Martin Claßen und Jörg Grundner geben Konzert

Von: Bruno Elberfeld
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Gitarrist Martin Claßen und Kontrabassist Jörg Grundner bewegten mit ihrem Konzert im Atelierhaus Götze ihr Publikum. Foto: bel

Nideggen. Viele kannten sich wohl, hatten schon viele Konzerte von Singer-Songwriter Martin Claßen mit und ohne Begleitung erlebt. An diesem Abend im Nideggener Atelierhaus Götze stand Jörg Grundner mit seinem Kontrabass neben Claßen.

Der Kontakt zwischen Künstlern und Publikum war schon hergestellt, bevor die ersten Akkorde erklangen. Zumal in der kreativen Wohnzimmer-Atmosphäre von Muna Götzes Galerie keinerlei Versteckspiel möglich ist. Die Gäste werden immer in das Geschehen auf der „Bühne“ mit Rat und Tat eingebunden.

Martin Claßen lud mit seiner Musik und seinen meist tiefgründigen Texten die Frauen und Männer in den Stuhlreihen vor sich zu einer Reise durch mehrere Welten ein. So entführte er sie mit Jacques Brels „Des Teufels Freier“ in die Welt der „Nadelstreifenträger“, der Leute, die Wasser predigen, aber Wein trinken – die Verursacher vieler Katastrophen. Es ist eine Welt der „täglich Weichgespülten“, die es aber mit offenen Augen, offenen Ohren und wachem Verstand hinter den glitzernden Fassaden zu entdecken gilt.

Die meisten Lieder an diesem Abend stammten aus der Feder Claßens. Von Inhalt und Gehalt schwer verdaubar: „Die Engel, die schweigen“. Warum diese Lichtwesen schweigen? Weil sie angesichts des Elends an vielen Orten der Welt nicht mehr weinen können. „Denn“, sagt Martin Claßen, „auch unsere Gewehre sind es, die Tod und Verderben bringen.“ Menschen sind auch wegen dieser Gewehre auf der Flucht. Und wer reicht ihnen die Hand in einer Welt, wo immer noch „die eine Hand die andere wäscht“?

Vom Verliebtsein

Andere Texte des Liedermachers beschäftigen sich mit dem Verliebtsein und der Liebe, beginnend mit dem Sturm der Hormone bis zur geruhsamen Zweisamkeit im Alter, wenn Geborgensein und das „Sich-verlassen-Können“ auf den Partner eine wichtige Rolle spielen. „Verbotene Blicke“ bringen die Welt der Pubertät ins Wanken. Das Anhimmeln der unnahbar Schönen an der Haltestelle und in der Bahn führen zu Unregelmäßigkeiten. Der Liebende sitzt in der falschen Bahn, fährt in die falsche Richtung. Und er erreicht sie nie, nur ihr Bild bleibt in der Erinnerung haften.

Was hilft, so hat es Claßen in vielen Texten niedergeschrieben, ist das Träumen. „Das Träumen lass ich mir nicht nehmen“, sang er und mit ihm wahrscheinlich einige Männer und Frauen im Raum. Und was natürlich das Träumen einfacher machte, war die Aufforderung des Sängers mit „Komm‘, schließ die Augen!“ Und Menschen im Wachzustand mit geschlossenen Augen beobachten zu können, hatte etwas Friedliches.

Hoch angesiedelt im Repertoire Martin Claßens steht die Freundschaft zu dem einen oder den zwei Menschen, auf die auch in der Not Verlass ist. Und vielleicht schreibt auch heute noch – der Künstler fragte danach – in Zeiten von „WhatsApp“, „E-Mail“ und „Twitter“ der eine oder andere dem Freund oder der Freundin einen richtigen Brief mit Füller und richtiger Tinte auf weißem Papier? Wer weiß? Sollte der Mensch die Übersicht total verlieren, so kann er sich ja immer noch des „Adlers“ bedienen, denn der behält aus großer Höhe den geschärften Blick auf das Ganze.

Martin Claßen und Jörg Grundner präsentierten die Musik mit Leib und Seele. Claßen interpretierte die Songs mal nur mit Gitarre, mal mit Gitarre und Mundharmonika, immer aber mit Gesang. Engagiert und leidenschaftlich, mit ausgeprägter Mimik artikulierte er seine Botschaften, die vielleicht den einen oder anderen Gast in eine nachdenkliche Stimmung versetzt haben. Martin Claßen wünschte, dass alle Menschen mit ihrem eigenen Kompass ihren Weg zum Glück bis ans vorgezeichnete Ende finden.

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