Mario Cremer untersucht Schlacht um Hürtgenwald

Von: Gudrun Klinkhammer
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Mario Cremer ist in Hasenfeld aufgewachsen. Er beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit den Schlachten um den Hürtgenwald. Foto: Klinkhammer

Wollersheim. Schon als kleiner Junge wurde Mario Cremer mit der Historie und den politischen Ereignissen der Eifel konfrontiert. Die Menschen um ihn herum erinnerten sich zum Beispiel an den Zweiten Weltkrieg. Oma, Opa und Eltern sprachen von Schlachten, Kämpfen, Kriegsgefangenschaft und Besatzung.

Cremer wuchs in Hasenfeld auf. Seine Mutter, Edith Cremer, ist seit vielen Jahren stellvertretende Bürgermeisterin von Heimbach, sie stammt aus Dahlem. Der heute 50-Jährige legte sein Abitur am Clara-Fey-Gymnasium in Schleiden ab, dann zog es ihn zur Bundeswehr.

Inzwischen bildet er als Oberstleutnant den Nachwuchs aus. Und in seiner Freizeit beschäftigt er sich eben auch mit den Erinnerungen seiner Vorfahren. Am Samstagabend hielt Mario Cremer im Stiftshof in Wollersheim einen Vortrag zum Thema „Die Schlacht um den Hürtgenwald“.

Veranstalter war der Freundeskreis für Kultur und Geschichte Wollersheim in Kooperation mit der Dorfgemeinschaft. Cremer erläuterte zunächst seine Vorgehensweise: „Ich sammle Kriegserlebnisse, die mir berichtet werden, in Form von Notizen. Dann vergleiche ich diese Berichte mit seriösen Quellen wie etwa mit Material aus dem Bundesarchiv oder einem vergleichbaren Archiv der Amerikaner.“ Anschließend sucht Cremer die Veteranen erneut auf und fragt sie, ob das, was er recherchiert hat, den Tatsachen entspricht.

Oft hört er dann den Satz: „Ja, stimmt, so war das.“ Cremer weiß inzwischen aber auch aus Erfahrung: „Manches, was spontan erzählt wird, stimmt gar nicht immer. Manchmal werden Tatsachen verdreht, es wird auch hinzugedichtet oder weggelassen.“ Auf diese Weise möchte der Soldat, der für seine Recherchen die „militärische Brille“, wie er es nennt, anzieht, Gerüchte, Unwahrheiten und Legenden um die Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg im Hürtgenwald aus dem Weg räumen.

Cremer: „Dass Vossenack im Zweiten Weltkrieg 28 Mal den Besitzer wechselte, das stimmt beispielsweise nicht.“ Auch die Zahl der Toten im Hürtgenwald zweifelt Cremer an: „Wer genau hinschaut, erkennt, dass von 68 000 Opfern die Rede war.“ Der Geschichtsforscher spricht aber von 50 000 Toten, darunter 35 000 Amerikaner. In insgesamt sechs einzelnen Schlachten wurde zwischen dem 12. September 1944 und dem 3. März 1945 um den Hürtgenwald gekämpft.

„Objektiv ans Werk machen“

Cremer: „120 000 Menschen gingen damals aufeinander los. Um den Geschehnissen das Abstrakte zu nehmen, nehme ich einzelne Menschen heraus und gebe den Ereignissen auf diese Weise ein Gesicht.“ Als hilfreich erweise sich, dass die amerikanischen Generäle, die um den Hürtgenwald gekämpft hatten, inzwischen tot sind. Eine neue Generation von Historikern könne sich nun „objektiv ans Werk machen“, berichtete der Referent den staunenden Zuhörern im voll besetzten Saal.

Simone Schmitz aus Heimbach bot in einem Vorraum zum Vortragssaal Bücher an, die zum Thema Eifel und Zweiter Weltkrieg passen. Die Heimbacherin sammelte diesen Bestand in mühevoller Kleinarbeit in den vergangenen Jahren.

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