Marianne Henk führt mit fast 90 Jahren immer noch ihren Textilladen

Von: Franz Sistemich
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Rüstig und guter Laune: Marianne Henk führt auch mit fast 90 Jahren noch ihr Textilgeschäft an der Hengebachstraße in Heimbach. Foto: Sistemich

Heimbach. An die schnelle Mark hat Marianne Henk Zeit ihres Lebens nie gedacht. „Meinen Kunden habe ich nicht einfach ein Kleidungsstück verkauft. Ich habe sie immer individuell beraten.“ Die Geschäftsfrau aus der Heimbacher Hengebachstraße hat sich auch nie gescheut, von einem Kauf abzuraten: „Wenn es an der Kundin nicht gut aussieht, dann sage ich es ihr auch.“

Der Käuferin etwas aufschwatzen, einfach um (jetzt) den zusätzlichen Euro zu verdienen? „Nein, das habe ich nicht gemacht – und das werde ich auch in Zukunft nicht machen.“ Schließlich will Marianne Henk auch in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren noch so manchen Rock oder Hose, Bluse oder Jacke verkaufen.

„So Gott will“ sagt die Heimbacherin. Dies sagt sie, weil sie am Donnerstag 90 Jahre alt wird. Ihr Alter sieht man der rüstigen Seniorin nicht an. Eine Erklärung, warum sie geistig wie körperlich noch so fit ist, hat Marianne Henk nicht. Sie hat in jeder Beziehung ein ganz normales Leben gelebt. Vielleicht aber hat ihr Geschäft die Jubilarin jung gehalten.

Marianne Henk war die jüngste der drei Töchter des Heimbacher Schreinermeisters Josef Pütz und seiner Frau Sybilla. Diese gründete 1919 in einem alten Fachwerkhaus an der Hengebachstraße, das das Ehepaar gekauft hatte, ein Textilgeschäft.

Zunächst verkaufte die Mutter unter anderem Bettwäsche. Dann erweiterte sie das Sortiment. Während des Baus des Westwalls verkaufte Sybilla Pütz Unmengen an Arbeitskleidung für Männer. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Mutter neu beginnen. Und Marianne Henk wuchs immer mehr in die Leitung des Geschäftes hinein. 1959, nach dem Tod der Mutter, übernahm sie es, baute es mehrfach aus und um, modernisierte es immer wieder, zuletzt 1990.

Schließlich änderten sich die Moden, die Geschmäcker, die Bedürfnisse. „Aber das ist es ja, was mich gerade an meinem Beruf so fasziniert: Ständig gibt es neue Trends, Farben, Moden und Designs.“

Fast alles macht Marianne Henk noch selbst. Unterstützt wird sie von ihren Neffen Professor Dr. Alfred Joepen und Helmut Breuer. Die Männer, die als Kinder schon gerne bei der Inventur geholfen haben und dabei „Unmengen von Nähseide zählten, die sich in unendlich vielen Schubladen in einem riesigen Schrank befanden“, fahren mit der Tante beispielsweise nach Neuss, wenn neue Ware eingekauft werden muss. „Meine Jungs“ nennt sie die Männer aus Roetgen und Heimbach. Ihr und ihrem verstorbenen Mann Peter waren eigene Kinder nie vergönnt. Doch Marianne Henk hat ja ihre Neffen, die sie auch bestärken, ihr Geschäft weiterzuführen.

Nur einmal in ihrem langen Leben machte sie sich ernsthaft Gedanken, das Geschäft zu schließen: nach dem Tod ihres Mannes. Doch eben der Umgang mit den Kunden und die Herausforderungen an eine Geschäftsinhaberin halfen der Jubilarin über den schmerzlichen Verlust hinweg und ließen die Freude an ihrer Tätigkeit wiederkommen. Und die Kunden danken es ihr trotz der billigeren Konkurrenz der großen Modehäuser. Obwohl sie ja viele ihrer Stammkunden überlebt habe, „kommen immer wieder andere jeden Alters in mein Geschäft“, erzählt die vitale Jubilarin. Es habe sich halt herumgesprochen, dass sie immer freundlich zu den Kunden sei und sie kompetent berate: „Viele kommen auch von auswärts und freuen sich, dass ich immer noch mein Geschäft betreibe.“

Mit all diesen Kunden möchte Marianne Henk an diesem Donnerstag feiern. Ab 11.00 Uhr können die Gratulanten während eines „Tages der offen Tür“ mit ihr auf den 90. Geburtstag und die Zukunft anstoßen. Vielleicht haben Verwandte, Freunde und Gäste dann auch Gelegenheit, mit Marianne Henk über eine neue Geschäftsidee zu reden: „Ich würde gerne Babykleidung verkaufen.“

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