Mieter gehen auf die Barrikaden

Von: Bruno Elberfeld
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Sie wollen die schlimmen Zustände in ihren Wohnungen nicht länger akzeptieren: Mieter der Blocks an der Rütger-von-Scheven- Straße. Foto: bel

Düren. Ramona Schneiders Geschichte ist wirklich unglaublich. Sie hatte vor etwa fünf Jahren in einem der Wohnblocks in der Rütger-von-Scheven-Straße eine Wohnung besichtigt. Sie unterschrieb den Mietvertrag, der Schlüssel wurde ihr ausgehändigt. Frohgemut schritt sie zur Tat, um ihre neue Wohnung zu renovieren.

Die Wände waren jetzt einfacher zu streichen, denn die beiden Gasöfen waren nicht mehr da, einfach weg. Niemand, auch der Hausmeister nicht, wusste, wo die beiden Heizungselemente hingekommen waren. Seit fünf Jahren lebt Ramona Schneider ohne Heizung. Ein Einzelfall? Mitnichten.

Viele Mieter sind jetzt zusammen gekommen, um ihre Klagen los zu werden. Stefanie Andry lebt mit ihrem neun Monate alten Kevin im Schimmel, von den Wänden läuft das Wasser. Fachleute sagen ihr, wie allen anderen Bewohnern auch, dass das Haus falsch gedämmt sei. Einige Mieter versuchen, den Schimmel mit eigenen Mitteln zu bekämpfen.

Die Wände aus dem Baujahr 1953 wehren sich. Sporadisch tauchten schon mal Handwerker auf, befreiten eine verschimmelte Wand von der Tapete, klebten neue an, verschwanden und wurden nicht mehr gesehen. „Das ist doch klar”, kommentiert eine Mieterin diesen Vorgang, „die werden nicht bezahlt und dann kommen die nicht wieder.” Manchmal riecht es in einigen Wohnungen nach Gas. Die Gasleitungen, so viele Bewohner, werden offenbar nicht regelmäßig gewartet.

Bei Sturm und Regen kommt das Wasser nicht nur von der Decke, sondern dringt durch die undichten Fenster. Da müssen Zeitungspapier oder Lappen als Dichtungen dienen. Ein Block ist als Vorzeigeobjekt weiß getüncht worden. Neue Dachziegel zieren das Dach. Das Ergebnis: Das Wasser tropft weiter, denn offenbar ist das Dach undicht geblieben.

Auf Anraten von Rechtsanwalt Valter haben etwa 35 Mieter die Miete gemindert. Die Folge: fristlose Kündigung der Firma „Treureal”, die die Häuserblocks verwaltet.

Eine Räumungsklage ist übrigens noch nie erfolgt. Bei vielen Mietern werden Nachzahlungen eingefordert, Summen, von denen keiner weiß, wie sie zustande gekommen sind. „Die Verwaltung weiß offenbar nicht, was los ist”, sagt Wellem Caenen, der mit seiner Frau seit Jahrzehnten dort wohnt.
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