Mit Lupe und Biologiebuch: Kunstwerke auf zerbrechliche Schalen

Von: Julia Vieth
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Nicht nur zu Ostern hält Margot Sommer bemalte Eier in den Händen: Die 79-Jährige aus Merken fertigt auf zerbrechlichen Schalen Kunstwerke an. Foto: Julia Vieth
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Margot Sommers bevorzugt Tiermotive. Dass die Eule ihr Lieblingstier ist, ist unschwer zu erkennen. Sie bemalt Eier jeder Art und Größe. Foto: Julia Vieth

Merken. Das, was Margot Sommer macht, hat mit einfacher, traditioneller Eiermalerei zu Ostern nichts mehr zu tun. Die 79-Jährige aus Merken zaubert Kunstwerke auf zerbrechliche Eierschalen. Hauptsächlich auf Gänse- und Straußeneier, aber auch auf Emu- und Schwaneneier malt Margot Sommer mit feinen Pinselstrichen originalgetreue Bilder.

Hühner- und Taubeneier bemalt sie auch, aber weil deren Schale besonders dünn ist, gehen sie auch schon mal zu Bruch. Da Gänse ihre Eier oft in den Dreck legen, muss man sie also vor dem Bemalen erst ordentlich schrubben. Die Eier, die allesamt aus Brutausfällen stammen, kommen von einer Farm aus Süddeutschland. Fast immer sind sie bereits leer. „Ansonsten muss ich das Innere vorsichtig mit einer Spritze entfernen und die Eier mehrfach ausspülen, damit sie nicht anfangen zu stinken“, erklärt sie. Straußeneier sind besonders schwierig zu bemalen, da die Farbe immer wieder abperlt. Man muss sie vorher grundieren, bevor man darauf malen kann.

Angefangen hat alles mit Bauernmalerei. „Zuerst habe ich Truhen bemalt. Mit der Zeit wurden die Objekte immer kleiner, bis ich mich auf Eier spezialisiert habe“, erinnert sich Margot Sommer, die beruflich Korrespondentin war. Nach ihrer Hochzeit hat sie sich ganz der Familie gewidmet – aber Haushalt und Kinder waren nicht genug. Schon damals hat sie gerne gemalt. „Oft stand ich mit dem Pinsel im Mund am Herd und habe gekocht.“

Vorgezeichnet wird mit Bleistift. Wenn sie mit dem Entwurf zufrieden ist, werden die Eier mit Aquarellfarbe bemalt. „Aquarellfarben sind transparenter, dadurch wirken die Bilder natürlicher“, erklärt Margot Sommer. Da sie Tiermotive bevorzugt – ihre Lieblingstiere sind Eulen –, ist ihr die Natürlichkeit ihrer Motive sehr wichtig. Für die Details nimmt sie Biologiebücher zur Hand. Auch Blumen- und Ostermotive wie die Häschenschule sind gerade jetzt bei Kunden sehr gefragt. „Ich habe viele Stammkunden, die aus jeder neuen Kollektion ein Ei für ihre Sammlung haben möchten“, erzählt sie stolz.

Auf Ausstellungen ist sie nur in den Wochen vor Ostern. „Davor artet die Malerei immer in Stress aus, weil ich möglichst viele Stücke präsentieren will“, sagt sie. „Ich bin gerne auf Ausstellungen, weil ich dort andere Künstler treffe, mit denen ich mich austauschen kann.“ Unter Eiermalern habe jeder Künstler seine ganz eigene Technik, meint Sommer, die seit fast 25 Jahren Mitglied im Künstlerverein in Kerpen ist. Das habe sie künstlerisch enorm vorangebracht, erzählt sie.

Der Aufwand sei je nach Ei unterschiedlich. Manchmal muss noch nachgearbeitet werden, und zum Schluss wird auf das Ei eine glänzende oder matte Lackschicht aufgetragen – dieser Aufwand spiegelt sich auch preislich wider: Bei einer Ausstellung können auch mal mehrere Hundert Euro für ein Ei gezahlt werden. „Wenn ich aber höre, dass Leute behaupten, die Eier seien mit Serviettentechnik gemacht oder bei den Bildern handle es sich um gedruckte Abziehbildchen, bin ich schon etwas traurig“, sagt Sommer.

Nicht nur zu Ostern ist Margot Sommer fleißig am Werk. Das ganze Jahr über bieten sich Anlässe, um den Pinsel zu schwingen. Oft bemalt sie Eier für Hochzeiten oder Einschulungen.

Kunst am Ei ist neben Handarbeiten wie Häkeln und Stricken ihr liebstes Hobby. Manchmal ist sie jedoch traurig, wenn eins ihrer Lieblingsstücke verkauft wird. „Mein Mann sagt dann immer, ich könnte es ja neu malen, aber das ist nicht dasselbe“, erklärt sie. Und damit hat sie recht, wenn man sich ihre Werke anschaut: Jedes Ei ist ein Unikat, angefangen bei der Größe bis hin zum individuellen Pinselstrich. Um Eier so bemalen zu können, reiche künstlerisches Geschick und eine ruhige Hand alleine nicht aus. Man braucht neben viel Geduld vor allem gute Augen, besonders beim Beschriften der Eier. „Hierfür brauche ich zeitweise eine Lupe“, gesteht die Künstlerin.

Kunst am Ei bedeutet Margot Sommer sehr viel. Allerdings besteht sie darauf, dass zuerst die Hausarbeit erledigt und die Familie versorgt ist. Erst dann fängt sie an zu malen. „Oft bin ich so vertieft, dass mein Kaffee kalt wird und ich aus Versehen den Pinsel in die Kaffeetasse tunke“, erzählt sie lachend.

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