Berzbuir - Meisterschaft im Fingerhakeln: A Mordsgaudi mit echten Profis aus Bayern

Meisterschaft im Fingerhakeln: A Mordsgaudi mit echten Profis aus Bayern

Von: Dietmar Engels
Letzte Aktualisierung:
13243496.jpg
Anders als in Bayern dürfen sich in Berzbuir auch die Frauen im Fingerhakeln beweisen, bevor dann die Mannsbilder zum Schnupftabak greifen, die Finger trainieren und selbst zum Wettkampf antreten. Foto: D. Engels

Berzbuir. Wieder eine Gaudi war die dritte Rheinische Meisterschaft im Fingerhakeln. Der veranstaltende Förderverein der St. Anna-Schützenbruderschaft zeigte sich am Sonntag sehr zufrieden. Die mit der dritten Auflage begründete Tradition soll in jedem Fall fortgesetzt werden. Sie ist er Höhepunkt des jährlichen Oktoberfestes in dem kleinen Dürener Stadtteil.

Der Besucher des kleinen Festzeltes fühlt sich bei der Meisterschaft, die bundesweit Furore gemacht, aber bisher noch nirgendwo sonst diesseits des Weißwurstäquators kopiert wurde, optisch und akustisch nach Bayern versetzt: Finger werden geknetet und aufgewärmt, mit Magnesium gepulvert und geföhnt. Aus den Lautsprechern tönt in zurückhaltender Lautstärke bayerische Blasmusik.

Die 16 aus Bayern angereisten Profis haben zu Hause in Laufach im Spessart mit Gewichten, Expandern und Klimmzügen am Hakelfinger trainiert. Die teilnehmenden Amateure treten ohne besondere Vorbereitung an. An den Start gehen – ganz unbayerisch – auch Frauen. Selten in unserer Gegend: Es gibt original Münchener Bier vom Fass. Die Akteure bleiben aber nüchtern, bis der Wettstreit beendet ist. Seit 1600 ist der Brauch überliefert. So wurden häufig Streitigkeiten beigelegt, die sonst mit den Fäusten ausgetragen worden wären.

Hochrote Köpfe, zusammengebissene Zähne, entschlossene Blicke oder zugekniffene Augen, manchmal Stöhnen und Prusten verraten die Anstrengung der geübten Kontrahenten. Es drohen Gefahren: Bänder und Sehnen können reißen, Gelenke auskugeln. Dazu kommt es in Berzbuir aber nicht. Die Meister ihres Fachs haben eine dicke Hornhaut am Zugfinger. Der hält deshalb eine Menge aus. Sorgsam wird darauf geachtet, dass die Duellanten in etwa in der gleichen Gewichtsklasse antreten. Die Kämpfe dauern gewöhnlich nicht länger als 30 Sekunden.

Amateure geben rechtzeitig auf, damit sie den Schauplatz nicht blutend verlassen. Alles hat eine fest gefügte Ordnung: Gekämpft wird an einem genormten Haklertisch mit gepolsterter Abstützfläche. Hinter den beiden Kontrahenten stehen Auffänger, die gegebenenfalls stürzende Kombattanten in die Arme nehmen. Dann kommt das Kommando des Schiedsrichters: „Hakler - fertig - zieht“. Der Schiri darf in keiner Weise in den Kampf eingreifen, in dem er etwa Tipps gibt oder die Kämpfer persönlich anfeuert. Die Zuschauer sollen und dürfen das natürlich. Man kennt sich, gibt seinem Favoriten akustische Unterstützung.

Es gewinnt der Hakler, der den Finger des Gegners über die Randmarkierung des Haklertisches hinaus zieht, oder der Gegner den Hakelriemen loslässt. Offensichtlich alkoholisierte Interessenten dürfen nicht antreten. Die Redewendung „Jemanden über den Tisch ziehen“ hat ihren Ursprung in diesem Volkssport, in dem nicht allein die Kraft den Ausschlag gibt.

Vor dem offiziellen Start der Hauptkämpfe durften sich auch Kinder unter Aufsicht im Fingerhakeln erproben. Da zog so mancher Junge sein Gegenüber (fast) über den Tisch. Die Nachwuchskämpfer hatten sichtlich Spaß an der höchst ungewöhnlichen Sportart, von der kaum einer von ihnen vorher auch nur etwas gehört hatte. Auch konnten sich die Kleinen beim Nageleinschlagen mit einem handlichen Hammer üben.

Den Erlös aus dem Startgeld spenden die Veranstalter wie jedes Jahr dem Rheinischen Blindenfürsorgeverein zweckgebunden für ein Projekt in Düren. Im Vorjahr sind rund 1000 Euro zusammengekommen. Der Kontakt zum bayerischen Haklerverein ist seinerzeit zustande gekommen, weil die Berzbuirer per Internet bundesweit Werbung für ihre Veranstaltung machten. Daraus haben sich gegenseitige Besuche ergeben, wobei die Berzbuirer bei den Wettkämpfen in Laufach natürlich kaum Chancen haben.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert