Düren - Memoiren des russischen Botschafters Jewgeni Schmagin

Memoiren des russischen Botschafters Jewgeni Schmagin

Von: Markus Niederhöfer
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Jewgeni Schmagin richtet einen ernsten Appell an die Leser: Deutschland und Russland müssten einander näherkommen und zusammenwachsen, um den Frieden zu wahren. Foto: Niederhöfer

Düren. Jewgeni Schmagin, hochrangiger Diplomat Russlands und der Sowjetunion im Ruhestand, besuchte diese Woche Düren. Auf Einladung von Bürgermeister Paul Larue stellte er am Montagabend sein Buch „Meine Botschaft - Ungeschminkte Erinnerungen eines russischen Diplomaten“ in der Stadtbücherei vor.

Die zahlreichen Besucher erhielten einen Einblick in sein Werk, das von seiner Kindheit in der Sowjetunion, dem ersten Kontakt zu Deutschland und von seiner Zeit als Leiter der russischen Botschaft in Berlin erzählt.

Schmagin war insgesamt 43 Jahre lang im sowjetischen und russischen diplomatischen Dienst. Er kennt die deutsch-russischen Beziehungen wie kein Zweiter, trat er doch im Laufe seiner Amtszeit maßgeblich für ihre Verbesserung ein. „Ein Mann, ein Wort“, beschrieb Bürgermeister Larue Schmagins Wesen. Er sei stets „mit Herz und Verstand“ für ein gutes Miteinander eingetreten.

Zuletzt russischer Botschafter in Kirgistan, ging Schmagin 2015 in den Ruhestand. Er blickt heute auf ein ereignisreiches und denkwürdiges Leben zurück. Sein Buch sind seine „ungeschminkten“ Memoiren – daher lüftet er auch so manches Staatsgeheimnis. Dass er damit seine russischen Kollegen verärgert, stört Schmagin nicht.

Seiner Meinung nach wurden seine Bemühungen um die Zusammenarbeit Deutschlands und Russlands von russischer Seite nur wenig gewürdigt. In durchweg erfrischender und humorvoller Weise las der 67-Jährige am Montag aus seinem Buch. Interessierte und erstaunte Gesichter waren das Resultat.

Ostdeutsche Gastfamilie

Er rezitierte Passagen, die von seiner frühen Kindheit erzählen, und brachte so dem Publikum sein Leben in der Sowjetunion näher. Des Weiteren schilderte Schmagin, wie er im Rahmen seines Studiums an der Moskauer Universität für internationale Beziehungen das erste Mal nach Deutschland kam. Zu Gast bei einer ostdeutschen Familie in Leipzig, erlebte er das erste Mal Weihnachten, was ihm aufgrund des damals in Russland vorherrschenden Atheismus bis dato verwehrt geblieben war.

Freilich las Schmagin auch aus Kapiteln, die von seiner Arbeit als Diplomat erzählen. Er berichtete von seiner Zeit in Ostberlin, wo er zwei Jahre lang die russische Botschaft leitete sowie von seiner Arbeit als Generalkonsul in Bonn. In seine Darstellungen ließ er immer wieder lustige Anekdoten einfließen und hatte den ein oder anderen Lacher auf seiner Seite.

Trotzdem steht hinter „Meine Botschaft“ ein ernster Appell: „Mir blutet das Herz, wenn ich heutzutage das deutsch-russische Verhältnis sehe“, sagte Schmagin. Das Deutschland des 21. Jahrhunderts sei ein ganz neues Deutschland, das von den Russen noch begriffen werden müsse – und umgekehrt genauso. „Um die eigenen Interessen als auch den Frieden zu wahren, müssen Deutschland und Russland einander näherkommen und zusammenwachsen.“

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