Mit Schirm, Charme und Schottenrock

Von: Tobias Röber
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Schüler, Lehrer und Schulträger freuen sich auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Lehrer aus Halifax in Kanada Gregory Cutten (sitzend vorne). Foto: Röber

Langerwehe. „Der Mauerfall vor 20 Jahren war mein erster Eindruck von der Welt außerhalb von Kanada und den USA. Damals dachte ich gleich, dass ich gehen muss, um mir diese Welt anzuschauen. So, da bin ich!”. Gregory Sebastian Douglas Cutten unterstreicht seine Worte mit einem breiten Grinsen. Seit einigen Tagen ist der 29-jährige Kanadier in Langerwehe - als Lehrer an der Gesamtschule Langerwehe.

„Der Lehrermangel ist bekannt, und das Fach Englisch ist davon auch betroffen”, sagt Schulleiter Heinz Moll. Er ist froh, den Kanadier an seiner Schule zu haben. „Das ist eine tolle Chance für Schüler und Kollegen”, sagt Moll.

Dass Cutten nun an der Schule unterrichtet, ist der neuen Initiative Teacher Acquisition Programme (Lehrer-Anwerbe-Programm) des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes NRW zu verdanken. „Wir leisten Pionierarbeit”, erklärt Lehrerin Susanne Nehls-Bhayani. Erst drei Lehrer sind über diese Maßnahme an Schulen gekommen.

Nehls-Bayani hat sich intensiv um „die Überführung”, wie sie es scherzhaft ausdrückt, des neuen Lehrers gekümmert. Vom ersten Kontakt über E-Mail bis zu vielen Folgetelefonaten war sie an seiner Seite. Arbeitserlaubnis, Lohnsteuerkarte, Aufenthaltsgenehmigung - all das musste beschafft werden.

„Aufenthaltsgenehmigung”, wiederholt Gregory Cutten und lacht erneut. Ein schwieriges Wort, das dem 29-Jährigen aber vor keine Probleme stellt. Er beherrscht die deutsche Sprache sehr gut. In seiner Heimatstadt Halifax an der südlichen Atlantikküste Kanadas lebt er die deutsche Kultur.

Cutten liest mit Vorliebe deutschsprachige Bücher wie „Die Blechtrommel” von Günter Grass, und er ist Mitglied in einem deutsch-kanadischen Kulturverein. Oktoberfest, Weihnachtsmarkt, Stammtisch, Karneval und deutsche Getränke kennt der 29-Jährige schon seit vielen Jahren - auch von früheren Besuchen, etwa in Berlin und Hannover.

Jetzt will er die Kultur täglich leben. „Das Wetter habe ich aus Halifax mitgebracht”, sagt der 29-Jährige und schaut auf die dicken Regentropfen draußen.

Die Schüler sind begeistert von ihrem neuen Lehrer, der neben Englisch und Deutsch auch Tschechisch und Schwedisch spricht. „Bei einem Lehrer wie Herrn Cutten können wir die Alltagssprache lernen und nicht nur Schulenglisch”, sagt Schülervertreter Tobias Kaulen.

Schülervertreterin Anja Heinen nennt einen weiteren Aspekt: „Lehrer aus dem Ausland können viel von ihrer Heimat erzählen.” Die heimische Kultur ist dem 29-Jährigen sehr wichtig. Er stammt aus der Provinz Nova Scotia (Neu-Schottland).

Einen Auftritt im Schottenrock werden Schüler und Kollegen sicher noch erleben. Zeit für seine anderen Hobbys Lesen, Malen, Fechten, Eishockey, Baseball, American Football und Schwimmen wird der Lehrer sicher auch finden.

Nur eines muss er jetzt noch entscheiden: zu welchem Fußballverein er künftig hält. Dafür hat er genug Zeit. Das Projekt ist auf mindestens ein Jahr ausgelegt.
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