Milde Urteile im Fall Andreas Kufferath

Von: bugi
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Im Prozess um gefälschte Bilanzen der Firma Andreas Kufferath kommen die drei Angeklagten mit einem blauen Auge davon.

Aachen/Düren. Daran hatte selbst der Vorsitzende Richter der Wirtschaftskammer des Landgerichtes nicht geglaubt: Im Strafverfahren wegen Betruges und Bilanzfälschung gegen drei ehemalige Beschäftigte der 2008 in die Insolvenz gerutschten Dürener Siebweberei Andreas Kufferath sind am Mittwoch vergleichsweise milde Urteile gesprochen worden – nach acht Jahren Verfahrensdauer.

Dabei hatte Richter Dr. Matthias Quarch den Rahmen selbst vorgegeben: „Es sitzen hier nur die auf der Anklagebank, die die Anweisung des Haupttäters umgesetzt haben.“ Die seien zudem nicht vorbestraft. Das größte Problem des Richters: Die drohende Verjährung der Straftaten bei gleichzeitiger Überlastung seiner Kammer. Bis zum 23. Juni 2019 müsste ein Urteil her, das erschien bei einer jetzt schon von der Staatsanwaltschaft benannten Liste mit 55 Zeugen und einem dreiwöchigen Verhandlungsrhythmus mehr als nur ehrgeizig, zumal allenfalls Bewährungsstrafen zu erwarten wären.

Der angestrebten Einigung auf ein Strafmaß bei gleichzeitigem Schuldeingeständnis der Angeklagten stimmte nach einigem Zögern auch Staatsanwältin Beatrix Norf zu. Dementsprechend wurde der ehemalige Geschäftsführer wegen Betruges in drei Fällen zu einer Geldstrafe von 1000 Euro und zu einer Bewährungsauflage von einem Jahr verurteilt, der frühere Leiter der Finanzbuchhaltung wegen Betruges in 19 Fällen zu einer Geldstrafe von 4500 Euro und zwei Jahren Bewährungsauflage und der ehemalige Prokurist zu drei Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 8000 Euro wegen Betruges in 20 Fällen.

Das Gericht blieb damit leicht unter dem geforderten Strafmaß der Staatsanwaltschaft. Die drei Angeklagten gelten damit nicht als vorbestraft. Richter Quarch machte in der Begründung deutlich, dass der verstorbene Firmenchef Franz Ferdinand Kufferath das Unternehmen „gottgleich“ geführt habe: „Es ist erstaunlich bis erschreckend, wie dort regiert wurde. Dem Firmenchef waren alle Mittel recht, um das Unternehmen am Leben zu erhalten und die wirtschaftliche Krise um jeden Preis zu verschleiern.“

Das eben auch mit der Anweisung, die Bilanzen, mit denen jeweils neue Kredite bei den Banken erschlichen wurden, zu fälschen. So waren zum Beispiel Forderungen und Verbindlichkeiten zu niedrig, Erlöse zu hoch angegeben worden. Die größte Diskrepanz gab es im Jahr 2006, als Verbindlichkeiten von 13,5 Millionen Euro verschwiegen wurden. Letztlich scheiterten die Rettungsversuche. Auch wenn die Angeklagten nur auf Weisung gehandelt hätten: „Sie haben ihre Rolle gespielt“, schloss der Richter, verwies auf die „milden Urteile“ und zeigte sich hocherfreut, einen drohenden, mehrjährigen Mammutprozess abgewendet zu haben.

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