Düren - Mehr Bewusstsein für häusliche Gewalt

Mehr Bewusstsein für häusliche Gewalt

Von: Verena Richter
Letzte Aktualisierung:
gewaltbild
Das Opfer soll besser geschützt werden: Die Polizei hat die Möglichkeit bei häuslicher Gewalt den Täter der Wohnung zu verweisen. Foro: imago

Düren. Als die Polizei am Sonntagabend wegen eines Falls von häuslicher Gewalt nach Kreuzau gerufen wurde, war das keine Ausnahme im beruflichen Alltag der Beamten - im Gegenteil. 600 gemeldete Fälle von häuslicher Gewalt gab es im vergangenen Jahr im Kreisgebiet.

Zum Vergleich: 2002 waren es 329 gemeldete Fälle. Aus diesen Zahlen könne man allerdings nicht den Rückschluss ziehen, dass es mehr Fälle von Gewalt im familiären Bereich gibt, erklärt Willi Jörres, Pressesprecher der Dürener Polizei. Vielmehr sei es so, dass häufiger Fälle gemeldet würden.

Immerhin scheinen Aufklärungskampagnen und Informationsleistungen von Polizei sowie staatlichen und privaten Beratungsstellen insofern Wirkung zu zeigen, dass die Menschen sensibler auf das frühere Tabuthema reagieren. Diese Entwicklung bestätigt auch die Frauenbeauftragte der Stadt Düren, Gilla Knorr.

Das liegt nicht zuletzt auch am sogenannten Gewaltschutzgesetz, das Anfang 2002 in Kraft getreten ist und die Opfer von häuslicher Gewalt schützen soll.

So können Polizeibeamte, die zu einem Einsatz gerufen werden, den Täter für zehn Tage der Wohnung verweisen, wenn sie den Eindruck haben, dass von dem Täter immer noch Gefahr ausgeht.

Die Maßnahme dient dem Opfer, das sich in der Zeit Gedanken machen kann, wie es weitergehen soll. Dazu geben die Beamten vor Ort bereits Hinweise auf Hilfsangebote. Wenn das Opfer es wünscht, wird eine der Hilfestellen von den Beamten per Fax über den Vorfall informiert. In Düren ist es zum Beispiel der Verein Frauen helfen Frauen - in der Regel sind nach wie vor Frauen Opfer von häuslicher Gewalt -, der sich dann mit dem Opfer in Verbindung setzt.

Rund 25 Prozent aller Frauen zwischen 16 und 85 Jahren haben laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bereits Gewalt in ihrer Beziehung erlebt. Erschreckend kommt hinzu, dass die Gewalt immer brutaler wird, so Gilla Knorr, die kaum eine Chance sieht, dass sich an der Situation in nächster Zeit etwas ändern wird. „Dazu müsste es weitere gesetzliche Sanktionen geben. Und auch die Täter müssten behandelt werden. Aber da sind wir noch weit von entfernt, fürchte ich.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert