Mehr Leistung mit weniger Windrädern

Von: Stephan Johnen
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„Repowering”: Wie in Branden
„Repowering”: Wie in Brandenberg werden derzeit alte Windräder durch effizientere ersetzt. Foto: Johnen

Brandenberg/Schmidt. Rückenwind für die Windkraft gibt es von der Landesregierung. Mit dem sogenannten Windkraft-Erlass fiel zu Beginn der Woche die Höhenbegrenzung für Anlagen von 100 Metern, und der Anteil der Windenergie an der Stromversorgung soll in NRW von heute drei Prozent auf 15 Prozent im Jahr 2020 ausgebaut werden.

Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) spricht sich besonders für Windparks aus, bei denen Anwohner und Genossenschaften als Investoren aktiv werden. Unter anderem in der Gemeinde Hürtgenwald ist dieser Plan schon lange Realität. Vor 13 Jahren ging in Brandenberg ein Bürgerwindrad ans Netz. Damals war es eine Premiere. Heute ist es nach Auskunft von Hans Willi Schruff von der Windkraftanlage Brandenberg GmbH & Co. KG eine Erfolgsgeschichte. Und derzeit wird das nächste Kapitel aufgeschlagen. Die Überschrift lautet: „Repowering”.

Dahinter versteckt sich der Ausbau von bestehenden Windkraftanlagen durch neuere, effizientere und leisere Anlagen. Für das Bür-gerrad, das von 100 Anwohnern vor 13 Jahren für eine Millionen Mark errichtet wurde, bedeutete dies zunächst das Ende. Es wurde abgebaut und nach Polen verkauft. In Kürze montiert ein Kran die Rotorblätter des neuen Rades. Gekostet hat es rund drei Millionen Euro, von den 100 Anteilseignern der Bürgerschaft sind mit wenigen Ausnahmen alle weiterhin im Boot, investieren erneut Geld in die erneuerbaren Energien. Der Clou: Die neue Anlage bringt fast die fünffache Leistung, etwa fünf Millionen Kilowattstunden im Jahr. Genug, um den durchschnittlichen Jahresstromverbrauch von 5000 Menschen zu decken. Unterstützt wird diese Modernisierung vom Staat mit Krediten und einer für begrenzte Zeit erhöhten Einspeisevergütuung.

„Wir mussten viele weitere Anfragen ablehnen”, berichtet Schruff. Das Interesse an Windkraft sei groß. „Wenn wir es mit dem Klimaschutz ernst meinen, müssen wir neue Wege suchen”, sagt er. Das neue Windrad spare jedes Jahr 3000 Tonnen CO2 ein, rechnet Schruff vor. Es leiste einen Beitrag zur Versorgungsunabhängigkeit. Und es biete Bürgern die Chance, ihr Geld in der Gemeinde zu investieren. Der Ingenieur spricht von Wertschöpfung. Auf 20 Jahre rechnet Schruff mit einer durchschnittlichen Rendite von acht Prozent. Und auch die Kommunen profitierten, fließe doch Gewerbesteuer in die meist klammen Kassen. CO2-Einsparung sei ein wichtiger Aspekt. Etwas Gewinn dürfe eine Anlage aber dennoch abwerfen.

Eine Frage ist für Schruff besonders wichtig: „Was können die Gemeinden tun?” Hürtgenwalds Bürgermeister Axel Buch kann darauf eine Antwort geben. Derzeit werde ein Gutachten erstellt, um Standpunkte für Windkraftanlagen auf dem Gemeindegebiet zu finden. Buch könne sich sehr gut weitere Bürgerwindkraftanlagen vorstellen. Auch eine Beteiligung der gemeindeeigenen Dienstleistungs- und Entwicklungsgesellschaft an solchen Projekten sei mehr als eine Überlegung wert.

Der Nideggener Stadtrat hat früh die Möglichkeiten erkannt - und bei Schmidt einen Windpark ausgewiesen. Dort hat Dr. Karlheinz Päßler das erste „Repowering” im Südkreis abgeschlossen. Zwei alte Windräder wurden durch ein neues ersetzt. „Die Zahl der Räder sinkt, aber die Leistung vervielfacht sich”, bilanziert er. Im Windpark werden bald auch zwei Räder, die von Schmidter Bürgern finanziert worden sind, erneuert. „Repowering ist ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende”, ist Oliver Krischer, Bundestagsangeodneter der Grünen, überzeugt. Nicht nachvollziehbar sei, dass es in Schmidt Monate gedauert habe, eine Baugenehmigung zu bekommen.

„Die Bundeswehr verhindert an vielen Stellen den Ausbau der Windenergie. Sie beruft sich dabei auf angebliche Störungen ihrer Radarsysteme”, sagt er. Ein Gutachten habe diese Befürchtung widerlegt. Das Problem stelle sich bundesweit aber immer wieder. Wer ein Windrad bauen möchte, brauche beizeiten einen langem Atem. „Von der Planung bis zum Bau hat es drei Jahre gedauert”, berichtet Hans Willi Schruff. „Wir wissen von jedem Vogel, wie er brütet und wie er fliegt”, beschreibt Schruff die „extrem hohen Auflagen”. Ein Windrad wird als Industrieanlage klassifiziert, entsprechend komplex ist das Genehmigungsverfahren. „Der selbstgestrickte Pullover hat ausgedient”, sagt Schruff augenzwinkernd. Auch bei grüner Technologie sei der Anzug die passende Dienstkleidung.
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