Maulwurf und „Dialog der Putzlappen”

Von: han
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Ständige Begleiter: Puppenspi
Ständige Begleiter: Puppenspieler René Marik mit zwei seiner Figuren. Der Maulwurf und Frosch Günther Falkenhorst sind immer dabei. Foto: dpa

Düren. Rund 2000 Fans waren ins Halbrund der Arena Kreis Düren gekommen, um den diplomierten Puppenspieler René Marik zu erleben, der seine Figuren durch die Film- und Weltgeschichte reisen ließ.

Tragikkomische Szenen entstanden, Puppensketche wurden präsentiert, die nach den ersten frenetischen Lachsalven um den blinden, tapsigen mit einem Sprachfehler behafteten Maulwurf deutlich dünner wurden. Kabarettistische Kurzauftritte bei verschiedenen Sendern sind eben etwas anderes als ein mehrstündiges Live-Programm, bei dem sich Gesten, Mimik und Szenenfolgen in einigen Abschnitten zu wiederholen schienen und mitunter ermüdend wirkten.

Es gab unverkennbare Anlehnungen an Kermit, den Frosch aus der Muppet-Show, „Schweigsame Gesprächsduelle” zwischen zwei Lappen, die in ihrer Performance an Loriot erinnerten, Märchen wurden auf die Schippe genommen, die vom „Sprachfehler” lebten und es gab eine gespielte Begegnung zwischen Old Shatterhand und Winnetou (Maulwurf und Frosch), die in der Aussage gipfelte „mein grüner Bruder”.

Allerdings nutzte der Puppenspieler hinter seiner Kleinstbühne diese Szene zu einem Farbenspiel von Rot bis Braun, das durchaus als politische Assoziation verstanden werden konnte, was an anderen Stellen im „Dialog der Putzlappen” noch deutlicher wurde bei Aussagen wie „Faschist sein kann jeder” und der Antwort „Ich bin Jude”.

Verblüfft war man zeitweise über die Kunstfertigkeit des Puppenspielers, mit winzigen Bewegungen zweier zusammengeknüllter Putztücher komplexe menschliche Verhältnisse bloßzustellen. Doch René Marik vermied es, Probleme künstlich zu erhöhen, reduzierte stattdessen, zog sich auf Klamauk zurück. Sternstunden für das Publikum, dass sich an derben Sprüchen, „Action” und Grunzlauten erfreute.

Immer wieder schimmerte aber durch, dass der Schauspieler nicht nur Comedian, sondern als „Mini-Kabarettist” auf Missstände aufmerksam machen wollte. Einer seiner „Tricks”: die Hasskasperbox, die er an verschiedenen Stellen aufbaute. Die, die „hineingingen” nutzten sie als emotionales Ventil, empörten sich lauthals über persönliche Frustrationen und auch Hassobjekte”. Die so entstandenen Szenen wurden auf einer Videoleinwand eingespielt, und manches anfängliche Zuschauerlachen blieb im Hals stecken.

Nicht alles glänzte in dieser Puppen-Schau. Der Programmabend wirkte zusammengestückelt. Aber René Marik hatte schon zu Beginn gewarnt, dass es „keinen roten Faden” gäbe. Und so ähnelten seine Auftritte als schmachtender Sänger mit allzu seichten Liedern irgendwie einem Vorstadt-Minnesänger, der sich „Don Mercedes Moped” nannte und dessen Plus sein zeitweise virtuoses Gitarrenspiel war. Aber eine Verknüpfung zum Bühnengeschehen, dass „Kaspar-Pop” hieß, gab es nicht. Oder doch?

Zu Beginn philosophierte der in Hildesheim geborene Komödiant über das Thema „Katastrophen und Pop” und ob es einen Zusammenhang gäbe. Die Antwort erhielt er umgehend aus dem Publikum: „Dieter Bohlen”.
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