auf die Dinge begonnen.“

„Mehr Individualisierung“

Bisher war Uta Löhrer, die die Fächer Kunst, Französisch und Englisch unterrichtet, Koordinatorin der Schulentwicklung. Sie sagt: „Ich wünsche mir, dass ich die qualitätsvolle Arbeit meines Vorgängers Hans-Willi Stollenwerk fortführen kann.“ Die Veränderungsprozesse, die vor der Schule liegen, seien bereits im vergangenen Jahr angeschoben worden, nun gelte es, diese erfolgreich fortzuführen. Beispielsweise soll es „noch mehr Individualisierung“ im Unterricht und bei den Lernzeiten und mehr fächerübergreifende Projekte geben.

„Derzeit überlegen wir, den bestehenden Projekttag, an dem Schüler fachspezifisch ein Projekt starten und auch zu Ende führen, thematisch zu öffnen und Bildungsinhalte zu vernetzen“, schildert sie. Diese Verknüpfung verschiedener Fächer und Unterrichtsinhalte soll Kinder sowohl auf die berufliche Praxis als auch auf das „Selbstlernen“ und damit auf das Studium vorbereiten.

„Heute stehen unendlich viele Schulen und Schulformen zur Wahl. Wer sich für die Anne-Frank-Schule entscheidet, tut dies nicht, weil er zu Fuß hierher laufen kann“, spielt Uta Löhrer zum einen auf den etwas abseits gelegenen Standort der Schule und zum anderen auf die hohen Anmeldezahlen an. Oder anders formuliert: Wer sein Kind in Mariaweiler anmeldet, treffe eine ganz bewusste Entscheidung.

„Wir sind ein Haus, in dem es um das soziale Miteinander geht. Allen Schülern stehen zudem jederzeit alle Wege offen“, nennt sie aus ihrer Sicht Vorteile der Gesamtschule. Eltern würden sich generell ganz bewusst für eine Gesamtschule entscheiden, weil sie Wert auf das lange gemeinsame Lernen und das zusätzliche Jahr bis zum Ablegen der Abiturprüfung legen. „Dieses Jahr ist sicherlich kein Nachteil. Die Schüler sammeln wichtige Lebenserfahrung, werden reifere Persönlichkeiten“, ist die Pädagogin überzeugt. „Die Universitäten berichten von Problemen, weil Studenten zu jung sind“, fügt sie hinzu. Aufgabe der Gesamtschule sei es, Schüler „für beide Welten vorzubereiten“, damit sie eine Ausbildung ebenso meistern wie das Abitur.

Spannend bleibe es, als Schule die Antworten auf Veränderungen in der Gesellschaft zu finden. „Wir bekommen jeden Tag an der Basis mit, wie sich das Leben verändert“, sagt Uta Löhrer. Die Familienstrukturen ändern sich, die Zahl der Patchwork-Familien und alleinerziehenden Eltern nimmt zu, das Thema Inklusion gewinnt immer mehr an Bedeutung: „Lehrer sind längst nicht mehr nur Wissensvermittler.“ Die Schule reagiere darauf beispielsweise mit deutlich mehr Beratungsstunden.

Auf der Wunschliste der neuen Direktorin steht ein teilweiser Neubau des Schulgebäudes. „Das Gebäude der alten Mariaweiler Hauptschule ist nicht mehr zeitgemäß, wir haben auch stellenweise Probleme mit Schimmel“ nennt Uta Löhrer ein Beispiel. Sie hofft, dass dieses Projekt in die Haushaltsplanung aufgenommen wird.

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