Millimeterarbeit für eine Hochzeit in luftiger Höhe

Von: Jörg Abels
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Sechs Tage hat das Montageteam des Windanlagenherstellers Enercon auf diesen Moment gewartet. Im Windpark Echtz kann das erste Rotorblatt montiert werden. Foto: Jörg Abels
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Mit einem 140 Meter langen Spezialkran wird der gut 50 Meter lange und 20 Tonnen schwere Flügel in die Höhe gezogen. Foto: Jörg Abels

Echtz. Ein laues Lüftchen weht über dem freien Feld zwischen Echtz und Geich. Auf der nahen Halde Nierchen oberhalb von Langerwehe drehen sich die Windräder kaum. Auf diesen Moment hat der Montagetrupp des Auricher Windanlagenherstellers Enercon seit sechs Tagen gewartet.

Endlich kann am ersten der sechs am Ende über 185 Meter hohen Windräder im Windpark Echtz das erste Rotorblatt in die Höhe gezogen werden. Mit einem 140 Meter langen Spezialkran wird der gut 50 Meter lange und 20 Tonnen schwere Flügel langsam in die Höhe gezogen. Im Maschinenhaus, mehr als 100 Meter über dem Boden, warten fünf Monteure auf die „Hochzeit“.

Größter Feind beim Windradbau ist der Wind selbst, erklärt Ricarda Schuller, Pressereferentin des Wörrstadter Windenergiespezialsten Juwi, der drei der sechs Windräder im Windpark Echtz in Zukunft mit der Aachener Stawag betreiben wird. „Ab einer Windgeschwindigkeit von etwa zehn Metern pro Sekunde oder bei starken Böen geht nichts mehr“, erklärt Ricarda Schuller. Gemessen werde immer direkt an der Spitze des Krans, die zum Teil auch über eine automatische Abschaltvorrichtung verfügen. „Auf einer Höhe von 100 Metern ist die Windgeschwindigkeit in der Regel doppelt so hoch wie am Boden“, erklärt sie weiter.

Gegen 14 Uhr am Dienstagmittag ist der kalte Wind am Boden zwar spürbar, doch Kranfahrer und Monteure wagen das kalkulierbare Risiko. Kollegen am Boden halten den tonnenschweren Flügel während des Hubs mit Halteseilen weg vom Betonturm des Windrads. Eine Kollision wäre fatal, würde die Stabilität des gesamten Turms gefährden. Das Rotorblatt hängt, wie zuvor auch das Maschinenhaus und die einzelnen Turmteile, an einem Drahtseil, das seinerseits vom Wind in Schwingung versetzt werden kann.

Aber das Enercon-Montageteam hat alles im Griff. Es dauert nur wenige Minuten, die „Hochzeit“ zwischen Rotorblatt und Maschinenhaus steht unmittelbar bevor. Millimeterarbeit in luftiger Höhe ist vonnöten, um die kranzförmig angeordneten Blattbolzen zu verankern. Jetzt zeigt sich, dass das Team den Wind richtig eingeschätzt hat. Nichts schwingt. Binnen kürzester Zeit ist das Rotorblatt fixiert und kann von den Monteuren verschraubt werden.

Mitarbeiter der Stawag am Boden verfolgen das „Spektakel“ sichtlich entspannt. „Wenn alles gut läuft, kann das erste Windrad in zwei Wochen ans Netz gehen, erklärt ein Mitarbeiter. Dazu aber müssen erst noch zwei weitere Rotorblätter montiert werden, ehe die gut eine Woche dauernde Innenverkabelung des Windrades beginnen kann. Hans- Willi Schruff von der Dürener REA, die federführend die übrigen drei Anlagen des Windparks betreiben wird, geht davon aus, dass in diesem Jahr noch vier der sechs Windräder in Betrieb gehen können, „vorausgesetzt natürlich, das Wetter, genauer gesagt der Wind macht uns keinen Strich durch die Rechnung.“

Dass einer der riesigen Montagekräne in der vergangenen Woche auf der Fahrt von einem zum anderen Turm umgekippt ist und schwer beschädigt wurde, werde den Zeitplan nicht gefährden, betont Schruff. Ersatz sei bereits geordert. Jetzt gilt der Blick ausschließlich dem Windmesser. Denn so richtig blasen soll es zwischen Echtz und Geich am besten erst nach Abschluss der Bauarbeiten. Dann sollen die aktuell modernsten Windräder im Kreis Düren pro Anlage zwischen sieben und acht Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen.

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