Meilenstein: Schoellershammer plant Bau von Papiermaschine

Von: Jörg Abels
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Das fertige Wellpappenrohpapier verlässt die Papiermaschine auf großen Rollen, jede einzelne 27 Tonnen schwer, die später für den Kunden noch zugeschnitten werden. Foto: Jörg Abels
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Planen das „Jahrhundertprojekt“: Die Schoellershammer-Geschäftsführer Armin Vetter, Bernd Scholbrock und Alexander Stern (v.r). Foto: Jörg Abels

Düren. Geschäftsführer Bernd Scholbrock spricht von einem Meilenstein in der 230-jährigen Geschichte der Papierfabrik Schoellershammer, sein Kollege Armin Vetter von einer „Investition für die nächste Generation“. Das mittelständische Familienunternehmen will bis Ende 2016 eine neue Papiermaschine errichten und damit die jährliche Produktionskapazität im Kerngeschäft Wellpappenrohpapier von derzeit rund 250.000 Tonnen verdoppeln.

Die Geschäftsführung, zu der seit wenigen Tagen auch Alexander Stern als Nachfolger von Theo Hassert gehört, spricht von einer beabsichtigten Investition im „hohen zweistelligen Millionenbereich“, die den Standort Düren langfristig sichert. Frühere Überlegungen, den Neubau in Weisweiler zu realisieren, sind damit vom Tisch.

Eine 200 Meter lange Halle

Nachdem der Dürener Stadtrat zuletzt nach einem mehrjährigen Verfahren Flächennutzungs- und Bebauungsplan geändert hatte, bereitet sich das Unternehmen darauf vor, die Genehmigung für den Bau der neuen Papiermaschine nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz bei der Bezirksregierung Köln zu beantragen. Die für die neue Papiermaschine benötigte Halle – 200 Meter lang, 35 Meter breit und 20 Meter hoch – liegt im Bereich der Ruraue. „Mit diesem Standort sind die geringsten Emissionen für die Anwohner der Kreuzauer Straße verbunden“, erklärt Vetter die Standortwahl. Die bestehenden Firmengebäude würden einen Großteil der Geräusche abschirmen.

Die Stadt hat nach Abwägung aller Interessen einer Umwandlung des benötigten Areals im bisherigen Landschaftsschutzgebiet in ein Industriegebiet zugestimmt. In diesem Zusammenhang dankt die Schoellershammer-Geschäftsführung ausdrücklich Bürgermeister Paul Larue und Landrat Wolfgang Spelthahn für die Unterstützung.

Armin Vetter geht davon aus, dass die Unterlagen bis August in Köln vorliegen werden. Er rechnet mit einer Genehmigung im Frühjahr 2015, da Artenschutzregelungen im bisherigen Verfahren ebenso bereits vereinbart wurden wie Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in die Natur. Auch ein Verkehrskonzept für den deutlich zunehmenden Lkw-Verkehr wurde bereits erstellt. Parallel arbeitet Alexander Stern jedoch auch noch an der Finanzierung des Megaprojekts, die das Familienunternehmen Schoellershammer aus eigener Kraft mit Hilfe von Banken stemmen will. Läuft alles glatt, könnte die neue Maschine im März/April 2015 bestellt werden. „Dann würde es noch rund 18 Monate bis zur Inbetriebnahme dauern“, erklärt Vetter.

Wachsender Markt

„Wir reagieren mit dem Bau der Papiermaschine auf den wachsenden Markt für Wellpappenrohpapier“, erklärt der Geschäftsführer. Europaweit werden jährlich rund 20 Millionen Tonnen Wellpappenrohpapier benötigt, bei einem Wachstum von zwei bis drei Prozent im Jahr, nennt sein Kollege Bernd Scholbrock Zahlen. Außerdem gehe der Trend zu leichterem Papier, da Verpackungen immer weniger wiegen sollen. „Diesen Trend wollen wir bedienen“, betont Vetter.

Mit dem Bau der neuen Papiermaschine sind noch weitere Maßnahmen verbunden. Neben einem zusätzlichen Fertigwarenlager werden auch neue Logistikflächen benötigt. Darüber hinaus wird die firmeneigene Kläranlage erweitert. Mit der neuen Papiermaschine sollen rund 85 neue Arbeitsplätze entstehen. Die Schoellershammer-Geschäftsführung geht zudem davon aus, dass das Millionenprojekt indirekt weitere Arbeitsplätze in anderen Unternehmen der Dürener Papierindustrie nach sich ziehen wird.

Derzeit produziert die Firma Schoellershammer mit 235 Mitarbeitern rund 250.000 Tonnen Wellpappenrohpapier im Jahr. Dazu kommen rund 5000 Tonnen hochwertiger Fein- und Transparentpapiere. Kerngeschäft aber bleibt auch in Zukunft das Wellpappenrohpapier. Eine zuletzt kolportierte Übernahme der Firma Reflex sei kein Thema, betonte Scholbrock. Der Jahresumsatz lag zuletzt bei rund 100 Millionen Euro und soll sich mit der neuen Papiermaschine ebenso verdoppeln wie die Produktionskapazität. Schoellershammer beliefert nach eigenen Angaben weltweit Kunden in mehr als 70 Ländern.

Die Papierfabrik Schoellershammer, Heinrich August Schoeller Söhne GmbH & Co. KG, erhielt 1874 die Konzession, aus einem Eisenreckhammer eine Papiermühle zu machen. Die erste Maschine für Endlospapiere lief 1841 an.

Um Maschinen- und Gebäudetechnik auf dem neuesten Stand der Technik zu halten, haben die nachfolgenden Generationen der Familien Schoeller und Rhodius immer wieder investiert, seit der Jahrtausendwende allein mehr als 60 Millionen Euro.

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