Milen Manoj begeistert bei seinem ersten großen Klavierabend

Von: Hannes Schmitz
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Milen Manoj aus Indien hat seinen ersten großen Klavierabend gegeben. Der 14-jährige wird von dem Langerweher Pianisten Heribert Koch unterrichtet. Foto: Hannes Schmitz

Düren. „Das erste Mal vergisst man nie“, meinte Heribert Koch, Klavierlehrer und Pianist aus Langerwehe, als er im Rahmen der Schlosskonzerte des Konzertforums „Cappella Villa Duria“ seinen „Schützling Milen Manoj aus dem Bundesstaat Kerala in Indien ankündigte.

Einen 14-Jährigen indischen Klavierschüler, der auf der Hauptburg eine Premiere feierte: sein erstes Klavierkonzert. Und was für eine! Heribert Koch hatte nicht zu viel versprochen, als er ihn als einen „Gipfelstürmer“ im Klassik-Genre beschrieb.

Das Publikum im ausverkauften Saal erlebte einen Wirbelwind auf den schwarzen und weißen Tasten, der bei den ausgewählten Konzertstücken schon einen außergewöhnlichen Reifegrad für einen Teenager an den Tag legte. Mehr als bemerkenswert, wie es ihm gelang, auf Klang und Struktur, Moment und Prozess zu achten.

Rhythmische Vitalität

Mit Gabriel Faures „Théme et Variations op. 73 cis Moll“ begann das Konzert. Ein zweites „erstes Mal“ glaubte Heribert Koch bei der Ankündigung. Ein Stück, das selten gespielt würde und „wahrscheinlich in Düren erstmalig“. Die Zuhörerschaft erlebte einen lebendigen Variationssatz, den der junge Musiker mal intim und subtil, dann wieder voller rhythmischer Vitalität interpretierte und dabei schon sein großes Können mehr als aufblitzen ließ.

Großer Beifall schon, der sich noch steigerte bis zu ersten Bravo-Rufen, nachdem der letzte Ton von Ludwig van Beethovens Sonate op.57 f-Moll der „Apassionata“ verklungen war. Eine Darbietung voller Präzision, Geschmack, Nuancen, Intelligenz und Leidenschaft, die den Besuchern magische Momente bescherte.

Die ruhige Stimmung im Mittelsatz, durchaus geeignet zum Luftholen nach den Eruptionen im Kopfsatz. Die finale Steigerung mit dem Presto. Zwei wuchtige Akkorde, und los ging die wilde Jagd über die Tastatur. Ein Inferno bis zum finalen Sturz, das die Zuhörer zunächst atemlos machte, bis die Beifallsrufe kamen.

Feinstes Klavierspiel

Der zweite Teil des Konzertabends war mit den Kompositionen von Maurice Ravel „Gaspard de la nuit“ und Mili Alexejewitsch Balakirew „Islamey-Orientalische Fantasie“ „ein Gipfel pianistischer Virtuosität“ und voller technischer Raffinements. Augenblicke feinsten Klavierspiels, voller nuancierter Interpretationen.

Erstaunlich, wenn man das Alter des Musikers berücksichtigt, wie er Ravels Komposition nach den Prosagedichten des französischen Romantikers Aloysius Bertrand interpretierte. Mit musikalischen Mitteln erzählte er auf faszinierende Weise die schauerlich-grotesken Szenerien mit einem magischem und transzendentem musischen Schleier.

Für „klassische Ohren“ geradezu exotisch wirkte Balakirews „Islamey“, bei dem Milen Manoj ein wahres Feuerwerk entfachte. Eine furiose Komposition mit allgegenwärtigen Tonrepitionen, die der Volksmusik der Tscherkessen und Krim-Tataren entstammt. Ein brillantes Spiel und ein atemberaubendes Konzert des jungen Inders, der das Publikum des Schlosskonzertes in einen Beifallsrausch versetzte.

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