Nideggen - Mit Trommeln das Innerste zum Ausdruck bringen

Mit Trommeln das Innerste zum Ausdruck bringen

Von: Bruno Elberfeld
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Trommler aus Leidenschaft: Die
Trommler aus Leidenschaft: Die „BumPacs” proben in der Grundschule in Nideggen. Foto: Elberfeld

Nideggen. „Was sagst du da? Das ist doch wohl ein Witz!”, empörte sich in der Mainacht eine Frau auf dem Marktplatz in <b>Nideggen.</b> Ihr Gesprächspartner blieb cool. „Ja, gleich wird eine Trommlergruppe auftreten, die uns einheizen wird”, antwortete der Mann. Wie aufs Stichwort tauchten die ersten Musiker mit ihren bunten Instrumenten auf.

Männer und Frauen, Jugendliche, alle trugen eine Trommel. Und dann ging es los.

Botschaften von großer Intensität schwangen durch die Luft. Die Spieler mit den Trommeln zwischen ihren Beinen fanden sich in melodischen Rhythmen. Ihre Gesichter strahlten. Mit Ernst und Freude ließen sie Hände und Finger auf den Fellen tanzen. Und auch die Empörung bei der Zuhörerin wich. Ihr Gesicht entspannte sich. Im Takt der Instrumente bewegte sie Füße, Beine, Oberkörper, trommelte mit ihren Händen auf ihre Oberschenkel. Die Frage, ob ihr das Trommeln gefalle, erübrigte sich. Eine wahre Geschichte!

Tom Kommer, der die Trommler-Gruppe „BumPacs” Ende Juni 2009 ins Leben gerufen hatte, kennt dieses Phänomen. „Die Leute kennen meist nur herkömmliche Musik”, wagt er eine Deutung, „deshalb können sie zunächst mit dem Trommeln nichts anfangen. Doch bald tauen sie auf, machen mit.”

Was passiert während des Trommelns? Kommer hat auch hierfür eine Erklärung: Erwachsene erinnern sich an die Trömmelchen ihrer Kindheit. Wenn sie die Trommel zwischen die Beine nehmen und auf sie einschlagen, pflanzen sich die Schwingungen durch den ganzen Körper fort. Trommler seien also im wahrsten Sinne des Wortes mit Leib und Seele bei der Sache. Sie erfahren eine Art Urvertrauen, das in einer Welt mit der modernsten Technik ausgestorben ist, findet Kommer: „Mit dem Trommeln kann jeder sein Innerstes zum Ausdruck bringen, Geschehnisse im Umfeld werden aus anderen Perspektiven gesehen.”

Trommeln bedeutet für den studierten Schlagzeuger Tom Kommer Befreiung. Oft nimmt er wahr, wie einzelne Mitspieler durch irgendetwas belastet zur Probe kommen. „Nach der Probe sind diese Belastungen wie weggeblasen”, erzählt der Musiker. Wo andere den Alkohol oder sonstige Dinge zum Entspannen und „Knötchenlösen” einsetzen, wirke die Trommel wahre Wunder. „Ich lebe die Musik durchs Trommeln”, verrät Tom Kommer sein Credo. Trommeln ist für ihn eine Art der Selbsterkenntnis. Und dann wagt der Musiker einen Blick in Geschichte und Gegenwart. „Alle Urvölker trommeln. Bei den Indianern ist die Trommel heute noch das Lieblingsinstrument des Großen Geistes”, zählt Kommer weitere Gründe für das Trommeln auf. Und was ist die Gegengabe des Großen Geistes? Natürlich das menschliche Herz, das ein Leben lang schlägt oder trommelt. Eine schöne Vorstellung.

Wenn Tom Kommer nicht gerade mit den „BumPacs” probt oder auftritt, unterrichtet er im normalen Leben in der Grundschule Nideggen zwei Gruppen, natürlich im Trommeln. Seit zwei Jahren ist er auch an der Grundschule Embken mit seinem Instrument unterwegs. Am Gymnasium Kreuzau trommeln zwei Gruppen klassenübergreifend vom 5. bis zum 8. Jahrgang.

Besonders gern unterrichtet er an der Rheinischen Blindenschule in Düren. „Man glaubt gar nicht, mit welch besonderem Gefühl diese Menschen ihre Trommeln zum Schwingen bringen”, schwärmt der Musiklehrer von dem Unterricht mit den zehn blinden Kindern und Jugendlichen.

Eine Frage zum Schluss: Woher kommt der Name „BumPacs”? Ganz einfach. Bei der Suche nach einem markanten Namen fiel einem Trommler ein, dass ein Doppelschlag mit der rechten und der linken Hand wie ein dunkles „Bum(m)” und ein helleres „Pac” klingen. Die „BumPacs” - sie werden noch von sich hören machen.
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