Mit Schülern über die Grundrechte sprechen

Von: kin
Letzte Aktualisierung:
12251434.jpg
Jona Gerhards, Carolin Maaßen, Sarah Breuer, Tobias Hoor, Fladona Kurti, Leonie Meurer und Caroline Niederau haben sich zum „Tag des Grundgesetzes“ Gedanken über die deutsche Verfassung gemacht. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Zugegeben, im Alltag denken Jona Gerhards (17 Jahre), Carolin Maaßen (16), Sarah Breuer (17), Tobias Hoor (17), Fladona Kurti (15), Leonie Meurer (15) und Caroline Niederau (14) kaum über das Deutsche Grundgesetz nach. „Eigentlich nie“, sagt Sarah Breuer.

„Wir sind mit diesem Grundgesetz aufgewachsen, für uns ist diese Verfassung normal.“ Bei genauerem Hinsehen, ergänzt die Oberstufenschülerin, sei es allerdings schon „cool, dass es in Deutschland das Grundgesetz gibt.“ Heute ist „Tag des Grundgesetzes“, Anlass genug für die „DZ“, sich mit Schülern des Stiftischen Gymnasiums über einige Artikel der Verfassung einmal etwas ausführlicher zu unterhalten.

Artikel 1, Absatz 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

„Ich finde es gut“, sagt Jona Gerhards, „dass im ersten Artikel von der ‚Würde des Menschen‘ die Rede ist. Und nicht von der ‚Würde des deutschen Menschen‘. Für mich zeigt das, dass dieses Recht für alle Menschen auf der ganzen Welt gilt.“ Die Schüler sind sich einig, dass der erste Artikel des Grundgesetzes der wichtigste überhaupt ist. „Wenn sich alle Menschen daran halten würden“, meint Tobias Hoor, „gebe es auf dieser Welt viel weniger Probleme.“ Sarah Breuer sieht das ähnlich. „Das ist ein kategorischer Grundsatz, der sich bei den Menschen einprägt. Ich wette, wenn man Leute auf der Straße nach dem deutschen Grundgesetz fragen würde, würden die meisten Artikel eins zitieren. Der sollte eigentlich auf der ganzen Welt gelten.“

Artikel 3, Absatz 2: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

Es sind nicht etwa die Schülerinnen, die diesen Artikel besonders wichtig finden, sondern Jona Gerhards. „Ich finde, Artikel 3 konkretisiert den ersten Artikel noch einmal.“ Gerade in einem Land wo Menschen unterschiedlicher Religionen zusammenleben würden, sei die Gleichberechtigung der Frau sehr wichtig. „Die Rolle der Frau wird beispielsweise im Christentum und im Islam sehr unterschiedlich bewertet. Umso wichtiger finde ich es, dass das in Deutschland eben keine Frage ist, die Religionsgelehrte beantworten, sondern eine Frage, die von der Verfassung geregelt wird.“

Artikel 4, Absatz 1 und 2: Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Religionsfreiheit, da sind sich die Gymnasiasten einig, ist ein wichtiges Gut. „Für mich ist Religionsfreiheit absolut ein Grundrecht“, sagt Caroline Niederau. „Genau wie beispielsweise das Wahlrecht oder das Schulrecht, das ja auch im Grundgesetz geregelt wird.“ Wichtig sei aber gleichzeitig, ergänzt die 14-Jährige, dass diese Rechte nicht ausgenützt würden. „Jeder darf seine Religion ausüben“, erklärt Caroline, „mehr aber auch nicht. „Jeder darf seine Religion frei wählen, aber man darf sie anderen nicht aufzwängen.“

Artikel 5, Absatz 1: Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

„Für uns“, sagt Tobias Hoor, „ist Meinungsfreiheit eine absolut normale Sache. Und es ist eine sehr feine Sache, wenn man seine Meinung frei äußern kann. Aber das ist eben nicht selbstverständlich.“ Übrigens auch lange Zeit in Deutschland nicht. In der DDR hätten die Leute längst nicht ihre Meinung frei äußern dürfen, sagt Tobias. „Und in vielen Ländern dieser Erde ist es immer noch so. Bei Auslandsreisen wird mir das manchmal bewusst.“

Artikel 16 a, Absatz 1: Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.

Dieser Artikel bewegt die Schüler besonders. Sarah Breuer: „Wir sind mit der Flüchtlingskrise direkt konfrontiert. Deswegen interessiert das Thema auch mich.“ Grundsätzlich, ergänzt Sarah, sei sie froh, dass es den Asyl-Artikel im Grundgesetz geben würde. Andererseits halte sie das Recht auf Asyl auch für sehr großzügig. „Wir müssen mehr dafür sorgen, dass die Menschen, die nach hier kommen, sich auch an unsere Regeln und Gesetze halten.“

Fazit: „Wenn man bedenkt“, sagt Jona Gerhards, „dass das Grundgesetz zunächst so etwas wie eine provisorische Verfassung sein sollte – deswegen heißt unsere Verfassung ja auch Grundgesetz und eben nicht Verfassung –, sich dann aber doch durchgesetzt hat, ist es toll, wie weitsichtig die Menschen damals diese Regeln erstellt haben.“ ,

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert