Mit der Filmkamera die Region im Auge

Von: Anne Wildermann
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Roswitha Katharina Wirtz schneidet zurzeit die Sequenzen zu dem Künstlerporträt über Eugenie Degenaar. Ihr größter Traum ist es, einmal mit dem Filmteam von „Terra X“ zusammenzuarbeiten. Foto: Wildermann

Düren. Authentizität ist Roswitha Katharina Wirtz (65) wichtig. Wenn die Rede von tierischen Hinterlassenschaften ist, dann will sie diese in ihren Dokumentarfilmen zeigen. „Auch wenn ich drei Stunden brauche, bis ich sie finde. Das stört mich nicht“, sagt sie und lacht. So war es für die Filmemacherin aus Düren zumindest, als sie eine mehrteilige Reportage über einen Bio-Apfelbauern gemacht hat.

„Ich lasse mich gerne vom Zufall beeinflussen. Und wenn der Bauer von Schaf-Exkrementen spricht, dann will ich die auch im Bild haben. Zwar musste ich dafür über den Boden robben, damit die Aufnahmen gut wurden, aber das habe ich in Kauf genommen.“

Seit fünf Jahren dreht Roswitha Wirtz Filme über die Region und die Menschen, die auf der Online-Plattform „nrwision“ und im Fernsehen laufen. In diesem Jahr arbeitet sie an sechs Projekten gleichzeitig. Unter anderem an einer Doku über den Rock‘n‘Roll-Club in Düren, über Toni Freialdenhoven aus Kreuzau, der sich mit positiven Effekten des Lachens beschäftigt und an einer Künstlerbiografie über die Niederländerin Eugenie Degenaar in Blens.

Gelernt hat Roswitha Wirtz das Metier des Filmemachers nicht, sie war ursprünglich Bürokauffrau. Für ihr Hobby hat sie sich alles selbst beigebracht und auch das Equipment hat sie nach und nach angeschafft. Inzwischen besitzt sie fünf Kameras, Stative, Mikros, eine grüne Wand, um künstlich Hintergründe zu erzeugen, und Beleuchtung.

Unter ihrem Bett im Arbeitszimmer stehen Rücksäcke und Reisetaschen mit Rollen, in denen ihre Arbeitsmittel verstaut sind. „Alles begann, als mein Sohn sich einen neuen PC angeschafft und mir seinen alten vermacht hat“, erzählt Roswitha Wirtz.

Auf dem Computer installiert: ein Schnittprogramm für Videos. Das probierte die Seniorin einfach mal aus und einige Zeit später kaufte sie sich ihre erste Kamera, um Filme mit diesem Programm zu schneiden. Das gesamte Material bewahrt die Filmemacherin auf zehn Festplatten auf, die eine Speicherkapazität von je drei Terabyte haben (3072 Gigabyte).

Für ihr erstes Projekt porträtierte sie Familie Stump aus Düren, die sich Krokodile und andere exotische Tiere zu Hause im Keller hält. Damals war Roswitha Wirtz während der Interviews noch selbst im Bild zu sehen und sprach sogar die Beiträge ein. „Heute habe ich professionelle Sprecher dafür. Je nach Thema macht das entweder ein Mann, der mehr eine Nachrichtenstimme hat oder eine Frau – wie für die Doku über den Berliner Aktmaler Hardy Laddey, der in Kreuzau lebt“, sagt sie.

Knapp zwölf Minuten dauert der Beitrag, der einen Blick hinter die Arbeitsweisen des Künstlers wagt. Sechs Monate hat sie Laddey mit seinen Modellen begleitet. Zu dem Bio-Apfelbauern ist sie damals an die 30 Mal hinausgefahren. Geld verdient Roswitha Wirtz mit ihren Dokus keines. „Will ich auch nicht. Das wäre der falsche Ansatz für meine Arbeit. Ich will nur Freude am Filmen haben“, sagt sie.

Auf einer kommerziellen Plattform wie Youtube würde sie ihre Filme nicht präsentieren. Allein schon, weil sie dort keine konstruktive Kritik für ihre Werke bekommen würde. Und die ist ihr wichtig. „Ich liebe Kritik! Für mich ist sie Ansporn, es beim nächsten Mal besser zu machen“, betont sie. Aus diesem Grund gehört sie auch dem Film- und Videoclub Aachen an. Die Plattform „nrwision“ habe ihrer Ansicht nach eine gute Betreuung, biete Workshops an, auf denen man sich austauschen und neue Kontakte knüpfen könne.

Mit einigen Filmen hat sich die Dürenerin schon beim „Bund deutscher Filmautoren“ beworben und hat es mit ihrer Doku über den Bio-Apfelbauern 2015 auf Bundes- und Landesebene geschafft und damit Gold und Silber geholt. Mit dem Aktmaler Laddey will sie sich dieses Jahr erneut bewerben.

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