Mit den Papierfiguren kommen die Geschichten

Von: Bruno Elberfeld
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In geheimnisvollen Kisten hat König Blaubart Geheimnisvolles und Schreckliches versteckt. Sarah Schiffer begeisterte mit ihren Geschichten die Gäste in der Galerie Götze. Foto: Bruno Elberfeld

Nideggen. Die Gäste in der Galerie von Muna Götze in Nideggen beobachteten die Vorgänge vor ihnen Augen intensiv wie bei einer spannenden Fernsehgeschichte. Der Unterschied: Ihre Gesichter waren sichtlich entspannter als bei einem dramatischen Bildschirmgeschehen.

Die Besucher ließen sich sichtlich gerne auf das Geschehen ein, das Papierkünstlerin Sarah Schiffer vor ihnen inszenierte. So oder so ähnlich wird es vor langer Zeit in vielen Häusern der Oberschicht gegangen sein, wenn sie sich die „Hüteren“ – frei von Alltagsarbeiten und Alltagsmühen – ihre Zeit vertreiben wollten.

Die kleinen Dinge des Lebens

Sarah Schiffer, die während ihres Spiels immer wieder in der Historie kramte und das Wissen einiger Hörer erweiterte, berichtete, dass viele Leute in früheren Jahrhunderten in ihrer Freizeit mit Papierfiguren ganze Opern nachspielten.

An diesem Abend in der Galerie Götze ging es in der Hauptsache um Ameisen und um König Blaubart. Geschickt lenkt die Künstlerin die Aufmerksamkeit der Besucher auf die kleinen Dinge des Lebens. Auf einer Sommerwiese fängt sie eine Fliege, einen „kleinen Plagegeist“, spricht mit ihr und über sie.

Musikalisch unterstützte Schiffer ihre Erzählungen – im Mittelpunkt immer die bunten Papierfiguren – mit der „Appalachian Dulcimer“, einem langen Saiteninstrument, im Klang nicht unähnlich einer kleinen Zither. Dazu gesellten sich immer wieder Gedichte und Lieder, manchmal auch ein Volkslied, das einige Gäste mitsummen konnten.

Was tut man gegen Ameisen in der Küche? Ganz einfach, zumindest bei Schiffers Papiertheater: Man muss einen langen Kreidestrich ziehen, denn Kreide mögen die Ameisen angeblich gar nicht.

In der „Invasionsbiologie“, frei kreiert von der Papierkünstlerin, rät man davon ab, mehr als einer Kolonie Ameisen Asyl zu gewähren.

Ente Luise und König Blaubart

Im zweiten Teil der Aufführung ließ Sarah Schiffer Tiere rund um einen Teich auftreten, im Mittelpunkt ein Entenhaus. Protagonisten sind Ente Luise und König Blaubart in der Gestalt eines Pferdes. Das ungleiche Paar heiratet, Luise entdeckt dann jedoch ein fürchterliches Geheimnis ihres Gatten. Deshalb soll sie „am Spieße gebraten werden“. Doch glückliche Umstände, ein Frosch und Luises zukünftiger, zweiter Gemahl, ein Reiher, retten sie.

Es sind kleine, vergnügliche Geschichten, die der Künstlerin einfallen, sobald sie die Figuren schneidet. Der Theaterbesucher allerdings muss sich auf die Stille, die Ruhe und die unspektakuläre Kleinkunst einlassen.

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