Kreuzau - Meisterpflicht auf dem Prüfstand: Qualitätsverlust befürchtet

Meisterpflicht auf dem Prüfstand: Qualitätsverlust befürchtet

Von: Stephan Johnen
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Bei den Fliesenlegern ist die Meister-Pflicht bereits im Jahr 2004 gefallen. Foto: dpa
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Uwe Günther ist Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Rureifel.

Kreuzau. Handwerk hat goldenen Boden, heißt ein deutsches Sprichwort. Wer ein Handwerk erlernt, steht demnach nach vor einer guten beruflichen Zukunft. Doch die Europäische Kommission ist aus Sicht von Uwe Günther, dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Rureifel, gerade dabei, das Fundament des Handwerks abzuschaffen.

Die Meisterpflicht als Voraussetzung zur Führung eines Betriebs. Dem Handwerk drohe damit langfristig der Boden unter den Füßen weggezogen zu werden, sagt Günther mit Blick auf die „Qualität der Arbeit und die Qualität der Ausbildung“.

Aus Sicht der EU ist das deutsche Meister-System eine „ungerechtfertigte Beschränkung und Marktzutrittsschranke“. Uwe Günther sieht das naturgemäß anders. „Es kann sich ja auch nicht jeder als Anwalt oder Zahnarzt betätigen“, sagt er zugespitzt. Die Lage sei jedoch zu ernst, um darüber Scherze zu machen.

Bereits Anfang 2004 wurde die Meisterpflicht für 53 Handwerksberufe abgeschafft, darunter Fliesenleger, Raumausstatter und Gebäudereiniger. Für 41 weitere Handwerksberufe wie Dachdecker, und Klempner ist der Meister noch Pflicht. „Die bisher erfolgte Abschaffung der Meisterpflicht hat das qualitative Niveau der ausgeführten Arbeiten deutlich heruntergezogen“, bilanziert Günther nach zehn Jahren. Betriebe seien wie Pilze aus dem Boden geschossen, nur wenige würden längere Zeit am Markt bestehen.

„Das hat für die Kunden große Auswirkungen, wenn es um Gewährleistung geht“, sagt Günther. Er nennt als Beispiel die Fliesenleger. 2004 gab es im Kreis 20 Meisterbetriebe, heute seien es 432 Unternehmen. Die zahl der Meister stieg dabei nur gering. „Ausbildung findet kaum noch statt“, sagt Günther.

Wo der qualifizierte Nachwuchs herkommen soll, sei für ihn unklar. Gerade die Arbeit eines Fliesenleger berge aber „großes Schadenpotenzial für Kunden“. Viele Betriebe seien zudem Ein-Mann-Unternehmen. „Das öffnet die Tür für Selbstausbeutung und führt zu einem ruinösen Wettbewerb.“ Auch Schwarzarbeit sei nicht eingedämmt worden.

„Nur wer ausgebildet ist, kann auch ausbilden“, appelliert Kreishandwerksmeister Gerd Pelzer an die Politik, sich für die Meisterpflicht stark zu machen. Deutschland werde weltweit für sein duales Ausbildungssystem gelobt. „Mittlerweile ist dieses Modell ein Exportschlager“, fügt Uwe Günther hinzu.

„Höchstrichterlich“ sei in Deutschland geklärt worden, dass die Ausbildung im Handwerk durch Meister die freie Wahl des Berufes nicht beeinträchtige. Der berufliche Aufstieg sei gut möglich, es gebe auch für Nicht-Meister Ausnahmeregelungen, um Betriebe zu führen.

Ein europäischer Vertrag sichere die Anerkennung ausländischer Berufsausbildungen. „Der Erwerb der Meisterqualifikation ist für viele Gesellen ein hoher Anreiz“, sagt Pelzer. Der Meisterbrief stehe für Qualität. Und für Ausbildungsverantwortung. „Das Handwerk ist ein Motor für Ausbildung“, ist Pelzer überzeugt.

Anders als in vielen EU-Ländern sei die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland nicht zuletzt aufgrund der dualen Ausbildung in Betrieb und Berufsschule und der „hohen Qualifikation“ so gering. Pelzer: „Bislang jedenfalls.“

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