Aachen/Hürtgenwald - Missbrauchsprozess: Eine Familie im Zwiespalt

Missbrauchsprozess: Eine Familie im Zwiespalt

Von: wos
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Aachen/Hürtgenwald. Eine Familie ist im Zwiespalt. So könnte man den Auftritt zweier Stiefsöhne des Angeklagten Peter K. (37) nebst ihrer Mutter im Zeugenstand vor dem Aachener Landgericht beschreiben.

Die Jungen im Alter von 18 und 19 Jahren nahmen Partei für ihren wegen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung ihrer drei Schwestern beziehungsweise Halbschwestern in 240 Fällen angeklagten Stiefvaters.

„Der Peter hat das nicht gemacht”, versicherten sie unabhängig vor der 5. Großen Strafkammer (Vorsitz Richter Roland Klösgen). Beide sind davon überzeugt, dass sich die drei Mädchen im Alter zwischen 21 und 25 Jahren gegen den neuen Mann ihrer Mutter verschworen hätten.

Auch die Mutter bekräftigte am Montag im Zeugenstand, sie sei sicher, dass die Mädchen von ihrem leiblichen Vater mit Zuwendungen und Geschenken gegen den Angeklagten aufgewiegelt worden seien.

Die drei Mädchen hatten nach ihrem Auszug aus dem elterlichen Haus in einem Dürener Ortsteil angegeben, vom Stiefvater sexuell missbraucht und auch geschlagen worden zu sein, seit sie etwa 13 Jahre alt waren. Immer wieder sei es in Badezimmern oder bei anderen Gelegenheiten zu sexuellen Übergriffen des Schlossers an den Mädchen gekommen.

Die beiden Söhne bekräftigten ihre Meinung, die Mädchen hätten alles erfunden. Sie seien vom leiblichen Vater, dem damals das Sorgerecht nicht zugesprochen wurde, aufgehetzt worden, um der Mutter zu schaden. Alle Mädchen waren seit 2007 ausgezogen.

Dass sie es wegen der mutmaßlichen Übergriffe zu Hause nicht mehr aushielten, ist für die Brüder undenkbar. „Nein, wir waren eigentlich eine glückliche Familie”, bekräftigte der 18-Jährige.

Der psychologische Gutachter, der zunächst die Aussagen zweier Mädchen bewertete, ist sich allerdings sicher, dass die beiden weder etwas erfunden, noch ihre Aussagen abgestimmt haben. Die Schilderungen der Vorfälle seien detailreich. Hätte man sich einen Plan gemacht, seien komplexe Schilderungen eher störend.

So kommt der Gutachter zu der Erkenntnis, dass die von den Mädchen geschilderten Vorgänge auf eigenem Erleben basieren. Das Gutachten für das mutmaßlich dritte Opfer wird am 19. Juni vorgetragen, danach könnte plädiert werden.
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