Nideggen - Marco Dederichs: Ein Kämmerer sucht den Weg aus der Krise

Marco Dederichs: Ein Kämmerer sucht den Weg aus der Krise

Von: Burkhard Giesen
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Der Blick des neuen Kämmerers Marco Dederichs in den leeren, altertümlichen Tresor verrät nichts Gutes: Die Nideggener Stadtkasse ist schon seit langem nicht mehr gefüllt. Foto: Burkhard Giesen

Nideggen. Marco Dederichs sitzt an seinem Schreibtisch. Das Telefon klingelt. „Sie können mich auch später noch erreichen. Ich bin heute etwas länger hier“, sagt er in den Hörer. Dederichs ist seit Anfang Januar der neue Fachbereichsleiter Finanzen der Stadt Nideggen, also das, was man gemeinhin als Kämmerer bezeichnet. Den Satz „Ich bin heute etwas länger hier“ könnte er sich eigentlich auf Band aufnehmen, er wird ihn mit Sicherheit noch oft sagen.

Der 33-Jährige hat eine Mammutaufgabe zu stemmen: nichts weniger, als die maroden Finanzen der Stadt Nideggen zu bereinigen, um auf lange Sicht die leeren Kassen wieder zu füllen. Eine Aufgabe, vor der vielleicht selbst Don Quichotte schreiend davon laufen würde. Marco Dederichs reizt genau diese Aufgabe. Seine Logik ist verblüffend: Immer mehr Kommunen würden in den kommenden Jahren in eine ähnliche finanzielle Schieflage geraten, wie sie sich jetzt in Nideggen zeige.

„Letztlich haben wir eine Vorreiterrolle. Wir müssen einen Weg aufzeigen, wie wir wieder zu mehr Stabilität kommen“, sagt er. Dederichs hat seine Ausbildung in der Verwaltung bei der Stadt Hürth begonnen, saß zunächst im Steueramt, absolvierte sein Studium zum Diplom-Verwaltungswirt, legte noch einen Master-Studiengang in Betriebswirtschaftslehre nach und wechselte in die Kämmerei der Stadt Hürth, um dort die Einführung des Neuen Kommunalen Finanzmanagements (NKF) zu begleiten. „Ich habe mich schon in meinem Studiengang mit dem Schwerpunkt Haushaltskonsolidierung beschäftigt. Das ist mit ein Grund, warum mich die Herausforderung gereizt hat, nach Nideggen zu kommen.“

Dabei ist der Arbeitsalltag noch eher dröge. Dederichs muss sich mit den Zahlenwerken vertraut machen. „Ich bin noch dabei mir ein Bild zu verschaffen, wo die Kommune finanziell steht und wie es uns gelingen kann, die Liquiditätslücke bis 2016 zu schließen. Dafür muss ich mich mit jeder Position im Haushalt vertraut machen“, erklärt er. Parallel arbeitet die Kämmerei weiter mit Hochdruck an den noch ausstehenden Jahresabschlüssen, um das finanzielle Gesamtbild zu vervollständigen.

Nein, zahlenfixiert sei er als Kämmerer nicht, sagt Marco Dederichs, auch wenn er die Zahl von 1,7 Millionen Euro – also die aktuelle Finanzierungslücke, um die Gelder aus dem Stärkungspakt NRW zu bekommen und so in Zukunft einen ausgeglichenen Haushalt aufstellen zu können – stets vor Augen hat. „Das ist mein Auftrag. Dennoch muss man sich jeden Tag auch vor Augen halten, was diese Zahlen für Bürger und Vereine bedeuten, zumal wir für die Menschen arbeiten, die hier wohnen.“ Soll heißen: Die Belastung der Bürger durch immer höhere Steuern und Reduzierung von Standards hat für ihn Grenzen. Dederichs: „Der ländliche Raum darf nicht abgehängt werden. Es muss auch weiter soziale und kulturelle Angebote geben.“

Für einen Kämmerer, der finanziell über dem Abgrund schwebt, eine wichtige Aussage. Die er – wie der Rat und die Bürgermeisterin auch – auch dann vertreten muss, wenn der von der Bezirksregierung bestellte neue Gutachter nach Nideggen kommen wird. Letztlich entscheiden kann der auch nichts, glaubt Dederichs, schließlich sei die Politik „in der Verpflichtung, schmerzliche Einschnitte vorzunehmen“.

In einem Punkt ist Marco Dederichs dann doch zahlenfixiert: Tricksen, also etwa mit Fantasie-Zahlen jonglieren, um so einen Ausgleich schön zu rechnen, kommt für ihn nicht in Frage: „Natürlich könnte man es sich jetzt leicht machen. Aber in der Endabrechnung hilft uns das nicht weiter und wir hätten in zwei Jahren das nächste Problem.“

Wie gesagt: Es ist eine Mammutaufgabe. Und Marco Dederichs wird bei all der Arbeit nicht nur am Donnerstag bis zum späten Abend erreichbar sein.

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