Nörvenich/Kreuzau - Markus Kuchenbaur: Als Eurofighter-Pilot über den Wolken von Nörvenich

Markus Kuchenbaur: Als Eurofighter-Pilot über den Wolken von Nörvenich

Von: Burkhard Giesen
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Marcus Kuchenbaur lebt in Kreuzau. Der Eurofighter-Pilot wird heute beim „Tag der Bundeswehr“ in Nörvenich über die Ausbildung von Piloten informieren. Foto: Burkhard Giesen

Nörvenich/Kreuzau. Als Markus Kuchenbaur sieben Jahre alt war, donnerte ein Tiefflieger über seine bayerische Heimat. Kuchenbaur stand mit seinem Papa auf einem Feld, hatte leuchtende Augen und sagte: „Da will ich später mal drin sitzen!“ Die Antwort des Papas war eindeutig: „Lass‘ den Quatsch, lern‘ etwas Richtiges.“

Ein Rat, an den sich der Siebenjährige nicht gehalten hat. Heute ist er Oberstleutnant im Nörvenicher Geschwader und steuert selbst Maschinen wie den Eurofighter. Für Kuchenbaur, der am Samstag beim „Tag der Bundeswehr“ auf dem Fliegerhorst Besuchern seinen Job erklären wird, war es immer der Traumberuf, Pilot bei der Bundeswehr zu werden. „Ich meine das nicht überheblich. Aber es ist eben deutlich vielseitiger, als im Linienflug von A nach B zu fliegen“, sagt er.

Hohe Verantwortung

Vielleicht hat das grundsätzlich mit der Technikaffinität zu tun oder auch dem Rausch nach Geschwindigkeit. Für den Oberstleutnant hat es aber vor allem auch mit Verantwortung zu tun: „In einem Eurofighter, mit dem ich Loopings oder Rollen fliege und taktische Manöver übe, sitze ich alleine.“ Soll heißen: Man vertraut ihm mal eben ein Fluggerät im Wert von 120 Millionen Euro an.

1994 hat Kuchenbaur bei der Bundeswehr mit seiner Ausbildung angefangen. Sein Flugtraining hat er schon damals mehr als nur Ernst genommen. Vor allem war ihm klar, dass mit Kampfeinsätzen rechnen muss.

Der kam 1999 im Bosnien-Krieg. Später kam ein begleitender Einsatz in Libyen dazu. Beschäftigt einen das? Belastet es? Kuchenbaur zögert leicht mit der Antwort. „Natürlich macht man sich da Gedanken. Versucht im Vorfeld das Risiko abzuschätzen“, sagt er. „Man wird natürlich auch auf die Einsätze vorbereitet.“ Dann wird er etwas ernster: „Ich bin nicht hier, um einen Eurofighter nur zum Spaß zu fliegen. In solchen Fällen repräsentiere ich die Bundesrepublik. Im Worst Case muss ich bereit sein, mein Leben zu opfern.“

Für diese Einstellung, erinnert sich Kuchenbaur, ist er vor 20 Jahren als Uniformierter in Diskussionen auch beschimpft worden, einmal gar bespuckt. „Ich hatte da wirklich sehr negative Erlebnisse. Das hat sich in der Vergangenheit deutlich geändert und ist besser geworden.“ Das spürt Kuchenbaur nicht nur in seinem Umfeld. „Seit es die Wehrpflicht nicht mehr gibt, muss sich die Bundeswehr als attraktiver Arbeitgeber präsentieren, weil sonst die Gefahr besteht, dass man sich isoliert und nicht mehr mit der Gesellschaft in Interaktion steht“, erklärt Kuchenbaur.

Eine Dynamik, die auch zu einem Wandel in der Bundeswehr geführt hat, die sich offener präsentiert. Für Kuchenbaur ist das eigentlich ein alter Hut. Er hat nicht nur während seiner Ausbildung oft in den USA gelebt und gearbeitet. „Da gibt es zum Beispiel seit Jahren Frauen, die Kampfflugzeuge fliegen. Bei uns ist das noch die Ausnahme.“ Aber nicht mehr lange. Unter der Regie von Kuchenbaur wird in Nörvenich eine junge Pilotin ausgebildet. Apropos USA: Gerade die Schulungen im Ausland, ob in den USA oder Kanada, haben ihn immer besonders gereizt.

Sein Traum vom Fliegen beutet aber noch lange nicht, dass er rund um die Uhr im Eurofighter sitzen kann und permanent über den Wolken schwebt. „Zwei Drittel meiner Zeit verbringe ich im Büro“, berichtet er. Die Aufgaben sind vielfältig. Er ist als Berater des Kommodore tätig, ist Cheffluglehrer und zudem Geschwaderüber-greifend für die Standardisierung von Vorschriften zuständig. Letzteres wird ihn bald noch mehr in Anspruch nehmen, dann wechselt er nach Köln, kann aber weiter in Kreuzau wohnen bleiben, wo sich der Bayer überaus wohlfühlt.

Ausgesucht hatte sich Kuchenbaur seinen Wohnort Kreuzau von den USA aus – per Google Maps. „Ich bin Berge und Seen gewohnt. In Nörvenich fehlten mir die Berge. Also habe ich mir mit Google Maps das Relief der Nachbarkommunen angeguckt und bin in Kreuzau fündig geworden.“ Die Eifel hat er vor der Tür. „Das hat einen hohen Freizeitwert und ich kann mit meinen Kindern oder dem Hund spazieren gehen und Fahrradfahren.“

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