„Men‘s Physique“: Dürener kämpft um WM-Titel

Von: Ines Kubat
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Sebastian Mansla ist seit zwei Monaten in der Wettkampfvorbereitung. Foto: Kubat

Düren. Obwohl es schon Mitte November ist, sitzt Sebastian Mansla noch im T-Shirt im Café. Kalt scheint dem 28-Jährigen nicht zu sein. Dank des Shirts kann man seine Oberarm-Muskeln sehen – offenbar ganz zur Freude der drei Teenager-Mädchen am Nachbartisch, die immer wieder hinüberschauen, glucksen und sich kichernd etwas zuflüstern.

Mansla steht an diesem Morgen kurz vor dem großen Wettkampf. „Es ist nicht immer so, dass mein Sixpack fast raus springt“, sagt er lachend. Doch an diesem Tag ist er auf den Punkt trainiert.

Denn am heutigen Samstag geht es in Polen um alles: den Weltmeistertitel in „Men’s Physique“.

Seit knapp zweieinhalb Jahren macht er diesen Sport, den Laien schnell in die Bodybuilder-Schublade schieben – und Mansla gleich mit. „Natürlich gibt es viele Vorurteile“, sagt er. Die meisten spielen darauf an, dass die Muskeln der Sportler riesig, der Intellekt eher winzig sei – um es nett zu formulieren. „Da stehe ich aber drüber“, sagt der Dürener, der in Aachen BWL und nun in Köln zusätzlich noch International Marketing studiert.

Was er nicht mag, ist, wenn man seinen Sport mit Bodybuilding gleichsetzt: Denn beide Gruppierungen beäugen sich eher argwöhnisch.

Beiden allerdings geht es darum, ihren Körper nach eigenen Vorstellungen zu modellieren, zu formen und bis zur vermeintlichen Perfektion zu triezen.

Doch da hört es mit den Gemeinsamkeiten auch schon fast auf, findet Mansla und erklärt den größten Unterschied zum Bodybuilding: „Wir werden einfach nicht so massig“, betont er. Stattdessen orientieren sich die „Men‘s-Physique“-Sportler eher am Idealbild „griechischer Statuen“, sagt der 28-Jährige schmunzelnd. Auch bei den Wettkämpfen – einer Art Schönheitswettbewerb für Muskelpakete – gehe es etwas natürlicher zu als bei den großen Brüdern des Bodybuildings.

Zwar müssen sie sich auch auf der Bühne von allen Seiten präsentieren. Aber „Flexen“ beispielsweise gebe es bei ihnen nicht. Flexen, das ist die Bezeichnung für das Anspannen der Muskeln, das man von Bodybuildern à la Schwarzenegger kennt. Statt in Tanga steht Mansla also in Badeshorts im Rampenlicht und nimmt scheinbar entspannte Posen ein.

Die Juroren achten dann auf Verschiedenes: Ausstrahlung, Muskelform, aber beispielsweise auch das Hautbild. Warum? Daran können die Experten viel ablesen, erklärt der Student: zum Beispiel, ob jemand verbotenerweise gedopt hat.

Doping ist auch so ein Thema, das immer wieder im Zusammenhang mit dem Körperkult aufkommt: „Es ist ein offenes Geheimnis, dass im Profibereich des Bodybuildings gedopt wird. Anders könne man solche Ergebnisse nicht erzielen. Für den Studenten sind diese Substanzen aber tabu – viel zu gefährlich die möglichen Nebenwirkungen, sagt er. Stattdessen setze Mansla vor einem Wettkampf auf eiserne Disziplin. Knapp zwei Monate dauert bei ihm die intensive Trainingsphase vor einem Wettkampf. Sie ist geprägt von anstrengenden Sporteinheiten, aber vor allem von großem Verzicht beim Essen.

Ein Kilo Putenbrust

„Diesen Muffin da vorn könnte ich jetzt auf keinen Fall essen“, sagt er mit einem Wink in die Auslage des Cafés. Denn auf Zucker, Kohlenhydrate und Milchprodukte muss er viele Wochen verzichten. Stattdessen gibt es viel Gemüse und Fleisch – fettfrei versteht sich. Manchmal isst er bis zu einem ganzen Kilogramm Putenbrust am Tag. Diese Art der strengen Ernährung mache ein wenig einsam, gibt Mansla zu, soziale Gewohnheiten wie feiern oder essen gehen, werden für ihn und sein Umfeld eher zur Belastung. Deshalb freut er sich schon auf Montag, wenn er nicht nur alles wieder essen kann, sondern auch in den wohlverdienten Urlaub fahren kann.

Und das dann hoffentlich mit einem Weltmeister-Titel im Gepäck. 2014 hat er mit dem 4. Platz das Podest knapp verpasst. Das könnte dieses Jahr anders werden, sagt der Student zuversichtlich. „Ich bin in sehr guter Form“. Eine Tatsache, die die Teenager am Nachbartisch sicherlich bestätigen würden.

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