Margit Göckemeyer: Politischer Gegenwind vom ersten Tag an

Von: Franz Sistemich
Letzte Aktualisierung:
10962850.jpg
Ein Lächeln im Gesicht trotz Abwahl: Vor Margit Göckemeyer liegt ein neuer Lebensabschnitt. Foto: Sistemich

Nideggen. Margit Göckemeyer lacht. Warum auch nicht: Die Sonne scheint über Nideggen. Keine Wolke trübt den Blick auf den blauen Himmel. Der Wind pfeift durch die Fußgängerzone. Eigentlich hat Margit Göckemeyer aber keinen Grund, fröhlich zu sein.

Der Wähler hat die parteilose Bürgermeisterin bereits im ersten Wahlgang aus ihrem Amt gejagt. Der 59-Jährigen hat der Souverän nach sechsjähriger Amtszeit das Vertrauen derart entzogen, dass Göckemeyer nicht einmal zur Stichwahl antreten durfte. Und dennoch lacht sie. Sie denkt beim Fototermin an ihre Vorstellung als gemeinsame Kandidatin verschiedener Parteien und einer Gruppierung 2009 auf der Burg. „Der Wind zersauste auch damals mein Haar, als mich die Presse fotografierte“, erinnert sie sich.

Mit Gegenwind musste Margit Göckemeyer seit Beginn ihrer Nominierung und ihrer Amtszeit kämpfen. Die CDU stellte noch einen eigenen Kandidaten auf, SPD, Grüne und Unabhängige schickten sie erfolgreich ins Rennen um das Bürgermeisteramt, gegen Ende ihrer Amtszeit aber musste sie alleine den Kampf um die Wiederwahl bestreiten.

Dass gerade die Nideggener Grünen „ihrer“ Bürgermeisterin öffentlich die Gunst versagten, kann taktisches Kalkül gewesen sein: Eine Stellungnahme pro Wiederwahl hätte die Chancen möglicherweise noch mehr gemindert. Dass die Grünen aber vor dem zweiten Wahlgang eine Empfehlung aussprachen, hat die abgewählte Bürgermeisterin geärgert: „Das habe ich dann auch der Partei- und Fraktionsvorsitzenden deutlich zu verstehen gegeben“, sagt Göckemeyer.

Vielleicht liegt die fehlende Unterstützung auch in einer anderen Aussage begründet: „Ich habe nicht immer das übernommen, was die Grünen wollten. Ich war schließlich nicht Bürgermeisterin der Grünen, sondern der ganzen Stadt“, betont sie. Und für diese habe sie trotz eines „schwierigen Stadtrates“ gute Arbeit geleistet: „Die Stadt, der die Insolvenz drohte, verfügt jetzt über ein solides Fundament, das meinem Nachfolger auch schon bei seiner Arbeit als Ordnungsamtsleiter geholfen hat.“

Die Altlasten, sagt die Noch-Bürgermeisterin, seien abgearbeitet – zumindest zum größten Teil. Statt loser Blattsammlungen im Rathaus gebe es nun vernünftig geführte Akten. Fehlende Jahresabschlüsse seien fertiggestellt worden, die schwere finanzielle Schieflage sei behoben – auch weil die Bürger und Bürgerinnen trotz der Belastungen, die sie auf sich nehmen mussten und müssen, mit an dem Konsolidierungsstrang gezogen hätten.

Dass die Verwaltung nach Aussage ihres Nachfolgers nicht hinter ihr stünde, sondern dass er die Mitarbeiter hinter sich spüre, nimmt Margit Göckemeyer zur Kenntnis: „Als ich anfing, gab es keine Hierarchie in der Verwaltung. Ich habe zwar kein Personal hin- und hergeschoben, aber Veränderungen vorgenommen. Diese liegen in meinem Aufgabenbereich. Aber Veränderungen sind immer problematisch. Da kann schnell eine Misstrauensatmosphäre entstehen.“

Teile des Rates macht sie auch für die Stimmung gegen sie verantwortlich. Beispielsweise beim Thema Schulpolitik, als Ratsmitglieder und Eltern die Einführung der Sekundarschule verhindern wollten. Der Gegenwind hat sich wie ein roter Faden durch ihre Amtszeit gezogen. „Es sind immer wieder falsche Behauptungen in die Öffentlichkeit gebracht worden, auch im Wahlkampf.“ Dennoch sah Göckemeyer dem ersten Wahltermin optimistisch entgegen. Dass sie nicht den Sprung in die Stichwahl schaffte, hat sie tief getroffen. „Am Abend des 13. Septembers war ich absolut enttäuscht. Ich sagte mir: Der Mensch braucht einen Schuldigen.“

Nun steht ein neuer Lebensabschnitt bevor. Margit Göckemeyer wird mit den Verantwortlichen der Stadt Solingen – sie ist dort freigestellt – über Arbeitsmöglichkeiten in der Verwaltung reden. Sie wird ihren Lehrauftrag an der Düsseldorfer Fachhochschule weiter wahrnehmen. Nideggen wird sie aber nicht aus den Augen verlieren. „Ich habe in der Stadt Freunde im wahrsten Sinn des Wortes gefunden.“

Die Arbeit des Rates und die ihres Nachfolgers dürften auch nicht aus dem Fokus verschwinden, vor allem auch unter dem Blickwinkel der politischen Kultur. Ihrem Nachfolger, der zum Kreis der jüngeren, „guten und starken Führungspersönlichkeiten in der Verwaltung“ zähle, auf die sie Wert gelegt habe, gibt sie nach kurzem Zögern einen Ratschlag mit auf den Weg: „Nicht so viel auf einmal ändern wollen.“ Ihr blieb angesichts der Finanzlage kaum eine andere Wahl.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert