Mit 92 Jahren das Goldene Sportabzeichen gemacht

Von: Sandra Kinkel
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Busch
Franz Busch, der seit neun Jahren mit seiner Frau im Betreuten Wohnen im Seniorenhaus „Sophienhof“ in Niederzier lebt, hat mit 92 Jahren das goldene Sportabzeichen gemacht. Foto: Sandra Kinkel

Niederzier. Aufgeben? Für Franz Busch aus Niederzier kommt das nicht infrage. Der 92-Jährige hat Ziele. Und er ist ehrgeizig, ziemlich ehrgeizig sogar. Franz Busch hat vor wenigen Tagen das Goldene Sportabzeichen absolviert, elf von zwölf möglichen Punkten hat er bekommen. „Ich trainiere weiter“, sagt er. „Und im nächsten Jahr möchte ich die volle Punktzahl schaffen.“

Als Jugendlicher war Franz Busch auch sehr sportlich. 1942, mit 18 Jahren, hat er das Reichssportabzeichen gemacht. „Das hieß in der Hitlerzeit so“, sagt Franz Busch. „Und ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich mich damals beim Kugelstoßen sehr schwer getan habe. Und das war jetzt wieder so.“

Franz Busch ist in Nörvenich geboren. Sein Vater hat bei den Dürener Metallwerken, die damals in die Rüstungsindustrie eingebunden waren, gearbeitet. „Als die Metallwerke in Waren an der Müritz ein Werk aufgemacht haben, ist mein Vater dorthin gegangen. Und wir sind mitgekommen.“

Nach dem Krieg und der Kriegsgefangenschaft in Ägypten ist Busch Ende der 1940er Jahre zurück nach Waren gekommen, hier hat er seine Frau kennengelernt. Gemeinsam ist das Paar zurück nach Düren gegangen, hier hat Franz Busch sich seine eigene Fahrschule aufgebaut.

„Für Sport war da eigentlich neben der Familie nie Zeit“, erzählt er. „Damit habe ich erst angefangen, als wir in den Sophienhof gezogen sind.“ Dort gibt es einen großen Fitnessraum mit Laufband, Krafttrainern und Rudergeräten und eine eigene Sportgruppe. „Irgendwann habe ich angefangen, regelmäßig zu trainieren. Und ich habe festgestellt, dass mir der Sport sehr gut tut. Seitdem trainiere ich eigentlich regelmäßig dreimal in der Woche.“

Franz Busch lächelt seine Ehefrau Otti an, und die muss schmunzeln. „Manchmal sagt er abends, dass er am nächsten Morgen nicht zur Sportgruppe gehen möchte. Und das Erste, was er sich am nächsten Tag anzieht, sind seine Sportsachen. Der Sport gibt meinem Mann einfach sehr viel Lebensfreude.“ „Das stimmt“, ergänzt Franz Busch. „Der Sport geht immer vor. Ich lege sogar meine Arzttermine so, dass sie meinen Trainingsterminen nicht in die Quere kommen. Das ist mir einfach wichtig.“

Für das Sportabzeichen in Gold musste Franz Busch 7,5 Kilometer Walken, 200 Meter Radfahren in 27 Sekunden, 6,25 Meter Kugelstoßen und einen 1000 Gramm schweren Schleuderball werfen. „Von Weitsprung hat man uns abgeraten“, sagt Busch. „Die Verletzungsgefahr sei einfach zu groß.“

Im September vergangenen Jahres hat der frühere Fahrlehrer mit dem Training angefangen. „Richtig systematisch. Beim Walken habe ich mir zum Beispiel Kilometerzeiten aufgeschrieben.“ Anfangs sei er den Kilometer in siebeneinhalb Minuten gelaufen. „Unsere Trainerin hat mir gesagt, dass das viel zu schnell sei, und ich so die siebeneinhalb Kilometer nicht durchhalten könnte.“ Irgendwann habe er dann seinen perfekten Rhythmus von neun Minuten pro Kilometer gefunden. „Ich brauchte nicht einmal mehr eine Uhr“, schmunzelt Franz Busch.

Mehr Schwierigkeiten haben ihm die beiden Wurfdisziplinen gemacht. „Beim Kugelstoßen hatte ich wirklich so etwas wie eine Schallmauer. „Es hat unglaublich lange gedauert, bis ich weiter als 6,30 Meter gekommen bin.“ Irgendwann hat das aber auch geklappt. „Und dann war alles gut. Ich wusste, dass ich ordentlich trainiert hatte und dass am Wettkampftag eigentlich nichts mehr schief gehen konnte.“

Franz Busch kann sich heute ein Leben ohne seinen Sport nicht mehr vorstellen. Und er rät allen älteren Menschen, es auch einmal auszuprobieren. „Es ist nie zu spät, um mit Bewegung anzufangen. Sport tut einfach unglaublich gut.“ Und sorgt dafür, dass man fit bleibt. „Auch geistig“, sagt Franz Busch. „Das gehört alles irgendwie zusammen.“

Übrigens ist die volle Punktzahl beim Goldenen Sportabzeichen im nächsten Jahr nicht Franz Buschs einziges Ziel. „Ich hoffe sehr“, sagt der rüstige Senior, der immer noch sehr gerne Auto fährt, „dass meine Frau und ich im nächsten Jahr das Fest der Eisernen Hochzeit feiern können. Und das ist mir noch viel wichtiger als das Sportabzeichen.“

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