Meisterpflicht: Jetzt geht es um den Bürokratieabbau

Von: Stephan Johnen
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„Das ist eine gute Nachricht“, kommentiert Kreishandwerksmeister Gerd Pelzer die Botschaft der EU, den Meisterbrief nicht infrage zu stellen. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. Für Kreishandwerksmeister Gerd Pelzer sind diese Worte Balsam in den Ohren: „Wir werden den Meisterbrief nicht infrage stellen“, sagte Daniel Calleja Crespo, der Beauftragte für kleine und mittlere Unternehmen der Europäischen Kommission, bei der Eröffnung der Internationalen Handwerksmesse in München.

Darauf hätten sich die Mittelstandsbeauftragten der EU-Staaten geeinigt. Der Beauftragte lobte das duale Ausbildungssystem in Deutschland und sprach von einem „Vorbild für Europa“.

„Das ist eine gute Nachricht“, kommentierte Kreishandwerksmeister Gerd Pelzer die Botschaft. Es ist noch nicht lange her, da bewertete die EU-Kommission das deutsche Meistersystem als eine „ungerechtfertigte Beschränkung und Marktzutrittsschranke“. Die Kommission habe in der Vergangenheit mehrfach an der Meister-Zulassungspflicht gerüttelt, kritisierten führende Vertreter des deutschen Handwerks. Um die Qualität im Handwerk und in der Ausbildung zu sichern, sei der Meister aber notwendig, argumentierte in der vergangenen Woche Uwe Günther, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Rureifel im DZ-Interview. Die Handwerker im Kreis Düren hatten einen Appell an alle Politiker gerichtet, sich für die Meisterpflicht starkzumachen.

Gerd Pelzer schließt sich nun den Forderungen des Präsidenten des Zentralverbandes des Handwerks, Hans Peter Wollseifer, an, dass der Meisterbrief auch seinen Stellenwert als Zugang zu Berufen nicht verlieren dürfe. Die Meisterprüfung habe pädagogische, handwerkliche und betriebswirtschaftliche Komponenten“, sagt Pelzer. Erst das Zusammenspiel ermögliche es dem Meister, seinen Betrieb erfolgreich zu führen und den Handwerksnachwuchs auszubilden. Wer den Meisterbrief besitze, kenne sich auch im Steuererecht, in der Ökonomie und in der Ausbildungsordnung aus. Die Kritik, die Meisterpflicht grenze Menschen vom Arbeitsmarkt aus, kann Pelzer nicht nachvollziehen. „Wer gute Leistungen zeigt und qualifiziert arbeitet, hatte schon immer alle Chancen, beispielsweise eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen“, weiß Pelzer von Altgesellen, die einen Betrieb auch ohne Meisterbrief übernommen haben.

Ein weiterer Punkt, bei dem sich Gerd Pelzer mehr Verständnis von der EU wünscht, ist der Abbau des Bürokratieaufwands. Gerade die kleineren und mittleren Unternehmen würden angesichts aller Dokumentationspflichten an ihre Grenzen stoßen. „Das ist ein Riesenfeld, das sich da in den vergangenen Jahren aufgetan hat“, sagt er. Die eigentliche Arbeit bleibe angesichts des „Bürokratiewahns“ beizeiten liegen. Vor gleichen Problemen stehe beispielsweise auch der Gesundheitssektor.

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