„Mein Bücherregal“: Liebe für Werke von Trash bis nobelpreisverdächtig

Von: Anke Holgersson
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Begeistert sich für Satiren: Alexandra Oidtmann, die Leiterin der Stadtbücherei Düren, liest zum Beispiel gerne in den Werken von Walter Moers. Foto: Holgersson

Düren/Erkelenz. „Es waren viele“, sagt die Leiterin der Stadtbücherei Düren über die Anzahl ihrer Lieblingsbücher. Für ein Bestimmtes mag sich Alexandra Oidtmann, 43, die alles „von Trash bis nobelpreisverdächtig“ liest, daher nicht entscheiden.

Die Stationen ihres (Lese-) Lebens finden sich in ihrem Bücherregal wieder: Als Neunjährige legte sie den Grundstein für ihre Sammlung, und zwar mit der Jugendbuchserie „Burg Schreckenstein“ von Oliver Hassencamp, die in den 70er und 80er Jahren als Hörspielreihe Kultstatus erlangt hatte. Es folgte eine Leidenschaft für Kinderkrimis.

Um möglichst viele davon lesen zu können, meldete sie sich in Hückelhoven im Kreis Heinsberg, wo sie zur Schule ging, in der Bibliothek an. Den Kinderkrimis folgte Agatha Christie. Und als im Alter von 14 Jahren der Gruselfaktor nicht mehr hoch genug war, las sie sich durch die Horror-Romane von Stephen King. Als Dankeschön für ein Schulpraktikum, das sie – zielgerichtet – in der Hückelhovener Bibliothek absolvierte, erhielt sie eine Ausgabe von „Der Graf von Monte Christo“, den Abenteuerroman von Alexandre Dumas aus dem 19. Jahrhundert.

In ihrem Bücherregal befinden sich noch zwei weitere Ausgaben, die sie im Laufe der Jahre von Freunden „adoptiert“ hat, weil sie in dem Roman bis heute nicht nur gute Literatur, sondern auch praktische Tipps für schwierige Situationen findet, zum Beispiel als Führungskraft: „Das Buch erinnert mich streckenweise an Beratungsliteratur von heute,“ sagt sie. „Es ermutigt, klar zu sein in den eigenen Aussagen und auch mal etwas nicht so Nettes zu äußern, wenn man davon überzeugt ist, dass es konstruktiv ist. Und vor allem lehrt es, keine Konsequenzen zu fürchten,“ fasst sie zusammen und schlussfolgert: „Es wurde eben alles schon einmal gedacht. Nur anders verpackt.“

Auch Gesellschafts-Klatsch habe es schon lange vor Gala und Facebook gegeben. Für diesen „Tratsch aus vergangenen Jahrhunderten“ interessiert sich Oidtmann ganz besonders. Sie hat zusätzlich zu ihrer Leitungsfunktion das Lektorat für Geschichte, Mathematik und Werke über die Dürener Region inne.

Vorliebe fürs Reiten

Und so weiß sie zum Beispiel zu berichten, dass Lieselotte von der Pfalz stundenlang mit ihrem Schwager König Ludwig XIV. am französischen Hof des 18. Jahrhunderts über Pferde und Reitmethoden klönte. Die Vorliebe für das Reiten teilt auch Oidtmann mit Ludwig. Deswegen stehen in dem Bücherregal der „Gelegenheitsreiterin“ auch viele Bücher über die Philosophie des Reitens. Gleich neben Theaterstücken von William Shakespeare, Satiren von Walter Moers, Romanen von Jane Austen und den Brontë-Schwestern sowie neben den Geschichten von Edgar Allan Poe, der aber nie „eine große literarische Liebe“ von ihr wurde.

Im Gegensatz zu den von ihr gerne gelesenen Krimis von Rita Mae Brown, in denen Katzen gegen Mörder und Räuber ermitteln. Mit ihrer eigenen Katze, Klärchen, teilt Oidtmann sich am Abend das Sofa, auf dem sie sich zum Erholen täglich eine halbe Stunde Lesen gönnt.

Momentan liegt Margaret Mitchells „Vom Winde verweht“ auf dem Tisch neben der Couch. „Diese halbe Stunde ist meine Insel,“ sagt sie. „Vom Winde verweht“ liest sie lieber, als dass sie sich den Film anschaut. Das heißt aber nicht, dass es nicht doch etliche DVDs (beispielsweise mit den Geschichten von Miss Marple, Harry Potter, den Gilmore Girls, Sherlock Holmes und von ihrer Jugendheldin, der Vampirjägerin Buffy) in ihr Bücherregal geschafft haben.

Insgesamt versucht sie, weniger Bücher zu besitzen, schon weil sich nach ihrem letzten Umzug die Helfer über die viel zu vielen, viel zu schweren Bücherkisten beschwert hatten. 2012 hatte sie, nachdem sie sechs Jahre lang die Kinder- und Jugendbücherei in Recklinghausen geleitet hatte, ihre Stelle in Düren angetreten. Auch aus privaten Gründen. Sie zog zu ihrem Lebensgefährten nach Erkelenz. Er ist in der Zwischenzeit verstorben. Seine Bücher, zum Beispiel die Koch- und Weinbücher des passionierten Hobbykochs, stehen noch im Regal, das er für ihre gemeinsame Leidenschaft, das Lesen, hatte bauen lassen.

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