Mini-Gastric-Bypass: Christophers große Chance auf ein anderes Leben

Von: Anne Wildermann
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Zuversichtlich und aufgeregt: Christopher Horst kommt seinem Wunschgewicht näher. Am 20. März wird er in einer fast zweistündigen OP einen Magen-Bypass bekommen. Foto: Wildermann

Vettweiß. Sechs Kilo hat Christopher Horst (28) abgenommen. Der junge Mann aus Vettweiß, der seit Jahren an starkem Übergewicht erkrankt ist, kann sein Glück kaum fassen. Er steigt mit einem breiten Grinsen von der Waage im vierten Stock des St. Franziskus-Hospitals in Köln-Ehrenfeld. Auf der vierten Etage befindet sich das Adipositaszentrum, das der Oberarzt Karl-Peter Rheinwalt leitet.

Vor nicht ganz vier Wochen hat Horst noch 191 Kilogramm gewogen. Aktuell sind es 185 Kilo. Das Abnehmen hat er einer strikten Eiweißphase zu verdanken, mit der er einige Wochen vor seiner Magenoperation beginnen muss. Ernst wird es für ihn am 20. März, wenn er in den Operationssaal geschoben wird und einen sogenannten Mini-Gastric-Bypass erhält.

Der Eingriff kann bis zu eineinhalb Stunden dauern. „Ich bin sehr aufgeregt“, sagt Horst, als er sich beim Empfang meldet, um anschließend als Patient aufgenommen zu werden. Einige Stunden wird er an diesem verregneten Märztag im Krankenhaus verbringen, mit Ärzten sprechen, einige Tests machen und viele Einwilligungsdokumente unterschreiben.

Die DZ begleitet Christopher Horst auf seinem Weg. Der Kontakt ist über die Adipositas-Selbsthilfegruppe in Düren entstanden.

Einen Weg zurück gibt es für den jungen Mann nicht mehr. Er will die OP durchziehen, denn wenn er aus der Narkose erwacht, beginnt für ihn ein anderes Leben. „Ich konzentriere mich voll und ganz auf den Eingriff. Und versuche, negative Sachen auszublenden“, sagt er, während er darauf wartet, von einer Krankenschwester für die Blutabnahme aufgerufen zu werden. Konkret meint er seinen nicht ganz freiwilligen Weggang von der Feuerwehr und seinen Kameraden aufgrund seines Übergewichts. Er will die Prüfung zum Atemschutzgeräteträger ablegen, aber die Gemeinschaft, die für ihn seit 14 Jahren mehr als nur ein Hobby war, ist jetzt vorerst Geschichte. Doch Horst versucht nicht wehmütig zu werden, als er sich bei Facebook alte Fotos von Übungen anschaut.

Sein erstes Gespräch mit Oberarzt Rheinwalt hatte Horst Anfang Dezember vergangenen Jahres. Sofort fühlte er sich wohl und aufgehoben. „Hier bin ich keine Nummer, die man abfertigt“, erzählt er und ergänzt: „Damals hat sich der Arzt fast zwei Stunden Zeit für mich genommen und mir alles erklärt, was auf mich zukommt und auch das, was im Anschluss an die OP passiert.“ Von diesem Arzt musste er sich nicht anhören: „Weil Sie so fett sind, kann ich Ihnen nicht sagen, welche OP-Variante ich wähle.“

An diesem Tag spricht allerdings ein Kollege von Rheinwalt mit Horst. Sebastian Ohm (33) ist Facharzt für Allgemeinchirurgie. Ein junger und ambitionierter Mediziner mit bequemen und neonfarbenen Turnschuhen, der Fußballfan von Bayer Leverkusen ist. Darüber kann Horst hinwegsehen, obwohl er sich in der Stadt seines Lieblingsfußballvereins, dem 1. FC Köln, befindet und sogar die Pfeiler des Stadions von der vierten Etage aus sehen kann. „Ich hoffe, dass ich ein Zimmer mit Blick auf das Stadion oder zumindest auf den Dom bekomme“, sagt er. Kurz darauf holt ihn Ohm in die Realität zurück.

OP birgt Risiken

Da die OP nicht risikolos ist, kann sie schwerwiegende Folgen haben, über die der Mediziner ihn aufklärt. „Sie können eine Embolie oder eine Thrombose bekommen. Es kann zu Blutungen kommen, aber auch, dass Inhaltsstoffe von Magen und Darm in die Bauchhöhle geraten.“ Horst wird ein wenig blass um die Nase, fasst sich aber sogleich wieder und sieht Ohm aufmerksam an. „In einem Prozent der Fälle kommt es zu Komplikationen“, beschwichtigt Ohm und lächelt.

Nicht nur, dass Horst nach dem Eingriff ein Leben lang Multivitamin-, Calcium- und Eisenpräparate nehmen muss, er kann nach der OP auch an dem Dumping-Syndrom (Mageninhalt entleert sich zu schnell und der Betroffene hat ein Ohnmachtsgefühl) leiden. Außerdem kann er das Gefühl bekommen, keinen Bissen hinunter zu kriegen, oder ihm fallen Haare aus oder er bekommt Verdauungsprobleme. Diese Nebenwirkungen nimmt Horst in Kauf, schließlich will er auch zu den Patienten gehören, die bis zu 80 Prozent ihres Übergewichts nach einer solchen OP abgenommen haben. „Es ist nicht das Ziel, dass er am Ende 70 oder 80 Kilogramm wiegt. Es wäre falsch und ungesund, von einem Pauschalgewicht auszugehen“, erklärt Ohm.

Bevor Horst den Behandlungsraum verlässt, macht der Arzt noch eine Ultraschalluntersuchung und schaut sich die Gallenblase und die Leber an. „Keine Fettleber und auch keine Gallensteine. Sehr schön“, sagt der Mediziner wie zu sich selbst.

Auch die Narkoseärztin klärt Horst über den OP-Ablauf und mögliche Risiken auf, misst Blutdruck und schickt ihn weiter, da noch ein EKG ansteht. Horst muss sich obenrum freimachen, auf eine Pritsche legen und wird verkabelt. Eine Schwester misst erneut Blutdruck. Das EKG zeigt keine Unregelmäßigkeiten an. „Mein Herz ist also fit“, sagt Horst erfreut.

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