Mit modernen Holzschnitten Geschichten erzählen

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Mohamad Mussawi ist in Isfahan groß geworden, dort hat er auch die traditionelle persische Schnitzkunst erlernt. Derzeit arbeitet er an einem Bild, das Menschen ohne Haut zeigt Foto: Berners

Düren. Schlag für Schlag arbeitet Mohamad Mussawi Strukturen aus dem Holz. Drei Meißel, ein Hammer – mehr braucht Mussawi nicht, um hohle Baumstämme Geschichten erzählen zu lassen. Geschichten von alten persischen Königen, die er als Kind in Isfahan gehört hat, aber auch Geschichten von heute, in denen er Revolutionen, Diktaturen, gesellschaftliche Missstände und religiöse Konflikte zum Thema macht.

„Kein Mensch ist weniger wert als ein anderer und keine Religion sollte den Anspruch haben, die einzig richtige zu sein“, sagt Mussawi. Vor 15 Jahren ist Mussawi mit seiner Familie – er hat drei Töchter – nach Düren gezogen, in der Rurstadt haben sie Asyl gefunden. Seine Kunst hat Mussawi aus dem Iran mitgebracht, erst kürzlich hat er ein Atelier an der Monschauer Straße bezogen.

In einer Werkstatt in Nachbarschaft in Isfahan, bei Bekannten der Eltern, hatte der junge Mohamad den Umgang mit Holz erlernt, hat die viele hundert Jahre alten Techniken der persischen Kunst verinnerlicht. „Ich habe schnell gelernt“, erinnert sie Mussawi. „Wenn man sich für etwas begeistert, geht es leicht von der Hand.“

Das traditionelle Handwerk beherrscht der Holzkünstler noch immer, aber er hat einen anderen Weg eingeschlagen. Er hat sich von den traditionellen Schnitzereien ab- und dem Expressionistischen zugewandt. In seinem neusten Projekt befasst sich der Schnitzer auf außergewöhnliche Weise mit dem menschlichen Körper, er bildet ihn im Holz ohne die schützende Haut ab: Die Muskeln, Knochen und Sehnen des „Denkers“ treten deutlich hervor. Es erinnert ein wenig an die plastinierten Menschen in der Ausstellung „Körperwelten“.

In Skizzen hat Mussawi seine Gedanken zunächst zu Papier gebracht, bevor er die Körper aus dem Holz hervorarbeitet. „Das ist viel komplexer als die Darstellung eines gewöhnlichen Körpers“, erläutert der Künstler. Mehrere Monate sitzt er an einer solchen Arbeit, für eine Tischplatte aus Marmor hat er mehr als vier Monate gebraucht – und auch dort hat er fast alles mit der Kraft des Körpers und ohne mechanische Hilfen erarbeitet. „Ein Porträt auf Papier ist in 20 Minuten fertig. In einem aus Holz steckt eine Woche Arbeit“, erläutert Mohammad Mussawi.

Geduld und die Fähigkeit zu absoluter Konzentration sind zwei Voraussetzungen, die ein Schnitzer mitbringen muss: „Holz erlaubt Fehler, man kann sie korrigieren. Im Marmor geht das nicht“, erklärt Mussawi. Und das Holz arbeitet mit. Der Künstler bezieht die Unebenheiten des Materials, außergewöhnliche Strukturen in seine Arbeiten ein, lässt sich vom Holz leiten – und wenn er schnitzt, vergisst er die Welt um sich herum.

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