Mindeststandards für Offene Ganztagsschulen setzen

Von: Stephan Johnen
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Offene Ganztagsschule: Für die Betreuung soll es Mindeststandards geben. Foto: stock/begsteiger

Düren. Welche berufliche Qualifikation braucht eine Betreuerin in der Offenen Ganztagsschule (OGS)? Wie viele Fortbildungsstunden stehen zur Verfügung? Wie viel Personal wird in einer Gruppe überhaupt eingesetzt? Und wie steht es um die Öffnungszeiten? Unter anderem diese Fragen sollen in einem Mindeststandardmodell in Düren für alle Träger verbindlich geregelt werden.

„Der Standard würde damit an den meisten Schulen höher“, sagte der Schulausschussvorsitzende Hermann Josef Geuenich (CDU) am Montag auf Anfrage der DZ. Am Dienstag, 17 Uhr, wird das Mindeststandardmodell in einer gemeinsamen Sitzung des Schul- und des Jugendhilfeausschusses diskutiert.

Derzeit gibt es parallel zwei OGS-Modelle in der Stadt: das Dürener, bei dem an sieben Schulen neben Sachkostenzuschüssen 1,5 Fachkräfte pro Gruppe gefördert werden, und das Landesmodell, bei dem an zehn Schulen eine feste Fördersumme pro Kind gezahlt wird. Welches Personal zur Betreuung der Kinder eingestellt wird, liegt beispielsweise in der Hand der Träger. Eine Gruppe nach dem Dürener Modell wird mit 70.000 Euro, eine Gruppe von 25 Kindern nach dem Landesmodell mit 37.000 Euro gefördert.

„Im Zuge der Haushaltsberatungen hatten wir zunächst überlegt, alle Schulen dem Landesmodell anzupassen“, blickt Geuenich zurück. „Aber die Politik war sich einig, dass wir mit diesem Modell schlechtergestellt wären.“ Wenn schon eine Angleichung beider Modelle, dann „qualitativ nach oben“, sagt Geuenich.

Im Gespräch mit Trägern, Verwaltung und Politik habe sich gezeigt, dass eine Betreuung auch mit 1,25 Fachkräften möglich sei. Dies sei ein Kompromiss in Richtung Haushaltslage. Dafür gebe es erstmals verbindliche Mindeststandards für alle Träger der Offenen Ganztagsschulen. Im Haushaltsjahr müssten dennoch 250 000 Euro und im Haushaltsjahr 2016 500.000 Euro zusätzlich bereitgestellt werden. „Die Bereitschaft, diesen Schritt zu gehen, ist in der Politik vorhanden“, sagt Hermann Josef Geuenich. Die Frage der Finanzierung müsse bei den anstehenden Haushaltsberatungen geklärt werden.

„Das Dürener Modell ist ein richtiger Schritt, so müsste es eigentlich überall im Land sein“, begrüßt Uli Lennartz, Geschäftsführer des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF), die Dürener Mindeststandard-Pläne. Der SkF ist Träger von Offenen Ganztagsschulen. Doch perspektivisch reichten die Pläne nicht aus, sagt Lennartz. „Es fehlt landesweit eine konsequente Weiterentwicklung der Offenen Ganztagsschule. Wir stehen heute noch dort, wo wir bereits bei der Eröffnung der ersten OGS standen.“

Die Betreuungsqualität sei „gut, aber noch nicht gut genug“. Während es bei der Betreuung der Kindergartenkinder Fortschritte gab, trete die Entwicklung der OGS auf der Stelle. „Was tun wir mit den Kindern, die einst im Rahmen der U3-Betreuung in den Kindergarten kamen, wenn sie auf die Schule gehen?“, fragt er. Dafür müssten auch von der Politik Konzepte entwickelt werden.

Die Ansprüche an die Offenen Ganztagsschulen würden immer weiter steigen. „Es kristallisiert sich heraus, dass die OGS zu einem Brennglas von sozialen Problemen werden könnte“, sagt Lennartz. „Es besteht die Gefahr, dass die OGS irgendwann überfordert ist. Wer sich den Kinderarmutsbericht der Stadt Düren anschaut, der weiß, vor welchen Herausforderungen die Offenen Ganztagsschulen stehen. Deswegen brauchen wir eine Weiterentwicklung.“

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