Mit 82 Jahren die ewige Hüterin von St. Martinus

Von: Burkhard Giesen
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Doris Heidbüchel aus Abenden ist seit 60 Jahren Küsterin in St. Martinus. Foto: Giesen

Abenden. Wer bei Doris Heidbüchel vorsichtig nachfragt, ob nach 60 Jahren Arbeit nicht vielleicht auch der Gedanke an ein bequemeres Leben eine Rolle spielen könnte, der erhält prompt eine sehr bestimmte Antwort: „Das sehen Sie komplett falsch, junger Mann.“ 82 Jahre ist Doris Heidbüchel alt, seit 60 Jahren ist sie die Küsterin in Abenden.

Und ans Aufhören denkt sie beileibe nicht. Kein Wunder also, dass sie ihre Aufgabe als Berufung versteht: „Ich fühle mich hier verantwortlich. Das ist so, als ob die Kirche mein Zuhause wäre.“

Das sieht nicht nur Doris Heidbüchel so. Die freundliche Dame mit den hellwachen Augen gilt in ihrer Pfarre als Hüterin der Kirche. Und deswegen wurde ihr Jubiläum jüngst in einer Messe gewürdigt.

Dabei hatte Doris Heidbüchel den Dienst als Küsterin am 1. April 1957 zunächst nur als Vertretung begonnen. „‚Mach‘ es doch so lange, bis wir jemanden gefunden haben‘, hieß es damals“, erinnert sich Doris Heidbüchel. „Heute frage ich mich, wo die 60 Jahre geblieben sind.“

Von der Taufe bis zur Hochzeit

Als Küsterin schmückt sie die Kirche, kümmert sich um die Blumen, legt dem Pfarrer die Gewänder bereit, sorgt dafür, dass die richtigen Bücher auf dem Altar liegen. Für Doris Heidbüchel bedeutet die Arbeit, die sie als Berufung versteht, auch die Teilnahme am Leben im Ort. „Viele Bürger aus Abenden habe ich von der Taufe bis zur Hochzeit begleitet“, sagt sie. Wie viele Pfarrer sie in den 60 Jahren in St. Martinus erlebt hat, kann sie schon nicht mehr zählen, dazu Hunderte Messdiener.

Treu bleibt Doris Heidbüchel vor allem sich selbst. „Ich trenne die Institution Kirche von meinem Glauben. Menschen, auch Pfarrer, haben ihre Fehler. So wie ich auch“, sagt sie etwa und hat dabei auch keine Berührungsängste zu anderen Religionen: „Letztlich glauben wir doch alle an denselben Gott.“

Dass die Aufgabe als Küsterin für sie eine Herzensangelegenheit ist, spürt man sofort, wenn man sich mit Doris Heidbüchel unterhält. Dabei war die Arbeit nicht immer leicht für sie. Über Jahrzehnte hatte sie nie einen freien Sonntag. „Ich wundere mich noch heute, dass meine Familie das überhaupt mitgemacht hat.“

Die Antwort dürfte ganz simpel sein: Ihre Berufung hat sie stets verkörpert, auch der Familie gegenüber. Kein Wunder also, dass ihr heute ihre Tochter zur Seite steht. Und der Hausmeister der Pfarrgemeinde, den sie natürlich auch von Kindesbeinen an kennt – er war früher Messdiener in St. Martinus.

Wie lange Doris Heidbüchel ihre Berufung als dienstälteste Küsterin im Bistum Aachen noch ausüben wird? Solange es geht. Schließlich ist es ihr „Zuhause“, in dem sie sich bei der Arbeit mit der Mutter Gottes unterhält. „Nur wenn ich richtig beten will, gehe ich in eine andere Kirche“, sagt Doris Heidbüchel schmunzelnd.

Aufgeregt darüber, dass sie kürzlich zur Feier ihres Jubiläums im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand, war die Hüterin der Abendener Kirche nicht. Warum auch? Sie hat sich schließlich in ihrem Wohnzimmer bewegt – und wird es noch eine Weile tun.

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